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Glücksmoment im Nirgendwo: Alex Denk aus Ottendichl bei Haar marschiert unterm Regenbogen durch die norwegische Wildnis.

Ein Jahr unterwegs

Zu Fuß durch ganz Europa: Ottendichler wandert von Südspanien zum Nordkap

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7000 Kilometer, sechs Paar durchgelaufene Schuhe: Alex Denk aus Ottendichl (Gemeinde Haar) hat binnen eines Jahres den europäischen Kontinent durchwandert.

Ottendichl – Vor einem Jahr war Alex Denk (24) noch glattrasiert mit Kurzhaarfrisur. Der sportliche Ottendichler (Gemeinde Haar) hatte seine Ausbildung zum Physiotherapeuten beendet. „Aber ich wollte nicht gleich arbeiten, vorher musste etwas Besonderes kommen.“ Ein Österreicher brachte ihn auf die Idee, Europa zu durchqueren, von Südspanien bis zum Nordkap. Zu Fuß. Reisebilanz nach knapp einem Jahr: 7000 Wanderkilometer, tausende Fotos, ein Zauselbart und unvergessliche Naturerlebnisse.

Alex Denk war immer schon sportlich, ging wandern, fuhr Ski. Vor einer Ausbildung war er im Internat bei den Regensburger Domspatzen. Nach dem Abi wollte er Wirtschaftsinformatik studieren, das klappte nicht, also marschierte er „mal schnell“ gut 500 Kilometer den spanischen Jakobsweg entlang. Danach nur ein paar kurze Wanderungen – 150 Kilometer auf Mallorca, 200 in Schottland. „Ich hatte keine Ahnung von Distanz, wie schwer ein Rucksack auf lange Strecken sein darf, wie weit man am Tag gehen kann“, erzählt er.

Ultraleichtes Sportgepäck – und ein Göffel

Und machte klassische Anfängerfehler: Der Rucksack wog 14 Kilo ohne Zelt – man weiß ja nie, was man so braucht – und er marschierte anfangs, bis er fast umfiel. Bis ihm klar wurde, dass es nicht um Schnelligkeit geht und er mit sehr wenig auskommt: Isomatte, Schlafsack, Zelt, Rucksack, alles ultraleicht, dazu ein kleiner Waschbeutel Gegen die Kälte sorgte er nach dem Zwiebelprinzip mit langer Unterhose, Mütze, Handschuhen, Daunen- und Regenjacke vor, dazu ein kleiner Gaskocher mit Göffel (ein Löffel mit Gabel-Zinken).

Haariger als vor dem Trip: Abenteuer-Wanderer Alex Denk zurück in Ottendichl.

Massig Wechselwäsche? „Unnötig – in der Natur stinkt eh jeder!“, lautet seine Devise heute. Inklusive Foto- und Video-Kamera samt Objektiven, zur Navigation zwei Handys, falls eines kaputt geht, Taschenmesser und E-Book reduzierte er sein Rucksack-Gewicht auf sechs Kilo. „Das war deutlich angenehmer.“ Dazu Trail-Runner-Schuhe, so marschierte er vom spanischen Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas, nach Norden. Sechs Monate später wollte in Norwegen sein, um das Nordkap, vor dem Winter zu erreichen.

Doch es kam anders. „Ich habe mich drei Wochen durch Andalusien gequält.“ Der Kopf war nicht frei, dazu kamen die Schmerzen: Wegen einer Knochenhaut-Entzündung am Schienbein schaffte Denk nur noch 80 Kilometer in der Woche. An Heiligabend 2017 lag er frierend, mit Tränen vor Schmerzen, in einem Hotel ohne Heizung in einem winzigen Kaff in Spanien. Wütend auf sich selbst humpelte er zur Straße, fuhr per Anhalter und Bus zum Flughafen und war am Abend zurück daheim in Ottendichl. „Ich dachte, ich bin gescheitert.“

Anfangs quält der Schmerz – dann spielt der Kopf mit

Nach sechs Wochen Pause dann der Neustart in Lyon, Frankreich. Mitten im Winter. Trotz bis zu minus 18 Grad nachts und 10 Grad unter Null am Tag, spielt nun der Kopf mit. „Es gab nur noch die Freude am Gehen“, erinnert sich Denk. Täglich spult er an die 40 Kilometer ab – durch Frankreich, dann die Schweiz und bei Konstanz durchs Schwabenland. Dort erlebt er den Frühling so intensiv wie nie: „Die Vögel, die ersten Blüten, die erwachende Natur – unglaublich schön.“ In Dänemark flutscht es so richtig, er macht im Schnitt 45 Kilometer am Tag gut, einmal sogar 60. Dann mit der Fähre nach Kristiansand, ganz in den Süden Norwegens. 3000 Kilometer liegen noch vor ihm.

Norwegen, das ist für Alex Denk: Weite. Unendliche Weite. Hunderte Wanderhütten, die jedem offen stehen, wo man auf Vertrauensbasis bezahlt, was man an Vorräten braucht. „Es gab Phasen, da habe ich zwei Wochen lang keinen Menschen gesehen“, erzählt der Fernwanderer. Und strahlt dabei übers ganze Gesicht. „Das Grandiose der Landschaft überwiegt einfach.“ Doch die eiskalten Nächte, die Tage bei Dauerregen, die nicht mehr vorhandenen Wege durch Matsch, Moor und Morast, die Tage ohne Lust und Antrieb – die vergisst er auch nicht.

Ein Weihnachtslied trägt ihn durch die Sommerhitze

In solchen Momenten hilft ihm das Singen. Zwei Lieder trällert er immer wieder lauthals, der ehemalige Domspatzen-Schüler: „If you’re happy, and you know it, clap your hands“ – Aber vor allem: „In der Weihnachtsbäckerei“ – manchmal in der größten Sommerhitze. „Keine Ahnung, warum genau die beiden Kinderlieder, aber sie haben mir an schlechten Tagen geholfen.“

Am Ziel: Alex Denk mit zwei Freunden an der berühmten Weltkugel am Nordkap.

Dann endlich das Nordkap. Zwei Wochen vorher stießen seine Kumpels Daniel und Korbinian zu ihm und marschierten den letzten Teil bis zu Europas kalter Krone. Sechs paar Schuhe latschte er bis dorthin durch. Seine wichtigste Lektion: „Europa ist zu Fuß so unglaublich schön!“

Das nächste Abenteuer wartet schon

Noch während seiner Tour hat der 24-Jährige schon das nächste Abenteuer ausgemacht: Ab Januar arbeitet er auf einer Husky-Farm in den Bergen Lapplands. Ein bisschen Zeit hat Alex Denk zuvor noch, um seine 4000 Fotos und Videos zu ordnen – „vielleicht werden daraus ja Vorträge oder einen Film auf Youtube“, sagt er. „Vielleicht werde ich mich auch wieder glatt rasieren“, ergänzt er mit einem Lachen. Vor allem möchte der Europabummler aber erst mal Zeit mit seiner Freundin Miranda verbringen, bevor er wieder vier Monate unterwegs ist.

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