Handwerker befürchten einen Verlust an Ansehen

- Lockerung des Meisterzwangs stößt auf Skepsis

VON PETER WILFLING Landkreis - "Die deutsche Handwerksordnung hat das Handwerk stark gemacht." Metzgermeister Johann Eberl aus Höhenkirchen sieht deshalb in der Entscheidung der Bundesregierung, den Meisterzwang im Metzgerei-Handwerk zu lockern, "einen Verlust an Ansehen" für seine Zunft. Insgesamt werden sich künftig in 65 von 94 Handwerksberufen auch Gesellen ohne Meisterbrief selbstständig machen können, so zum Beispiel Metzger, Bäcker oder Friseure. Eine Entscheidung, die viele Handwerker im Landkreis mit Skepsis sehen.

Wer sich Meister seines Faches nennen will, muss nach einigen Jahren als Geselle noch einmal die Schulbank drücken. Neben kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Fächern steht Pädagogik auf dem Lehrplan. Außerdem wird die spezifische Fachtheorie vertieft, und "in der Berufspraxis erhält man den letzten Schliff", erinnert sich Metzgermeister Eberl. Da das kaufmännische Verständnis bei vielen Existenzgründern ohne Meisterbrief wahrscheinlich fehlt, fällt Eberls Prognose entsprechend negativ aus: "Zu 90 Prozent werden diese scheitern."

Bäckermeister Maximilian Hauer aus Grünwald ist von der Neuregelung ebenfalls alles andere als begeistert. "Durch den Meisterkurs entsteht eine gewisse Selektion", findet Hauer, "und es zeigt sich sehr schnell, wer wirklich für den Beruf geeignet ist." Auch er betont, dass einem Gesellen das betriebswirtschaftliche Know-how fehle. "Ich würde sogar noch eins drauflegen, was die Ausbildung zum Meister betrifft", empfiehlt er.

Durch die Abschaffung des Meisterzwangs will die Regierung Betriebsgründungen erleichtern. Für Hauer geht dies völlig an der Thematik vorbei, und er prophezeit das Gegenteil: "Wegen schlechterer Qualifikation kann man sich am Markt noch weniger halten." Auch Michaela Wagner, Friseurmeisterin in Putzbrunn, unterstützt diese These: "Jeder Dritte, der sich nach dem Meistertitel selbstständig macht, schließt wieder." Diese Quote wird sich ihrer Meinung nach ohne Meistertitel noch weiter steigern.

In einigen Berufen bleibt jedoch alles beim Alten. So zum Beispiel im Kfz-Handwerk, bei Elektrikern und Spenglern. Diese bleiben von der Neuregelung unberührt. Hier wird auch in Zukunft der Meistertitel Voraussetzung für die Eröffnung eines Betriebes bleiben. Kfz-Mechaniker-Meister Jürgen Hummel aus Ödenpullach findet das gut so. Er sieht in seiner Qualifikation "nicht nur einen Titel, sondern fachliche Kompetenz". Auch Elektro-Meister Dieter Grosser aus Ottobrunn findet es okay, "Auf Dauer sinkt der Ausbildungsstand" dass sein Handwerk nicht betroffen ist: "In der Elektrobranche besteht ja doch eine gewisse Gefahr bei mangelhafter Arbeit." Zwar dürfen auch weiterhin nur Meister Lehrlinge ausbilden, trotzdem sieht Paul Rogall aus Grünwald den Nachwuchs gefährdet. Der Spenglermeister: "Auf Dauer sinkt der Ausbildungsstand."

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