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„Der Becke“, so sein Name in der Szene,zieht die Leute an. Selten ist das Bürgerhaus so voll bei einer Vernissage. Vorne der Künstler mit rotem Schal.

Im Bürgerhaus

Herbert Becke zeigt Arbeiten aus 40 Jahren Fotografenkarriere

Unterschleißheim – Es scheint wie ein einfaches Gruppenfoto, schwarz-weiß: Eine Bushaltestelle. Auf der einen Bankseite sitzen zwei ältere Frauen, auf der anderen vier ältere Männer. Doch es steckt mehr dahinter. Diese Aufnahme auf dem Jahr 1979 aus Ostfriesland ist eines der ersten Bilder, die Herbert Becke, genannt „Der Becke“, ausgestellt hat.

1981 im Garchinger Bürgerhaus war das. „Das passt zu mir, weil Menschen drauf sind“, sagt er über das Bild, „ich versuche darauf Geschichten zu erzählen.“ Jetzt zeigt die Stadt Unterschleißheim eine Auswahl der Fotos aus 40 Jahren Fotografie von Herbert Becke.

Gründungschef der VHS Nord

Denn die Anfänge dieser Werke liegen nicht weit vom Unterschleißheimer Bürgerhaus. An der Ecke Raiffeisenstraße/Lilienstraße war im Jahr 1976 der Sitz der Volkshochschule im Münchner Norden. Dort wurde der 1950 geborene Becke am 1. März ’76 VHS-Leiter. Von seinem ersten Gehalt kaufte er sich eine Spiegelreflexkamera. Seitdem fotografiert er. 

Künstlerporträts

Landschaften mit bizarren Bildaufbauten, Infrarot-Fotografie, Aufnahmen vom Boden aus, 33 Jahre lang Theaterfotos von etwa 300 bekannten deutschen Künstlern oder die schnellen Szenen von Bobrennen, weil sein Sohn zwölf Jahre lang Bobfahrer war. Herbert Becke war viel unterwegs – und fällt aus dem Rahmen, damit spielt auch der Titel der Ausstellung, „40 Jahre im Rahmen“.

Damit fing alles an: 1979 in Ostfriesland geschossen, ist dieses Foto eines der ersten, das Becke ausgestellt hat.

„Die Fotos springen ins Auge, weil sie anders sind und doch einem Grundkonsens an guter Bildgestaltung folgen“, sagt der Fotojournalist Heiner Henninges. Dabei geht es „Dem Becke“ nicht nur um schöne, spaßige Fotos. Ein Bild zeigt eine vermoderte, abgeschaltete Rolltreppe; in München, beim Kunstforum an der Maximilianstraße. Für Becke ein Ausdruck dafür, wie Menschen von unten daran gehindert werden, nach oben, in die Glitzerwelt der Schickeria, zu kommen.

Mutiger Aufsteiger

Er selbst hat das erlebt, als er als Bub vom Stadtbezirk Harthof zwar die Aufnahmeprüfung auf die Oberrealschule schaffte, vom Direktor nach wenigen Monaten wieder zurückgeschoben wurde. Aufgehalten hat ihn das nicht. Binnen weniger Jahre erarbeitete sich Herbert Becke mit seiner VHS einen exzellenten Ruf. „Bundesweites Renommee“ genieße sie, lobt Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck.

Bundesweites Renomme

Auch wegen ihrer Fotoabteilung. So gründete Becke den Fotoclub CC77 für Hobbyfotografen und lud immer wieder die Größen der deutschen Fotografenszene ein. Für den Club kaufte Becke ein rotes Sofa. „Wer bei Herbert Becke auf der roten Couch saß, wurde Teil einer Fotoserie, die an Lebendigkeit und Dynamik kaum zu überbieten ist“, sagt Böck.

Serie "Bodenständig"

Vor etwa fünf Jahren ging es für Becke vom Sofa nach unten. Auf den Boden. „Ich wollte nicht den Raum ändern, sondern tiefer gehen. Inhaltlich tiefer“, beschreibt er sein Projekt „bodenständig“. Auf dem Boden liegend fotografiert er Plätze in München, am liebsten mit Menschen.

U-Bahnpflaster: Herbert Becke ganz "bodenständig".

Für den Garchinger ist der Weg in die Stadt mit der U-Bahn nicht weit, deswegen stammen die meisten seiner neueren Bilder aus der Landeshauptstadt. Mit einem netten Nebeneffekt: Man kommt ins Gespräch. „Ich kann jedem empfehlen, sich einfach am Stachus mit einer Kamera auf den Boden zu legen, man hat sofort Kontakt“, scherzt Becke. 

Polizist kontrolliert den komischen Vogel

Sogar ein Zivilpolizist hat ihn schon kontrolliert. Das mag auch an Beckes Lieblingsort liegen: Dem Sankt-Jakobs-Platz. Mit Synagoge und Kloster seien dort die Weltreligionen friedlich nebeneinander vertreten, mit toller Architektur, findet Becke. Und er findet auch dort neue Herausforderungen, ganz nach seinem Motto: „Ungewöhnliche Sachen, ungewöhnlich fotografieren.“ Wie schon damals die Bushaltestelle in Ostfriesland.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „40 Jahre im Rahmen“ läuft bis 13. März im Bürgerhaus Unterschleißheim, Rathausplatz 1. Geöffnet: Montag bis Freitag ganztägig, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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