Besondere Vater-Sohn-Beziehung: Im Keller seines Hauses in Harlaching komponiert Franz Dannerbauer (62) seine Stücke. Sein Sohn Valentin Winhart hat den Lebensweg des Vaters in einem Dokumentarfilm nachgezeichnet. Foto: Verstegen

Vom Halbstürmer beim FC Ismaning zum Jazz-Komponisten

Ismaning - Wo will ich hin, was mache ich aus meinem Leben? Zu einem Zeitpunkt, als sich Valentin Winhart genau diese Fragen stellte, drehte er einen Dokumentarfilm über seinen Vater Franz Dannerbauer: „Der getrennte Weg". Am Mittwoch ist Premiere.

Seit 35 Jahren unterrichtet der Jazz-Komponist Dannerbauer an der Musikschule Ismaning, war einst Halbstürmer beim FC Ismanin, gab seine berufliche Sicherheit als Speditionskaufmann auf, um sich ganz seiner Passion zu widmen. Ein Treffen mit Vater und Sohn in Harlaching.

Definitive Antworten auf die Fragen nach dem Lebenssinn hat Valentin Winhart dabei nicht erwartet. „Der ergebnis-offene Blick ist wichtig im Dokumentarischen“, sagt der 26-Jährige. Während der rund 800 Stunden Arbeit an dem Film fand er selbst einen neuen, anderen Zugang zur Musik, zu den Kompositionen seines Vaters, verstand erst danach so richtig, „was das für ihn tatsächlich bedeutet“. Nämlich alles.

„Machtvolle Bläsersätze und farbenreiche Sounds aus originellen Arrangements, eine hochkarätige Frontline und eine groovig-energievolle Rhythmusgruppe, komplex durchstrukturierte Kompositionen und Freiräume für Improvisation und solistische Finessen“ - so beschrieb die „Jazz-Zeitung“ das Werk von Dannerbauers Band „Music Liberation Unit“ (MLU). Das Ensemble gibt es seit 35 Jahren. Damals gab Dannerbauer seinen Job als Speditionskaufmann auf: „Mich hat diese Abhängigkeit geärgert, ich wollte immer frei sein. Als Musiker habe ich mehr Freiheiten, als wenn ich im Büro hocke. Und ich bereue nichts.“

Der heute 62-Jährige entschied sich gegen den klassischen Weg mit Schule, Ausbildung, Beruf, Familie, Kinder, Rente. Mit der ihm eigenen Sturheit beschritt der Bassist seinen persönlichen Pfad, fernab von jeglichem Kommerz: „Das Risiko war mir damals bewusst, gerade finanziell war’s damals oft schwierig.“

Auch seine Ehe litt, 1985 kam die Scheidung - „ich hab‘ bis zu sieben Stunden am Tag geübt…“

Aus der Beziehung mit der Jazz-Sängerin Barbara Winhart stammt sein Sohn Valentin. Der war lange Jahre sicher, „dass zwei Musiker in der Familie reichen“, nahm aber die Kompositionen seines Vaters gerne als „Einschlafmusik“ her. Selbst bei einem MLU-Live-Auftritt 1998 im Alten Kino Ebersberg schlief er nach dem zweiten Stück ein: „Ich hab‘ mir einen zweiten Stuhl genommen und mich hingelegt…“

Das Kreativ-Gen seiner Eltern setzte sich dann doch durch: Dem Technik-Studium an der FOS folgte das Fotodesign-Studium an der Hochschule München und der Bachelor-Abschluss 2014 - eben mit dem Film „Der getrennte Weg“. Diese Fassung hat er noch einmal überarbeitet, er tritt dort jetzt auch selbst ab und zu in Erscheinung. „Die Fallhöhe ist natürlich eine ganz andere, wenn man persönlich betroffen ist. Du machst dich angreifbarer“, sagt Valentin Winhart über sein 85-minütiges Werk. Doch „in diesem Umfeld“ könne man eben nichts machen, hinter dem man nicht wirklich stehe.

Das klingt sehr nach Vater Franz Dannerbauer. Der war gleich einverstanden, als er von der Film-Idee erfuhr: „Und es war klar, dass ich mich da inhaltlich raushalte.“ Am besten habe ihm die Musik gefallen, zwinkert er seinem Sohn zu. Für Valentin Winhart ist sein Film „nicht nur für Musiker“ gemacht, er nehme sich grundsätzlicher, existenzieller Themen an - dem Verhältnis Vater-Sohn, den Fragen „Wo komme ich her und wo will ich hin?“ Und das in einer Lebensphase, in der er selbst nach seiner Bestimmung sucht: Er wolle weiter Dokumentarfilme machen, werde weiter fotografieren, sagt der 26-Jährige. Und gibt zu, dass er vor kurzem damit angefangen hat, Gitarre zu spielen... guv

Filmpremiere am 25. Februar in der Seidl-Mühle

Franz Dannerbauer kam im Bayerischen Wald zur Welt, wuchs in Ismaning in der Lindenstraße auf, war viele Jahre Halbstürmer beim FC Ismaning. „Da wo jetzt das Hallenbad steht, bin ich zur Grundschule gegangen, und da wo jetzt das Autohaus ist, hab‘ ich bei der Spedition Rieder meine Lehre gemacht.“ Seit ihrer Gründung 1979 unterrichtet der 62-Jährige an der Musikschule Ismaning, auch FWG-Gemeinderat Rudi Essigkrug (Kontrabass) zählt zu seinen Schülern. 1980 gründete Dannerbauer nach drei Lehrjahren an der Jazzschule Joe Haiders die „Music Liberation Unit“. 1985 zog er auf einen Bauernhof bei Glonn, inzwischen zählt er zu den bedeutendsten Komponisten in Deutschland und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Harlaching.

2008 zeigten sich erste Anzeichen von Parkinson: „Ich muss Tabletten nehmen, kann noch sehr gut komponieren, mit den Auftritten wird’s schwieriger.“ Valentin Winhart lässt in seinem Dokumentarfilm auch Verwandte, Freunde und Musiker-Kollegen seines Vaters zu Wort kommen. „Der getrennte Weg“ erlebt am Mittwoch, 25. Februar (19.30 Uhr) in der VHS in der Seidl-Mühle seine Premiere. Am 6. März wird er im Freien Musikzentrum München gezeigt. Weitere Aufführungen, so in Wasserburg und Ebersberg, sind in Planung. guv

Auch interessant

Kommentare