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Kennen die Sorgen der Landwirte: (v.l.) Friedrich Nebl, Behördenleiter AELF Ebersberg; Benedikt Korntheuer von der Geschäftsstelle des BBV; Anton Stürzer, BBV-Kreisobmann; und die Referenten des AELF, Birgit Scharrer und Rudi Gasteiger. 

Der Kampf mit den Aktenordnern

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Früher hatten Landwirte in erster Linie mit den Launen der Natur zu kämpfen, heute sind es Aktenordner: Durch die Agrarreform 2015 müssen sie mit mehr Verwaltungsaufwand rechnen.

 Auf der Gebietsversammlung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Höhenkirchen-Siegertsbrunn beackerten Referenten und rund 40 Landwirte die Themen Agrarreform, iBalis, Düngeverordnung und das sogenannte Greening. Manch ein Landwirt im Gasthof „Alter Wirt“ runzelte die Stirn, als sich Rudi Gasteiger und Birgit Scharrer vom Ebersberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) von ihren Plätzen erhoben, um über die Grundzüge der Agrarreform zu referieren. Gasteiger versuchte humorig, Wind aus den Segeln zu nehmen. Er sagte einleitend: „Leute, bitte hört mir erst zu, hernach könnt ihr Euch aufregen.“ Gasteiger sagte, auf die Landwirte werde „ein Haufen Arbeit“ zukommen. Jeder Landwirt muss künftig neue Zahlungsansprüche beantragen. Die Direktzahlungen sind aufgeteilt in eine Grundprämie, eine Greening-Prämie, eine Umverteilungsprämie, die Landwirten mit kleineren Betrieben zugutekommt, und einer extra Prämie für Junglandwirte. Anträge auf die verschiedenen Prämien sollten die Landwirte möglichst online stellen. „Der Papierantrag ist weiterhin möglich, ist aber aufwändiger“, sagte Scharrer. Sie führte den Gästen vor, wie sie sich im Internet zu den relevanten Seiten klicken; per Leinwand zeigte sie, wie der Greening-Rechner funktioniert. Denn die Greening-Auflagen sich geändert: Dauergrünland muss erhalten werden. Betriebe ab zehn Hektar Ackerfläche müssen mindestens zwei, Betriebe ab 30 Hektar Ackerfläche mindestens drei verschiedene Kulturen anbauen. Zudem müssen ab 15 Hektar Ackerfläche mindestens fünf Prozent ökologische Vorrangflächen wie Feldränder, Pufferstreifen zu Gewässern, Zwischenfrüchte oder Stilllegung bereitgestellt werden. Anton Stürzer, Kreisobmann des Byerischen Bauernverbandes (BBV), schüttelte immer wieder den Kopf, echauffierte sich über „diesen wahnsinnigen Bürokratismus“ – und rannte damit offene Türen bei seinen Kollegen ein. Gasteiger und Scharrer hielten die Landwirte dazu an, sich schnell zu melden, wenn es Probleme gibt. In seinem Vortrag kündigte Stürzer an, die Düngeverordnung sei dieses Jahr „das heißeste Thema“. Die neue Verordnung ist komplex und detailreich. Im Kern geht es um den Schutz von Wasser und Böden. Deshalb sieht die Verordnung vor, dass Landwirte schon Mitte September nicht mehr düngen dürfen, die Lagerkapazitäten für Gülle, Jauche und Mist sind entsprechend zu erweitern. Vorgesehen sind zudem Obergrenzen bei der Düngemenge. „Diese hohen Auflagen muss erstmal jemand stemmen“, sagte Stürzer. Zumal, und das betonte der Kreisobmann an diesem Abend mehrfach, in Oberbayern „wenig Nitrat im Grundwasser ist“. Auch Martin Stadler, stellvertretender Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband, schlug keine fröhlicheren Töne an. Er berichtete über Aktuelles aus dem Milchmarkt und sagte: „Wir müssen für das Russland-Embargo sauber büßen.“ Der Einzelhandel zahle Landwirten weniger für Milch.

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