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Die rote Karte zeigen die Angestellten der kbo-Isar-Amper-Kliniken dem Krankenhaus-Strukturkonzept. Rechts: Geschäftsführer Jörg Hemmersbach.

Angst vor Einbußen

Protest gegen Sparpläne in Krankenhäusern

Haar - Rund 100 Mitarbeiter der kbo Isar-Amper Kliniken München-Ost erklärten im Zuge eines halbstündigen Streiks ihren Unmut über die Krankenhaus-Reformpläne der Bundesregierung.

Konkret geht es um Kürzungen des Versorgungszuschlags, das sind 550 Millionen Euro weniger für bundesweit 2000 Krankenhäuser. Es handelte sich eher um einen Solidaritätsakt, denn von der Reform betroffen sind „nur“ die 40 Betten der neurologischen Station in Haar. Eine kleine Zahl. Trotzdem sieht Geschäftsführer Jörg Hemmersbach auch für seine Klinik das Sparen absolut ausgereizt. Er befürchtet Einbußen beim Ausbau neuer Konzepte, anstehenden Instandhaltungsmaßnahmen und Personal. Tagespauschale Hemmersbach wird mit einer Reform konfrontiert, die das Entgeltsystem für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (PEPP) neu regeln soll. Vorgesehen ist eine leistungsorientierte, tagespauschalierte Vergütung. Eigentlich sollte die Einführung des PEPP in diesem Jahr erfolgen, aufgrund massiver Kritik und Nachbesserungswünsche habe der Gesetzgeber diese jedoch um zwei Jahre verschoben. Um die Tagespauschalen aber überhaupt erst berechnen zu können, „müssen wir jede einzelne Leistung haargenau dokumentieren und codieren. Das machen nun extra dafür eingestellte Dokumentationsassistenten“, erklärt Hemmersbach. Neues Personal brauche er jedoch viel dringender bei den Patienten auf den Stationen. Dort seien die Mitarbeiter am absoluten Limit angelangt. Der stationäre Bereich der kbo sei 24 Stunden an sieben Tagen die Woche aufnahmebereit, „wir werden von der Notfall- zur Krisenambulanz.“ Das spiegele sich natürlich auch in einem hohen Personalaufwand ebenso in den Lohn-Kosten wider, die in der Psychiatrie bei rund 70 Prozent liegen. „Wie aber soll denn ohne ausreichende finanzielle Ausstattung die Arbeit mit und für den Menschen aussehen?“, fragt Hemmersbach. Klinikum-Sprecher Henner Lüttecke wird noch deutlicher, „es ist realitätsfremd, für die Behandlung einer Depression die Verweildauer in der Klinik mit 21 Tagen zu berechnen. In dieser Zeit ist so eine Erkrankung nicht zu therapieren.“ Gerade angesichts des demographischen Wandel sieht Hemmersbach große Herausforderungen auf seine Kliniken zukommen. Für die steigende Anzahl altersbedingten Erkrankungen wie Demenzen seien neue Konzepte nötig, ebenso müsse die Geriatrie im Allgemeinen ausgebaut werden. „Die Trauma-Behandlung ist angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation ein Bereich, der auf jeden Fall weiterentwickelt werden muss.“ Spardruck Zwar schreibe man bei der kbo noch schwarze Zahlen, aber Hemmbersbach ist sich nicht sicher, wie lange noch. „Wo soll man denn sparen? Beim Personal?“ Viele Angestellte könnten aufgrund der hohen Mietpreise und Lebenshaltungskosten im Ballungsraum München kaum leben. Aufgrund der dünnen Personaldecke verlange man von den Angestellten immer mehr an Leistung. „Das Überleben als Pflegekraft in München fällt schwer“, so Hemmersbach.

Sabina Brosch

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