Haar: Mit dem Rucksack um die Welt

Haar - Seit 45 Jahren reisen Ingeborg und Harry Solka aus Haar mit ihrem Rucksack um die Welt. Inzwischen sind sie 70, doch noch immer nutzen sie größtenteils öffentliche Verkehrsmittel auf ihren Trips nach Südostasien.

Die Reise nach Indonesien vor drei Jahren werden Ingeborg und Harry Solka (beide 70) aus Haar so schnell nicht vergessen. Beim Aussteigen aus dem Schiff gibt es ein großes Gedränge, plötzlich halten die beiden nur noch die Griffe ihrer Taschen in der Hand.

Alle Ausweisdokumente und fast alle Karten sind weg. Die Polizei organisiert den beiden zwar eine Busfahrt nach Bali, doch das dortige deutsche Konsulat will einen neuen Pass nur dann ausstellen, wenn die beiden Reisenden mehrere hundert Euro zahlen.

Zu diesem Zeitpunkt sind es noch vier Tage bis zum Rückflug nach Deutschland. Über eine Geldtransferfirma bekommen die Solkas das Geld, schließlich auch den Pass, doch am Flughafen kommen sie nicht weiter: In ihren neuen Pässen ist kein Einreisestempel für das Visum. Zwar versucht die Fluggesellschaft zu helfen, doch dann fühlt sich am Flughafen niemand zuständig. „Da hab’ ich den sterbenden Schwan gespielt“, sagt Harry Solka. Er täuscht einen Herzanfall vor, weil er hofft, dass sich die Behörden dann um ihn kümmern.

Und tatsächlich: Er bekommt den Ausreisestempel für sich und seine Frau. Wohl eine der heftigsten Geschichten, die die Senioren von ihren Reisen aus Südostasien erzählen können, die „Würze am Reisen“, wie Harry Solka sagt. Seit 45 Jahren sind sie verheiratet und reisen durch die Welt.

Seit zehn Jahren haben sie das perfektioniert: Etwa sechs Monate im Jahr geht es auf nach Südostasien, nur mit dem Rucksack. Anfangs hatten sie eine Pauschalreise gebucht, doch dann dachten sie sich: „Was das Reisebüro kann, können wir auch“, sagt Solka.

Meist fliegen er und seine Frau nach Bangkok, dann geht es mit öffentlichen Verkehrsmitteln, meistens Bussen, aber auch Booten oder sogar Kanus weiter. „Wir wollen mit den Menschen zusammenkommen, da erlebt man sehr interessante Geschichten“, sagt Solka.

Außerdem lässt sich so ihr Ziel einfacher erreichen, nicht allzu viel Geld auszugeben. Etwa zehn Euro pro Übernachtung ist das Ziel, dafür sollte es ein sauberes Zimmer mit eigenem Bad geben. Besonders interessieren sie sich für Kultur und Natur, weniger für den Strand und Trubel.

Die beiden sind zwar schon 70, doch noch lange nicht die ältesten Rucksacktouristen, ab und zu treffen sie auf ihren Reisen Menschen, die über 80 Jahre alt sind: „Da sind wir Waisenknaben dagegen“, meint Solka.

Trotzdem stellen die älteren Reisenden die Minderheit bei den sogenannten Backpackern. Je 16 Kilo wiegen ihre Rucksäcke, aus denen sie über Monate leben. Brauchen sie ein Zelt, kaufen sie ein billiges in Asien. Auch die Sprache sei kein Problem, sagt Solka lachend: „Bayerisch ist international.“ Außerdem komme er mit Englisch weiter.

Sogar kennengelernt haben sich Ingeborg und Harry auf einer Reise: Er wollte als junger Mann nicht zur Bundeswehr, sondern ging zur Handelsmarine, sie war auf dem Weg zu ihren Eltern. Im Zug nach Hamburg haben sie sich getroffen und dann geheiratet. Schon 1972 ging es mit dem VW-Bus durch die Sahara, „ein uraltes Vehikel“, erinnert sich Solka.

Auch als ihre beiden Kinder auf der Welt waren, setzten sie ihre Reisen fort, dann allerdings zur Ferienzeit. Seit ihrer Frührente sind die beiden wieder länger unterwegs. Zwar nicht mehr mit ihren - inzwischen erwachsenen - Kindern, dafür schon mit der nächsten Generation.

Gerade waren Ingeborg und Harry Solka mit ihrer 20-jährigen Enkelin für sechs Wochen in Laos unterwegs: „Die glaubt sonst nicht, was Oma und Opa so erzählen“, Harry Solka schmunzelt. Im November zieht es die Haarer wieder nach Südostasien, geplant ist ein Tripp nach Indonesien.

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