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Verteidigen den Ruf ihres Großvaters beziehungsweise Schwiegervaters: Monika Pöttinger (l.) und Paula Westermair mit eidesstattlichen Erklärungen von Zeitzeugen.

Nach Diskussion über Porträt im Rathaus

Familie verteidigt NS-Bürgermeister

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Höhenkirchen-Siegertsbrunn –  In die Debatte um die Porträts von Bürgermeistern im Rathaus von Höhenkirchen-Siegertsbrunn, die während der NS-Zeit im Amt waren, hat sich nun erstmals die Familie eines Betroffenen eingeschaltet. Paula Westermair sieht den Ruf ihres Schwiegervaters beschädigt. Er sei eben kein überzeugter Nationalsozialist gewesen, sondern ein hilfsbereiter Mensch.

Paula Westermair breitet mehrere Dokumente auf dem großen Holztisch in ihrer Küche aus. Das Papier mancher Schreiben ist vergilbt, bei anderen ist die Schrift verblasst. Einige sind mit der Hand geschrieben, die restlichen mit der Schreibmaschine verfasst. Alle aber haben eines gemeinsam: Sie sollen den verstorbenen Schwiegervater der 77-Jährigen, Peter Westermair, entlasten. „Er muss wieder ins rechte Licht gerückt werden“, betont sie, ohne sich der Doppeldeutigkeit ihrer Aussage bewusst zu sein.

Denn ins rechte Licht gerückt wurde Westermair in denn vergangenen Monaten wiederholt – in dem Sinn, dass so mancher in ihm einen getreuen Gefolgsmann des NS-Regimes vermutet. Schließlich war der Landwirt von 1933 bis 1945 als Bürgermeister der damals selbstständigen Gemeinde Siegertsbrunn eingesetzt. Auf dem Porträt im Rathaus sieht man ihn mit Hitlerbärtchen und dem Parteiabzeichen der NSDAP am Revers.

SPD, Grüne und Unabhängige Bürgern (UB) wollten das nicht länger hinnehmen und hatten im Frühjahr in einem fraktionsübergreifenden Antrag gefordert, Westermairs Bild und das des zur gleichen Zeit in Höhenkirchen amtierenden Rathauschefs Georg Maier abzunehmen oder zumindest mit entsprechenden Erläuterungen zu versehen. Schließlich ließ die Gemeinde unter den Porträts Plaketten anbringen, die darauf hinweisen, dass die beiden Bürgermeister damals nicht gewählt, sondern eingesetzt wurden. Doch das reicht einigen Gemeinderatsmitgliedern nicht.

Paula Westermairs größter Wunsch dagegen ist es, dass die „unselige Debatte“ endlich beendet wird. Denn dies werde dem Menschen Peter Westermair nicht gerecht. „Er war ein rechtschaffener Mann, der anderen geholfen hat“, sagt sie aus voller Überzeugung, obwohl sie den Schwiegervater kaum kannte. Denn als sie ihren Mann kennenlernte, war dessen Vater schon schwer krank und verbrachte lange Zeit im Krankenhaus, ehe er im Juli 1962 starb.

Aber ihr 2001 verstorbener Mann habe viel seinem Vater erzählt, betont die 77-Jährige. Und durch die Dokumente, die sie vor Kurzem zufällig in einer alten Truhe ihres Mannes gefunden hat, fühlt sie sich in ihrer Einschätzung bestätigt: „Er war streng, aber gerecht und überaus hilfsbereit.“

In den Schriftstücken bezeugen mehrere Bürger, darunter ehemalige KZ-Häftlinge und Regimegegner, an Eides statt, wie sehr sich Peter Westermair, der von seiner Wohnstube aus die Amtsgeschäfte führte, für andere Menschen und für das Wohl der Gemeinde eingesetzt hat – und dabei auch sein eigenes Leben aufs Spiel setzte (siehe Kasten). Ein weiteres Dokument bestätigt, dass die Entnazifizierung Westermair abgeschlossen wurde.

Paula Westermair und ihre Tochter Monika Pöttinger verstehen nicht, dass weder von der Gemeindeseite, noch vonseiten der Antragsteller in den vergangenen Monaten jemand auf die Familie zugekommen ist, um Näheres über ihren Schwiegervater beziehungsweise Großvater zu erfahren. „Diejenigen, die so einen Antrag stellen, haben doch auch eine gewisse Verantwortung und müssen wissen, was sie da lostreten“, sagt Monika Pöttinger. Lediglich der Ortschronist habe sich einmal gemeldet und nachgefragt, was denn da los sei“, ergänzt Paula Westermair.

Dass sich die Vertreter von SPD, Grünen und UB plötzlich so sehr an dem Hitlerbärtchen und dem Parteiabzeichen stören, findet Monika Pöttinger sowieso fragwürdig. Schließlich müsste jeder wissen, dass man in die Partei eintreten musste, wenn man ein offizielles Amt bekleidete. „Und der Hitlerbart war eben damals in Mode. Heutzutage laufen viele mit einem Vollbart herum. Sind das dann etwa alle Salafisten?“

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