Historische Schulden beglichen

- Zu Scherers Abschied ersetzt Dworzak zerstörtes Schreibgerät

Haar - Nach über 31 Jahren im Dienste der Gemeinde Haar nimmt Kämmer Horst Scherer seinen Hut. Am morgigen Samstag um 12 Uhr wird Scherer seinen Kugelschreiber letztmals auf den Schreibtisch fallen lassen. Der 63-Jährige geht in Pension. Offiziell verabschiedet wurde Scherer von Bürgermeister Helmut Dworzak bereits am Mittwoch. Und zwar mit einem ganz besonderen Geschenk.

Von der Kreissparkasse waren sie. Und blau und schwarz waren sie, mit einer Mine ausgestattet, die hinten spitz zuläuft. Fast 32 Jahre ist es mittlerweile her, dass Horst Scherer den wohl schmerzlichsten Verlust seiner gesamten Dienstzeit entgegennehmen musste, so quälend, dass er selbst am letzten Tag seiner offiziellen Arbeitszeit den "Zerstörer" mit vorwurfsvollen Blicken strafte: Ganze zwei Kugelschreiber hatte ihm der junge Gemeinderat Helmut Dworzak 1972 während der Rechnungsprüfung vor lauter Nervosität zerbissen. Selbst wenn der aufgeregte Jüngling von damals heute bereits seit 10 Jahren sein Chef ist, kann Scherer keine Ausnahme machen: Schließlich ge Nervöser Jüngling jetzt Rathauschef hörte es nun mal 31 Jahre und 4 Monate zu den Aufgaben des Oberverwaltungsrats, für seine Gemeinde zu sparen - und bei den kleinen Dingen muss man da eben manchmal genauer sein. Anscheinend vertritt Dworzak mittlerweile den selben Standpunkt: Zum Abschied beglich er seine Schulden bei Scherer und überreichte zwei nagelneue Kugelschreiber.

Den eigenen - selbstredend unzerbissenen - Kugelschreiber wird Scherer am Samstag seinem Nachfolger Günther Rudolf, den er seit April 2002 anlernt hat, überlassen.

Angefangen hat alles am 1. Oktober 1971, als Scherer von den Verkehrsbetrieben München in die Kämmerei seiner Heimatgemeinde wechselte. Doch einfach machte sich Scherer diesen Wechsel nicht. Es bedurfte schon einiger Überzeugungskraft, die ihn immer wieder beim Mittagessen in Form eines Haarer Gemeinderates erreichte. "Hugo Peer und ich haben uns oft in der Landtagskantine beim Essen getroffen. Da hat er immer auf mich eingeredet, ich solle doch zur Gemeinde wechseln", erinnert sich Scherer. So tauschte Scherer einen Verkehrsbetriebe-Haushalt von 28 Millionen DM mit dem knapp 9,5 Millionen-DM-Haushalt der Gemeinde Haar. Seitdem verteidigte Scherer das Gemeinde-Geldsäckel mit Klauen und Zähnen, zusammen mit - und hin und wieder auch gegen - drei Bürgermeister und sieben Gemeinderatsgenerationen. Er hat die Millionen für nahezu alle großen Projekte der Gemeinde über den Tisch wandern sehen und gab gleichzeitig Tipps für eine günstigere Anschaffung von Staubsaugern oder Bohrmaschinen an den Bauhof. 190 Millionen Euro wurden in diesen 31 Jahren investiert und trotzdem kann Scherer als Abschied das einnahmestärkste Jahr der Haarer Geschichte hinterlassen und mit rund 41 Millionen Euro einen beachtlichen Haushalt. Doch auch er hat etwas von der Gemeinde mitgenommen: Seine damalige Sekretärin wird er auch im Ruhestand noch um sich haben. Sie ist seine Ehefrau.Claudia Erl

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