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Stein des Anstoßes: das Bild von Peter Westermair, Bürgermeister während der Nazi-Zeit.

Bilder der NS-Zeit-Bürgermeister in den Rathäusern

Wirbel um rechte Köpfe in der Ahnengalerie

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Ein Bild, nur ein Hinweis oder ganz verschweigen? Wie sollen Gemeinden mit den Bürgermeistern der NS-Zeit umgehen? In Höhenkirchen sorgt ein Bild nun für Aufregung.

Denn dort hängt auch das Bild von Peter Westermair, Mandatsträger unter den Nazis. Mit dem Thema befasst sich heute Abend der Gemeinderat. Dass das Bild des Mannes, der im Rathaus auf einen hinunterschaut mit seinem Hitlerbärtchen und dem Parteiabzeichen am Revers, nicht einfach unkommentiert dort hängen bleiben könne, finden die Fraktionen von Grünen, SPD und Unabhängigen Bürgern. Das Bild gehöre abgehängt. Oder zumindest mit Erläuterungen versehen. 

Letzteres kann sich auch Bürgermeisterin Ursula Mayer, CSU, vorstellen. Neben Namen und Amtszeit könne man ja, meint sie im Vorfeld der Sitzung, noch vermerken, wie der Betreffende zu seinem Amt gekommen ist. Ob er gewählt wurde. Oder eben einfach eingesetzt. Aber ihr scheint die neue Aufregung über die alten Porträts etwas übertrieben. Sie gehe seit 25 Jahren an dem Bild vorbei, „es war noch nie Thema“. Dass Westermair, der am 2. September 1934 vereidigt wurde auf Adolf Hitler, Nazi war, „ist klar ersichtlich. Da wird nichts verschwiegen“. 

In Auftrag gegeben wurde die Reihe mit den Zeichnungen der Bürgermeister im Jahr 1990, unter dem damaligen Rathauschef Rudolf Meiler, SPD. Auch Mayer saß damals schon im Gemeinderat. Diskussionen darüber, wie man mit dem NSDAP-Mitglied in der Ahnengalerie am besten umgeht, habe es keine gegeben, sagt sie. Die insgesamt 17 gezeichneten Köpfe seien nicht als „Ehrengalerie“, sondern als „geschichtliche Aufreihung“ verstanden worden. 

Trotzdem: Alle anderen Gemeinden, die sich eine derartige Galerie leisten, haben es vermieden, NS-Mandatsträger ohne Weiteres einfach abzubilden. Manche Kommunen ließen die Funktionsträger während der Diktatur einfach weg: Unterhaching zum Beispiel, das dem Nazi-Bürgermeister Leonhard Flath kein Forum bietet. Josef Prenn hängt dort, der 1934 den geschassten Flath ersetzte. Prenn war schon vor der Nazi-Zeit mal ins höchste Amt im Rathaus gewählt worden. 

In anderen Gemeinden beginnt die Bilder-Chronik erst nach dem Zweiten Weltkrieg. In Unterschleißheim etwa oder Pullach, wo gerade mal zwei Ölporträts in einem Nebenraum im Rathaus hängen, die die Nachkriegs-Bürgermeister Josef Breher und Josef Seidl zeigen.

Grünwald hat zwar auch den Sitzungssaal mit Ölbildern bestückt – aber von Ehrenbürgern, darunter auch viele Altbürgermeister, aber nicht ausnahmslos. So hängen zwischen den Politikern auch ein Ehrenwagnerobermeister und ein Landesbaurat. 

Derweil zeigen die Haarer in ihrer Galerie nur demokratisch gewählte Gemeindeoberhäupter. Weshalb nicht nur Karl Sturm und Hans Gmeinwieser nicht gezeigt werden, die Rathauschefs unter den Nazis, sondern auch Konrad Rupprecht nicht vorkommt, den die Amerikaner in der Besatzungszeit installiert hatten. Statt ihrer Porträts wurde ein kleiner Text gerahmt, der die Umstände ihrer Amtsübernahmen erläutert. 

In die Reihe aufgenommen zu werden, sagt Ute Dechent, persönliche Referentin von Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller, sei eine „Würdigung“. Und die habe man den Betreffenden nicht zuteil werden lassen wollen. 

Unter den 17 Zeichnungen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hängt auch Westermairs Amtskollege Georg Maier aus Höhenkirchen – damals waren die Ortsteile eigenständige Gemeinden. Maier war kein Parteimitglied und ist in den 1950er Jahren, wiedergewählt worden. Darum ist sein Bild völlig unumstritten. Über Westermairs Zukunft in der Galerie wird heute Abend beraten.

Andrea Kästle

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