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Wohnungssuche - der Alptraum, mittlerweile schon für Menschen mit mittlerem Einkommen. Stefan Wallner von der FOL hilft.

Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit hilft

Wenn es für Mieter eng wird

Landkreis - Mieten explodieren, Häuser werden luxussaniert, Wohnraum ist knapp. Für eine bezahlbare Wohnung stehen Hunderte beim Vermieter Schlange. Wie setzt sich da ein Bewerber mit niedrigem oder mittlerem Einkommen durch? Oder gar mit Schufa-Eintrag? Die AWO bietet einen Workshop „Wohnungssuche“ an.

Rentner, Mütter mit Kinderwagen, Leute mit Sprachschwierigkeiten und Arbeitnehmer mit kleinem Einkommen besuchen seit November die Workshops Wohnungssuche in der Balanstraße 55, wo die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit (FOL) praktische Hilfen gibt. Eine Bewerbungsmappe wird erstellt, Gespräche trainiert und über die Rechte und Pflichten von Mietern informiert.

Workshops für Wohnungssuchende

 „Manche bekommen ein Handy von uns, damit sie überhaupt erstmal eine Telefonnummer haben“, sagt Stefan Wallner (48), Leiter der FOL. Die Workshops und ein zusätzlicher „Praxiskurs Internet“ haben sich bewährt. Sie motivieren die Wohnungssuchenden und stärken ihre Kompetenz. „62 Prozent, die bei uns gemeldet waren, haben Erfolg gehabt“, sagt Wallner: „Unser Workshop wurde im vergangenen Jahr auch von einigen Asylhelferkreisen genutzt.“ 

Auch Arbeitnehmer leben in der Obdachlosenunterkunft 

Wallner und sein Team helfen, Wohnungen zu finden oder zu behalten, wenn das Mietverhältnis in Gefahr ist. Denn Obdachlosigkeit ist im teuren Landkreis eine reale Bedrohung geworden. 225 Erwachsene und 26 Kinder sind im Landkreis München im Jahr 2014 obdachlos gemeldet worden. Sie haben in Pensionen und in den wenigen Unterkünften im Landkreis Zuflucht gefunden. Insbesondere die hohe Anzahl an Kindern ist erschreckend. „Wir haben sogar vermehrt Leute, die im Obdachlosenunterkünften leben, obwohl sie Arbeit haben, weil sie einfach keine bezahlbare Wohnung finden“, sagt Wallner. 

1311 Menschen suchten 2014 Hilfe bei der FOL

Zwangsräumungen, Mietschulden oder Kündigungen – wenn es für Mieter im Landkreis richtig eng wird, steht ihnen die Wohnungsnotfallhilfe, deren Träger der AWO-Kreisverband ist, zur Seite. 1311 Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht waren, haben Wallner und sein Team im Jahr 2014 betreut (Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor). Der aktuelle Mietmarkt macht die Arbeit der sechs Mitarbeiter nicht leichter. „Der rasant steigende Zuzug von Arbeitnehmern mindert die Chancen von Menschen mit ALG II-Bezug, mit niedrigen und mittlerweile auch mittleren Einkommen, Schufa-Einträgen und Sprachschwierigkeiten“, sagt Wallner. „Wir versuchen primär, den Wohnraum zu sichern und analysieren die Ursachen der Probleme.“ 

Mit dem Vermieter wieder sprechen

Zuerst aber wird die Kommunikation mit dem Vermieter wieder aufgenommen, denn die ist fast immer abgebrochen. „Wir erleben die Vermieter zu 95 Prozent als sehr entgegenkommend, schließlich hätten sie auch nur Ärger und Kosten durch eine Zwangsräumung und bleiben obendrein auf den Mietschulden sitzen“, sagt Wallner. „Manchmal braucht ein Vermieter Erklärungen für das Verhalten seines Mieters. Viele lassen sich aber auf Kompromisse ein, wenn wir uns einschalten.“ Sozialarbeiter der FOL besuchen ihre Klienten regelmäßig, öffnen mit ihnen die Post und vermitteln ihre Schützlinge gegebenenfalls an weitere Anlaufstellen, wie Schuldner-, Sucht- oder psychosoziale Beratung, „denn die Fälle werden immer komplexer“.

In 70 Prozent der 1311 Fälle hatte die FOL Erfolg. „Unsere Klienten konnten ihre Wohnung behalten oder eine neue finden.“ Auch dank der guten Zusammenarbeit: „Bei Notfällen kooperieren wir mit den Fachberatern im Jobcenter, im Landratsamt, mit den Gerichtsvollziehern und den Beratungsstellen.“ Immer wieder erlebt Wallner aber auch, dass sich sozial engagierte Vermieter melden und Wohnraum anbieten.

Kontakt zur FOL Die Beratung für Landkreisbürger ist kostenlos, Telefon 0 89/4 02 87 97 20, Balanstraße 55. Im Landratsamt gibt es jeden Dienstag und Mittwoch präventive Beratung, jeweils von 9 bis 12 Uhr im Raum A1.36. Auch in Taufkirchen gibt es jeden ersten Dienstag im Monat Tipps, von 9 bis 11 Uhr im Rathaus.

icb

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