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Geschichte sichtbar machen möchte Anja Pütz. Die Leiterin der Sammlung hat die Exponate neu sortiert und die Ausstellung umstrukturiert. Eröffnung ist am 8. Mai.

Geschichtlich-Heimatkundliche Sammlung

Karos, Knochen und ein Mammutzahn

Schon früh hat die Gemeinde damit begonnen, Bauplätze, ehe Bagger und Kran richtig loslegten, von Archäologen untersuchen zu lassen. Und kümmerte sich in der Folge auch darum, dass die Fundstücke im Ort bleiben konnten. So entstand nach und nach eine Sammlung, die beständig gewachsen ist. Denn immer wieder sind Funde gemacht worden, die zum Teil auch spektakulär waren, wie der der Bronze-Minerva.

 Schon 1987 wurde also in Aschheim ein Museum eröffnet, damals im Bodermo-Haus, das heute als Jugendzentrum dient, kuratiert vom Historiker Reinhard Riepertinger, der über den Aufbau des Museums seine Doktorarbeit geschrieben hat und dessen Frau aus Aschheim kommt. Inzwischen leitet das Museum die Archäologin Anja Pütz. Wobei die Sammlung seit 1992 im „Kulturellen Gebäude“ der Gemeinde gezeigt wird – und momentan ohnehin geschlossen ist. Das Museum hat nämlich einen Raum dazubekommen, was Pütz zum Anlass nimmt, die Ausstellung nicht nur zu erweitern, sondern auch umzustrukturieren. Einen „roten Faden“ will sie reinbringen in die Präsentation der Objekte. Die neuen Vitrinen sind noch nicht bestückt – aber trotzdem bekommt man eine Ahnung, wie es hier mal aussehen wird. Und auch so kann, anhand der Ausstellungsstücke, die schon an Ort und Stelle stehen, jede Menge erzählt werden. Der neue Raum soll das Thema „Bestattungswesen“ behandeln, was für Aschheim durchaus eine besondere Bedeutung hat – 1997/98 wurde am später so-genannten Bajuwarenring schließlich ein hochmittelalterliches Gräberfeld freigelegt, mit 444 Grabstätten und vielen Grabbeigaben. Eins dieser Gräber soll auch gezeigt werden – die Knochen stammen von einem etwa 40-jährigen Mann, erklärt Pütz, der einen Abszess am Zahn hatte, was auf „Stress bei der Ernährung“ schließen lasse. Ansonsten wird hier der schöne Versuch unternommen, das, was an Grabresten gefunden wird, auch zu deuten. Pfeilspitzen, Metallteile, an denen eventuell Textilfetzen haften geblieben sind, werden nicht nur in den Vitrinen gezeigt. Zu jeder Epoche, über die Erkenntnisse vorliegen, weil die Menschen ihre Toten begraben und nicht verbrannt haben, werden zusätzlich Figuren gezeigt, die eigens in Oberammergau geschnitzt – und jetzt entsprechend gekleidet worden sind. Dann steht man also vor einem keltischen Paar, sie mit hochgestecktem Haar, er mit schulterlanger Frisur. Anja Pütz sagt: „Die Kelten haben ja oft Karomuster getragen“, weshalb also beide auch in Karo gekleidet wurden, mehrere Schichten übereinander, wobei Überwürfe ebenso wie ein Kragen aus Hasenfell wie auch die Frisur der Frau mit Fibeln befestigt worden sind. Derweil, das zeigen andere Holzfiguren, trugen die Bajuwaren schon Vorformen von Strümpfen, sie behängten sich mit Amuletten, Schmuck fertigten sie aus Glasperlen. Zentrum des Museums, das am 8. Mai wiedereröffnet, ist weiterhin der große, 220 Quadratmeter umfassende Raum. In dessen Mitte wird die Minerva thronen, ihr Podest steht ebenfalls schon. Auch ihre Entdeckung war eine Sensation, die 1994 passierte, als man die Bronzefigur, die gefertigt worden ist von den Kelten, aus einem Opferschacht zog. Ältestes Exponat ist ein Mammutzahn, der ebenfalls bereitliegt, leider lackiert worden ist in den 1970er-Jahren. Drei Brunnen sind bereits aufgebaut, auch sie typisch für Aschheim, das über einen hohen Grundwasserspiegel verfügt. Ebenfalls zu besichtigen: Modelle der ersten wie der zweiten Kirche am Ort, wobei die erste aus Holz gewesen ist, der Nachfolgebau dann aus Tuffstein errichtet wurde. Dort hat 756/757 die Landessynode stattgefunden, eine der letzten öffentlichen Termine, die der arme Tassilo als Bayernherzog absolvierte. Ehe Karl der Große ihn abserviert hat. Anja Pütz sagt, sie will den Besuchern ein „ganzheitliches Bild“ vermitteln von der Vergangenheit, denn nur aus dem „Tiefblick“ heraus könne man die Zukunft sinnvoll gestalten. Es ist wichtig zu verstehen, meint sie, dass wir nur Teil einer Entwicklung sind: „Man kann damit den Leuten auch Ängste nehmen und Zuversicht streuen, wenn man ihnen klarmacht: früher war es noch viel schlimmer.“

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