Hat keine Zukunft mehr: Der Stadel mit Bundwerk-Resten soll abgerissen werden. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude von der Liste gestrichen.
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Hat keine Zukunft mehr: Der Stadel mit Bundwerk-Resten soll abgerissen werden. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude von der Liste gestrichen.

Historischer Bundwerk-Stadel wird abgerissen

Von der Denkmalliste gestrichen: Ein Stück Baukunst verschwindet in Siegertsbrunn

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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In Siegertsbrunn gibt es bald ein Baudenkmal weniger. Ein alter Bundwerk-Stadel wird abgerissen. Der Besitzer will dort ein Doppelhaus errichten. Das darf er auch, denn das Landesamt für Denkmalpflege hat den historischen Stadel aus der Liste der Baudenkmäler entfernt.

Siegertsbrunn - Etwa 610 einzelne Baudenkmäler sowie sechs geschützte Ensembles gibt es laut Landesamt für Denkmalpflege derzeit im Landkreis München. Zu den bekanntesten zählen sicher die Schleißheimer Schlösser und Gärten, die Burg Grünwald und das Kloster Schäftlarn. Es gibt aber auch zahlreiche Zeugnisse der Baukunst vergangener Zeiten, die in Vergessenheit geraten oder einfach so unscheinbar sind, dass sie von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn wird auf absehbare Zeit so ein Baudenkmal verschwinden, ein landwirtschaftliches Gebäude mit Bundwerk in Siegertsbrunn.

Stadel soll einem Doppelhaus weichen

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte im August vergangenen Jahres per Schreiben verkündet, dass das Gebäude an der Hohenbrunner Straße nicht mehr auf der Denkmalliste steht. Die Bayerische Denkmalliste ist das nachrichtliche Verzeichnis aller bekannten Baudenkmäler, Bodendenkmäler und beweglichen Denkmäler im Freistaat. Jetzt wollen die Eigentümer das Bestandsgebäude abreißen, um Platz für ein Doppelhaus und zwei Carports aus Holz zu schaffen. Der Bauausschuss hat mittlerweile das gemeindliche Einvernehmen erteilt.

Erklärung des Landesamts für Denkmalpflege

Trotz wiederholten Nachfragen seitens der Gemeinde habe das Landesamt für Denkmalpflege keine genauere Erklärung für diesen Schritt abgegeben, sagte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) auf Nachfrage von Gudrun Hackl-Stoll (Grüne) im Ausschuss. Die Rathauschefin vermutet, dass das Gebäude in den Jahren so umgestaltet wurde, dass vom Bundwerk nicht mehr viel übrig ist. „Von der Straße kann man das Bundwerk kaum noch erkennen“, sagte Konwitschny. Der vordere Teil sei ganz neu gestaltet.

Mit dieser Vermutung liegt die Rathauschefin zum Teil richtig. Wie Landesamt-Sprecherin Birgit Neuhäuser auf Merkur-Anfrage erläutert, hätten Mitarbeiter ihrer Behörde bei einer Ortsbesichtigung das Gebäude genau unter die Lupe genommen. Dabei habe man festgestellt, dass es sich bei dem Bundwerk lediglich um einen Teil des Stadels handele. „Die Datierung ins 18. Jahrhundert erschien zudem fraglich“, so Neuhäuser. Nach Vergleich würde man das Bundwerk mittlerweile erst in die erste Hälfte 19. Jahrhundert datieren. „Das Bauernhaus selbst und der anschließende Stadel sind erneuert. Der Bundwerk-Teil lässt für sich genommen keine besondere Bedeutung erkennen. Aus diesen Gründen war die Voraussetzung für ein Baudenkmal nicht mehr gegeben.“

Bauernhaus bleibt erhalten

Groß grämen müssen sich die Siegertsbrunner über den bevorstehenden Verlust des Bundwerks also nicht – zumal nicht zu weit entfernt, an der Rosenheimer Straße 20 in Höhenkirchen, ein Bauernhaus mit gut erhaltenem Bundwerk (siehe Kasten) zu bewundern ist.

Daneben gibt es im Ort insgesamt 18 weitere Baudenkmäler – zehn in Höhenkirchen und acht in Siegertsbrunn – am bekanntesten ist wohl die katholische Wallfahrtskirche St. Leonhard.

Zeugnis vergangener Baukunst: Das Bauernhaus mit Bundwerk an der Rosenheimer Straße 20 in Höhenkirchen bleibt auf der Denkmalliste.

Auch Denkmäler sind vergänglich

Grundsätzlich kann sich die Anzahl an Bau-, aber auch an Bodendenkmälern immer wieder ändern, denn auch Denkmäler sind vergänglich. „Die Denkmalliste wird laufend aktualisiert“, sagt Neuhäuser. Diese bedeute ein ständiges Prüfen. „Besitzt ein bislang nicht als Baudenkmal erkanntes Gebäude oder ein neu entdeckter archäologischer Fundplatz Denkmaleigenschaft? Wenn ja werden sie als Bau- oder Bodendenkmal nachgetragen“, erklärt die Behördensprecherin. Andererseits werde auch untersucht, ob die Denkmaleigenschaft bereits eingetragener Denkmäler noch gegeben ist. „Wenn nein, ist die Streichung eines Denkmals aus der Denkmalliste möglich und auch notwendig, zum Beispiel dann, wenn ein Gebäude zu stark baulich verändert oder ein Bodendenkmal ausgegraben wurde.“

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