Beim Mehrweg-Rundgang: (v.l.) Alicia Frey (Wirtschaftsförderung), Christian Schottenhammel (Kreisvorsitzender Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband), Dritte Bürgermeisterin Katharina Dworzak (SPD), das Wirte-Paar Giuseppe „Pino“ Montesano und Juliana Montesano, Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), Ansgar Sommer (Gewerbeverein) und Daniela Ziegler (Dehoga Kreisgeschäftsführerin München). 
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Beim Mehrweg-Rundgang: (v.l.) Alicia Frey (Wirtschaftsförderung), Christian Schottenhammel (Kreisvorsitzender Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband), Dritte Bürgermeisterin Katharina Dworzak (SPD), das Wirte-Paar Giuseppe „Pino“ Montesano und Juliana Montesano, Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), Ansgar Sommer (Gewerbeverein) und Daniela Ziegler (Dehoga Kreisgeschäftsführerin München). 

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Von der Eisdiele bis zur Alm: Wirte in Haar setzen auf Mehrweg

  • Sabina Brosch
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Kreislaufwirtschaft heißt das Motto, unter dem die Gemeinde Haar künftig handeln will. Ein Schritt dabei ist die Umstellung von Mehrwegverpackungen für alle Betriebe, die „to go“ anbieten. Das Eiscafé Firenze, das Ristorante Da Pino und der Almwirt sind bereits dabei.

Haar – Rolando und Natascha Nardi haben umgestellt. Die Besitzer des Eiscafé Firenze in Haar sind „voll auf Mehrweg“, sagt Rolando Nardi, „denn wir müssen Verantwortung übernehmen.“ Von der Tortenschale zum Kaffeebecher bis hin zum kleinen Eislöffelchen hat er sich mit wiederverwendbarem Geschirr eingedeckt. Für Kunden, die Kaffee oder Speisen mitnehmen wollen, versteht sich, denn: „Natürlich trinken wir unseren Espresso am liebsten immer noch am Tresen in Porzellan-Tassen.“ Die gebrauchten Eisbecherchen und -löffel, die herumliegen oder die Mülleimer verstopfen, waren Nardi jedoch schon lange ein Dorn im Auge. Und deshalb ziert künftig ein roter Aufkleber mit „Mehrwegsystem“ die wiederverwendbaren Becher und Schüsseln, die 20 Cent Pfandgebühr kosten.

Zehn Prozent Rabatt auf den nächsten Einkauf

Wer mit dem Becher wieder in die Eisdiele kommt, erhält auf den neuen Einkauf zehn Prozent Rabatt. Für zehn Kaffee To-Go gibt es einen Thermobecher und ebenfalls zehn Prozent Belohnung. „Landet der Becher auf der Straße, dann kann der Finder sich die 20 Cent Pfand ausbezahlen lassen. Für mich ist das ein gutes System“, betont Rolando Nardi. Sein Mehrweggeschirr ist zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial und kommt aus Italien. In der Eisdiele wird es gespült und sterilisiert, bevor es wieder in den Verkauf kommt.

Ristorante Da Pino experimentiert mit Recycling-Pappkarton für Pizza

Auch Wirt Giuseppe „Pino“ Montesano vom gleichnamigen Ristorante „Da Pino“ hat sich bereits mit To-Go Geschirr eingedeckt: Drei verschiedene Teller- und Schüsselgrößen stehen schon im Schrank, einen Recycling-Pappkarton für die Pizza testet er gerade. Der Dritte im Mehrweg-Bunde ist „Almwirt“ Klaus Bartl. Auch er hat Mehrweg-Bowls, aber es sei für eine typisch bayerische Gastwirtschaft nicht einfach, denn Knödel, Krautsalat, Braten und Soße will kein Gast in einer Schüssel vermischt haben. „Wir brauchen daher sicherlich viele unterschiedliche Schüsseln.“

Gemeinde Haar zahlt den Wirten einen Zuschhuss

Dass es nicht einfach ist, den Kreislaufgedanken umzusetzen, ist Dritter Bürgermeisterin Katharina Dworzak klar. Sich in Haar auf maximal zwei Systeme zu einigen wäre sinnvoll. „Das wäre sowohl für die Betriebe als auch für die Kunden einfacher und würde auch für eine bessere Akzeptanz sorgen.“ Ihre SPD-Fraktion hat den Antrag für eine Förderrichtlinie im Februar Jahres in den Gemeinderat eingebracht, demzufolge die Einführung auf Mehrweg mit 500 Euro durch die Kommune unterstützt wird.

Gewerbeverband zieht mit

An der Umsetzung von „MehrWeg MehrWert“ ist neben der Haarer Wirtschaftsförderung, auch der Haarer Gewerbeverein beteiligt. Die Umstellung betrifft über 100 Gastronomen, Hotels und Nahversorger. Für Ansgar Sommer, Vorsitzender des Gewerbevereins, ist das ein Weg, neue Gäste zu gewinnen, aber auch die Bindung zu den Stammgästen zu erhöhen. Nun müssen die Konsumenten informiert werden, ein Flyer und auch eine Informationsveranstaltung im Herbst sind in Planung. Dort sollen auch verschiedene Mehrweg-Anbieter ihre Produkte präsentieren können.

Hotel- und Gaststättenverband sieht richtigen Zeitpunkt für Umstellung gekommen

Bereits eine Anbieter-Vorauswahl getroffen haben der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband sowie die Dachorganisation DEHOGA. „Wir waren bereits weg von Einweg, durch Corona und die Beschränkungen stehen wir nun wieder ganz am Anfang“, betonte Christian Schottenhammel, Kreisvorsitzender des Verbandes. Corona vermülle die Städte, daher „ist nun der genau richtige Zeitpunkt für Mehrweg“.

Dehoga-Kreisgeschäftsführerin Daniela Ziegler hofft auf eine hohe Kundenakzeptanz. Bei zu vielen Anbietern laufe man Gefahr, dass es zu unüberschaubar für den Kunden wird. Eine Lösung wäre eine zentrale Sammelstelle, bei der alle Mehrweg-Systeme zusammengeführt werden.

Bürgermeister Andreas Bukowski will Haar zur „Circular Community“ machen

Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) hat ein langfristiges Ziel vor Augen. Er möchte Haar zur „Circular Community“ führen. „Im Rathaus drehen wir bereits an vielen Stellschrauben, um den Wandel zu einer sinnvollen Kreislaufwirtschaft voranzubringen“, sagt Bukowski. Mehrweg sei ein Bestandteil, ein weiterer Bereich ökologisch nachhaltigen Handelns sei vor allem der Bausektor. „Das mag zum Teil visionär klingen, aber es ist möglich“, erklärt der Bürgermeister

Verbot von Einweg-Plastik ab dem Stichtag 3. Juli 2021

Ab 3. Juli dieses Jahres gilt ein Verbot von Einweg-Plastik, also Einwegbecher oder Transportschalen aus Styropor, Pappe oder Einweg-Kunststoff. Durch die vom Bundeskabinett beschlossene Mehrwegpflicht für die Gastronomie sind Restaurants, Cafés und Bistros ab Januar 2023 zudem verpflichtet, Coffee-to-go und Take-away im Mehrwegbehältnis anzubieten. Infos zur Antragstellung und zur Förderung gibt es bei der Gemeinde Haar.

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