Hier sparen Ehrenamtliche bares Geld

Ismaning - Der Landkreis München hat zum 1. Januar die Ehrenamtskarte eingeführt. Die Besitzer erhalten vergünstigte Eintritte und in vielen Geschäften Rabatte - und zwar in ganz Bayern.

Das Ehrenamt ist kostbar - ein sichtbares Zeichen der Anerkennung ist die Ehrenamtskarte. Viele Landkreise haben die Dankeschön-Karte auf Anregung des Sozialministeriums schon eingeführt. Im Landkreis München ist es seit 1. Januar so weit: Rund 13 000 Ehrenamtliche gibt es in den 29 Landkreis-Kommunen, die die Karte auf Antrag erhalten.

Inhaber der Plastikkarte erhalten Preisnachlässe in Restaurants, Fitness-Studios und Kfz-Werkstätten. Viele Kommunen und Unternehmen machen mit. „Das ist eine unterstützenswerte Idee“, findet Thomas Winkler (46), Betreiber des Garchinger Restaurants „Rondell“: Ehrenamtliche, die mit Begleitung bei ihm und seinem Partner Boris Pachov im Garchinger Bürgerhaus speisen, müssen das günstigere der beiden Gerichte nicht zahlen. „Den Menschen, die sich engagieren, kann man auf diese Weise etwas zurückgeben.“

In der Ismaninger Blumenstube gibt es zehn Prozent Rabatt, ebenso viel im Neubiberger Blumengeschäft Baumann. Das Ottobrunner Fitness-Studio „Body-Up“ lässt Ehrenamtlichen 100 Euro beim Startpaket nach: „Wir werden als Gesundheitsanbieter wahrgenommen. Wir probieren, uns sozial zu engagieren und haben auch schon Preise für den Adventskalender der Lions gespendet“, begründet Betreiber Benedikt Kern (30) sein Angebot.

Auch das Garchinger Fitness-Center „La Vida“ macht mit und bietet den Trägern der Ehrenamtskarte 25 Prozent Nachlass auf eine Mitgliedschaft an. Inhaber Ernst Sailer (54) findet die Idee gut: „Da machen wir einfach mit.“

Die Brauerei Aying führt Inhaber der Karte kostenlos durch die Privatbrauerei. Die Ayinger Firma „Limes Ballooning“ gibt 20 Prozent Rabatt auf alle Ballonfahrten - ausgenommen Alpenüberquerungen. Das Feldkirchner Ingenieurbüro Backhaus begutachtet Bauschäden und mindert bei Ehrenamtlichen die Honorare um 20 Prozent. Die Gemeinde Gräfelfing gewährt kostenlosen Eintritt in das Hallenbad der Volksschule Lochham, und für die Brunnthaler Konzerte zahlen Ehrenamtliche nur 50 Prozent.

„Jeden Tag trudeln neue Angebote ein“, berichtet Sandra Haymann, Mitarbeiterin im Landratsamt, sie scherzt: „Ich werde aber wohl nie sagen, dass es reicht.“ Vor Weihnachten hat Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD) noch einen Brandbrief an alle Gemeinden geschrieben, woraufhin sofort weitere Angebote kamen.

Die drei Jahre gültige blaue Ehrenamtskarte bekommt, wer durchschnittlich fünf Stunden pro Woche oder bei bestimmten Projekten mindestens 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich tätig ist, und das seit mindestens zwei Jahren. Wer die Plastikkarte im Landratsamt beantragt, muss 16 Jahre oder älter sein und sich seine Arbeit vom Vereinsvorstand bestätigen lassen. Die Ehrenamtskarte, die nach Ablauf erneut beantragt werden kann, erhalten zudem Inhaber einer Jugendleitercard, aktive Feuerwehrmänner und -frauen sowie Einsatzkräfte aus dem Rettungsdienst und dem Katastrophenschutz mit abgeschlossener Grundausbildung.

Zwar findet Ehrenamt vor allem vor Ort statt, im Verein, der Gemeinde oder dem Landkreis, in dem Ehrenamtliche lebt, trotzdem gilt die Ehrenamtskarte in fast ganz Bayern. Bisher beteiligen sich 48 der insgesamt 71 bayerischen Landkreise. „Wir hoffen noch sehr auf die Stadt München“, sagt Sandra Haymann. Einzelne Münchner Unternehmen beteiligen sich schon. So kommt der Träger der Karte kostenlos ins BMW-Museum und zahlt im Sealife-Center fünf Euro weniger Eintritt.

Das Landratsamt erwartet einen großen Ansturm der Anwärter. „Der Landkreis ist mit 13 000 Ehrenamtlichen sehr gut aufgestellt“, sagt Sandra Haymann, Schon jetzt bekommt sie viele Anrufe: „Wie soll ich den Antrag ausfüllen?“, fragen die Leute, oder: „Ab wann ist die Karte gültig?“ Haymann ist gespannt: „Mal sehen, ob sich im ersten Halbjahr 2000 oder eher 6000 Menschen melden.“ Für den 5. Februar plant das Landratsamt eine Verleihungsveranstaltung im würdigen Rahmen. Kontakt zum Landratsamt: Tel. 089/62 21-0.

Goldene Karte: Die goldene Ehrenamtskarte ist unbegrenzt gültig und wird vergeben an Personen, die das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten tragen, an Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, die das Feuerwehrehrenzeichen erhalten haben oder die Auszeichnung des bayerischen Innenministeriums für 25 oder 40 Jahre Dienstzeit. icb

Auch interessant

Kommentare