Bilanz der Kioskbetreiber im Freibad: Dieser Sommer ist ein Draufzahlgeschäft

Haar - November-Blues im August. Ein Blick aus dem Fenster rät: Lieber Mütze und Regenjacke statt T-Shirt und Sandalen. Nicht nur die Ferienkinder sind genervt, auch Gastronome und Freizeitanbieter sind die Leidtragenden, weil mit den Temperaturen auch die Umsätze im Keller bleiben.

„Diesen Sommer habe ich abgeschrieben“, sagt Ulf Franke. Sein Kiosk im Haarer Freibad ist seit Tagen geschlossen. Auch heute ist er zu Hause geblieben. „Wir fahren erst raus, wenn das Thermometer auf 25 Grad klettert“, sagt der 58-Jährige am Telefon. „Der Sommer ist eine Katastrophe.“

So sieht es auch Andreas Binder. Jeden Tag fährt einer seiner Mitarbeiter ins Freibad Unterhaching und prüft die Lage. „Wir kontrollieren täglich, wie viele Gäste da sind“, sagt Binder. „Auch an kühlen Tagen kommen 300 Leute, aber die schwimmen eisern ihre Bahnen, die verzehren nichts.“ Im Mai hat der 48-Jährige den Kiosk als Gastronomie-Betrieb ganz neu eröffnet, im „Alm-Café“ gibt es nicht nur Pommes, Eis und Leberkäs, sondern auch kleine Salate und Fruchtbecher. Es gibt neuerdings ein Selbstbedienungs-System, damit sich keine Schlangen bilden. „Bei schönem Wetter kommen 6000 Leute in das Alm-Café“, erzählt Binder: „Das Unterhachinger Freibad ist sehr beliebt, da passen locker 12 000 Menschen rein.“ Die verregnete Saison passt nur leider gar nicht ins Konzept. „Wir bräuchten zwei oder drei aufeinanderfolgende warme Tage. Auf eine feuchte Wiese legt sich keiner.“

20 Sorten Eis liegen in der Kühltruhe im Haarer Freibad-Kiosk. Ein „Magnum“ für 2,40 Euro. „Unsere Preise sind familienfreundlich, das versuchen wir schon durchzuhalten“, sagt Ulf Franke. Eine große Portion Pommes kostet zwei Euro. „Aber das rentiert sich nur, wenn viele Leute kommen.“ An einem heißen Tag hat Franke rund 3000 Gäste. Dann stehen die Leute Schlange, was in diesem Sommer nur selten der Fall war. Viel zu kühl, viel zu windig sei das Wetter. „Das wird auch nichts mehr. Umsatz, den du im Juni und Juli nicht machst, holst du in den Sommerferien auch nicht mehr rein, da bleibt das Bad zu leer.“ Franke betreibt seit fünf Jahren den Kiosk im Haarer Freibad. Doch dieser Sommer sei ein Draufzahlgeschäft: „Wir haben Umsatzeinbußen von rund 50 Prozent.“

Tragisch ist das nicht. „Der Kiosk ist ein Zuerwerb“, und Gastronom Franke sagt überzeugt: „Eine Passion. Wenn die Kinder mit großen Augen vor den Dosen voller Süßigkeiten stehen und überlegen, was sie lieber nehmen, Schlümpfe, Frösche, Balla-Balla…, das dauert schon etwas länger. Aber das sind auch die Kunden von morgen. Ich sehe die Kinder hier aufwachsen.“ Seit vielen Jahren hat Franke Erfahrung mit Bädergastronomie und er findet: „Das Haarer Publikum sind einfach nette Leute. Und die Gemeinde zieht wirklich mit. Wenn es Probleme gibt, mit der Elektrik zum Beispiel, dann ruft man da an und weiß, die kümmern sich.“

Auch Andreas Binder aus dem Unterhachinger Freibad hat weitere Standbeine. Eines davon ist der Indoor-Biergarten im Perlacher Einkaufszentrum „PEP“. „Da ist gerade bei schlechtem Wetter viel los. Das gleicht sich aus.“

Aufgeben? Kommt für Ulf Franke überhaupt nicht in Frage. Und auch für Andreas Binder nicht: „Der nächste Sommer kommt“, da ist sich Binder sicher.

„Du kannst das Wetter nicht beeinflussen“, sagt Franke gelassen: „Keine Chance. Am Ende des Sommers gibst du dem Steuerberater die Zahlen und sagst: Das war ein guter Sommer oder ein schlechter Sommer.“ icb

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