Flatterbänder zeigen, wo Kies am Ortsrand von Siegertsbrunn abgebaut werden soll.
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Flatterbänder zeigen, wo Kies am Ortsrand von Siegertsbrunn abgebaut werden soll.

Sorge ums Grundwasser

Bürgerinitiative kämpft gegen Kiesabbau am Muna-Gelände

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Der Kiesabbau in Höhenkirchen-Siegertsbrunn soll mit allen Mitteln verhindert werden. Geht es nach der Initiative Nachhaltiges Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Die Gemeinde plant indes zweigleisig.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Sie netzwerken, tauschen sich mit Bürgern und Kommunalpolitikern aus, oganisieren Protest-Aktionen und haben zwei Online-Petitionen auf den Weg gebracht: Die Initiative Nachhaltiges Höhenkirchen-Siegertsbrunn will mit allen Mitteln verhindern, dass ein Abriss-Unternehmer aus Hohenbrunn auf einem Acker nahe des Muna-Geländes Kies auf einer Fläche von rund fünf Hektar abbaut.

„Dabei geht es uns nicht nur um den reinen Kiesabbau“, betont Mitbegründer Emmeran Lechner. Er, Isabel Huber und die weiteren Mitstreiter sehen vor allem die nach dem Abbau vorgesehene Verfüllung der Grube kritisch. Denn diese bedeute eine potenzielle Gefahr fürs Trink- und Grundwasser. „Es geht um viel zu viel. Wir dürfen es nicht riskieren, unser Grundwasser zu gefährden“, sagt Huber.

Kiesabbau auf erträgliches Maß begrenzen

Mit Spannung wartet die Initiative deshalb auf die Entscheidung des Gemeinderats, wie dieser mit dem Vorhaben des Unternehmers weiter verfährt. Derzeit plant die Gemeinde zweigleisig: Sie versucht, mit dem Unternehmer sowie dem Landwirt, der seine Fläche für den Kiesabbau zur Verfügung stellt, einen städtebaulichen Vertrag aushandeln, für den Fall, dass das Landratsamt den Antrag des Unternehmers tatsächlich genehmigt. Denn mithilfe des Vertrags könnte man den Kiesabbau und dessen Folgen auf ein für die Bürger möglichst erträgliches Maß begrenzen.

Gemeinde will Konzentrationsflächen ausweisen

Gleichzeitig werden Vorbereitungen getroffen, um per Aufstellung eines Teilflächennutzungsplans Konzentrationsflächen für die Kiesgewinnung im Gemeindegebiet auszuweisen. Der Vorteil: Der Unternehmer müsste seine aktuellen Abbau-Pläne erst einmal begraben. Der Nachteil: Hat die Gemeinde erst einmal Konzentrationsflächen für den Kiesabbau ausgewiesen, sind dort Kiesgruben-Projekte leicht durchzusetzen.

Ein Landschaftsarchitekt, der die Gemeinde berät, hat die Fläche, die in Höhenkirchen-Siegertsbrunn grundsätzlich für Kiesabbau infrage kommt, nach einer Schätzung auf etwa 200 bis 300 Hektar beziffert. Mithilfe von speziellen Kriterien könnten diese Flächen noch einmal eingegrenzt werden. Fünf bis zehn Prozent der Flächen, so hat der Experte die Erfahrung gemacht, bleiben am Ende an Konzentrationsflächen für den Kiesabbau übrig. Das wären seinen Berechnungen zufolge dann bis zu 30 Hektar.

Die Taktik der Initiative

Trotzdem setzt die Initiative auf die Ausweisung dieser Konzentrationsflächen. Denn insgeheim hofft man auf Seiten der Kiesabbau-Gegner, dass es mittelfristig im Ort kaum mehr Flächen gibt, die für die Kiesgewinnung und Verfüllung interessant sind – aufgrund der Pläne des Regionalen Planungsverbandes. Dieser ist gerade dabei, neue Wasservorrangflächen zum Grundwasserschutz auszuweisen. Die Initiative fordert, dass die Vorrangfläche bei Siegertsbrunn bis zum Gewerbegebiet Hohenbrunn erweitert wird. Dann wäre auch die vorgesehene Kiesabbaufläche darin enthalten.

„Es ist traurig, dass die Gemeinde zwischen Pest und Cholera entscheiden muss“, sagt Huber über die Alternativen – städtebaulicher Vertrag oder Konzentrationsflächenausweisung – die der Gemeinde derzeit zur Verfügung stehen. Die Wurzel des Übels liege in der Gesetzgebung. Die Privilegierung von Primär-Rohstoffen wie Kies sei nicht mehr zeitgemäß, betont Huber. Sie blockiere eine ökologische Bauwende. Man müsse viel mehr Wert auf das Baumaterial-Recycling legen.

Rolle des Landratsamtes

Auch die Rolle des Landratsamtes sehen die Kiesgruben-Gegner kritisch. „Grundwasserschutz ist aus meiner Sicht Aufgabe des Landratsamtes. Dass der so wenig Beachtung erfährt, ist für mich unbegreiflich“, so Huber.

Lechner wiederum kritisiert die seiner Ansicht nach mangelnde Transparenz in dem Verfahren. „Wir wissen bisher zum Beispiel immer noch nicht, ob mit der Kiesgrube auch ein Quetschwerk kommt“, sagt er. Auch werde den Bürgern nicht genau gesagt, mit welchem Material die Kiesgrube später verfüllt werden soll. Die Gesetzgebung sehe zwar Kontrollen vor, aber die sind nach Ansicht der Initiative zu wenig.

„Es geht nicht gegen den Unternehmer“, stellen Lechner und Huber klar. Sie können seine Motive verstehen. „Aber es braucht nur ein Unfall passieren“, ergänzt Huber. Bei einer Verunreinigung des Wassers sei auch nicht bloß Höhenkirchen-Siegertsbrunn, sondern auch Hohenbrunn und Putzbrunn betroffen.

Dass sich der Gemeinderat mittlerweile vereint gegen die Kiesgrube gestellt habe, lobt die Initiative. „Das zeigt, dass es beim Kampf gegen das Projekt nicht nur um Partikularinteressen geht.“

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