Auszug ins Ungewisse: Weil das Neubiberger Gymnasium renoviert wird, gehen die Schüler übergangsweise im Containerbau in Höhenkirchen zur Schule. Auch sie sind betroffen von den Schadstoffen. foto: Archiv Michel

Krebserreger im Container-Klassenzimmer

Höhenkirchen - Ärger liegt in der Luft. Denn Messungen in den Container-Klassenzimmern des Gymnasiums Höhenkirchen-Siegertsbrunn ergaben erhöhte Werte krebserregender Chemikalien. Eltern werfen dem Zweckverband jetzt Vertuschung vor.

Häufige Kopfschmerzen, gereizte Augen, dazu die Geruchsbelästigung. Immer mehr Eltern, erzählt Elternbeiratsvorsitzende Petra Bienek, seien an sie heran getreten, weil ihre Kinder über solche Beschwerden klagten. Jetzt gibt es eine mögliche Erklärung dafür. Denn Messungen ergaben, dass die Raumluft im Containerbau des Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit Formaldehyd sowie flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) wie Styrol belastet ist. Die Chemikalien gelten als krebserregend. Für Gerhard Schmid, Leiter des Gesundheitsamt München Land, ist klar: „Es besteht Handlungsbedarf.“

Der Zweckverband Staatliche Weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises München hatte den Schadstoffgutachter Peter Aschendorf erstmals im Dezember beauftragt. Weitere Messungen der jeweils sechs identischen Zimmer, lies er im Februar, Juni und Juli durchführen. Publik gemacht hat der Zweckverband das zunächst nicht. Teile der Elternschaft werfen dem Gremium um Vorsitzenden Thomas Loderer deshalb vor, die Ergebnisse vertuschen zu wollen. In einem E-Mail-Verteiler machen sie gegen den Zweckverband mobil.

Bei allem Verständnis für die Besorgnis der Eltern wehrt Loderer sich gegen diese Anschuldigung entschieden. „Wären die Messergebnisse so gewesen, dass die Kinder fluchtartig aus dem Gebäude müssen, hätten wir das selbstverständlich kommuniziert“, sagt er. Derart drastisch sei die Situation jedoch lange nicht gewesen. Zwar räumt Loderer ein, dass der Sachverständige im Dezember erhöhte Werte der zu den TVOC gehörigen Chemikalie Styrol feststellte. Mit bis zu 84 Mikrogramm pro Kubikmeter lag die Konzentration deutlich über dem Richtwert von 30 Mikrogramm. Jedoch seien diese kurze Zeit später wieder unter den Richtwert gefallen, nachdem der Zweckverband den Hausmeister angewiesen hatte, die Zimmer drei Mal täglich mindestens 20 Minuten zu lüften. Erst die jüngsten Untersuchungsergebnis nennt auch Loderer „beunruhigend“.

Am 8. Juli lag die Konzentration von Formaldehyd erstmals über dem Richtwert des Bundesumweltamts. In der Spitze maß der Gutachter 194 Mikrogramm pro Kubikmeter, das Amt empfiehlt maximal 120. Bis zu diesem Wert, erklärt Gesundheitsamtsleiter Schmid, sei eine krebserregende Wirkung ausgeschlossen. „Im Sinne der Gesundheitsvorsorge“ plädiert seine Behörde jedoch dafür, den Wert von 60 Mikrogramm nicht dauerhaft zu überschreiten. Schmid stellt klar: „Wenn über die Ferien nichts geschieht, können wir nicht befürworten, dass dort weiter Kinder unterrichtet werden“ - zumal sich im Juli abermals erhöhte TVOC-Werte zeigten.

„Unter keinen Umständen“, beteuert Loderer, werde er am Schuljahresanfang „Kinder in Räume schicken, die gesundheitlich bedenklich sind“. Der Zweckverband setze derzeit alles daran, die Schadstoffbelastung in den Griff zu bekommen. Ursächlich könnte Feuchtigkeit in den Sperrholzwänden des Containers sein. Das Wasser, so die Vermutung, habe Formaldehyd aus dem Bindemittel freigesetzt und Schimmel verursacht. Auf den Schimmel setzte der Zweckverband vergangene Woche eine Spürhund an. Außerdem lies er Proben aus Wänden und Böden nehmen und veranlasste weitere Messungen in den Containern. Mit den Ergebnissen rechnet Bürgermeister Thomas Loderer Ende der Woche.

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