Raschelndes Absperrband statt Lerchengezwitscher: Die umstrittene Konstruktion auf einem Feld nahe des Muna-Geländes soll verhindern, dass Vögel am Boden brüten und damit den beantragten Kiesabbau gefährden.
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Raschelndes Absperrband statt Lerchengezwitscher: Die umstrittene Konstruktion auf einem Feld nahe des Muna-Geländes soll verhindern, dass Vögel am Boden brüten und damit den beantragten Kiesabbau gefährden.

„Was für eine primitive durchsichtige Strategie“

Flatterbänder an potenzieller Kiesgrube: Ist Entscheidung über Abbau bereits gefallen?

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Dort, wo möglicherweise bald schon Kies abgebaut wird, zieren Flatterbänder die Landschaft. Kies-Gegner befürchten nun, dass die Entscheidung pro Abbau bereits gefallen ist.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Wer bisher noch keine genaue Vorstellung davon hatte, wo und in welcher Größenordnung ein Hohenbrunner Unternehmer am Ortsrand von Höhenkirchen-Siegertsbrunn Kies abbauen möchte, hat jetzt eine visuelle Hilfestellung erhalten. Seit Donnerstag ist der vorgesehene erste Abschnitt der Abbaufläche nahe des Muna-Geländes mit Latten abgesteckt und durch Absperrbänder gut sichtbar.

Die Konstruktion hat allerdings eine völlig andere Aufgabe, als den Bürgern Standort und Dimension der beantragten Kiesgrube anschaulich zu machen. Die Flatterbänder dienen, wie die Gemeindeverwaltung bereits im Vorfeld unter anderem auf ihrer Internetseite bekannt gegeben hat, dem „vorsorglichen Vogelschutz“.

Flatterbänder befeuern Gerüchteküche

Doch die Aktion erregt die Gemüter – und heizt die Gerüchteküche an. „Was für eine primitive durchsichtige Strategie“, meint eine Bürgerin, die in unmittelbarer Nähe des Areals wohnt. Sie vermutet – wie viele andere – dass es sich um eine Vergrämungsmaßnahme handelt, um schützenswerte Bodenbrüter wie Lerchen daran zu hindern, dort Nester zu bauen. Denn diese könnten den Kiesabbau-Plänen gefährlich werden. So mancher argwöhnt sogar, das Landratsamt habe das umstrittene Projekt bereits abgesegnet.

Dem widerspricht die Gemeindeverwaltung. „Über den Antrag auf Kiesabbau auf dem Gelände hat das Landratsamt noch nicht entschieden, (...)“ , heißt es in der Stellungnahme aus dem Rathaus. Und Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) stellte jetzt im Gemeinderat klar: „Es ist keine Genehmigung zum Antrag auf Kiesabbau erfolgt.“

„Die Leute sind besorgt“

CSU-Fraktionschef Roland Spingler hatte zuvor das heikle Thema angesprochen. „Die Leute sind besorgt, ob da bereits mit den Baumaßnahmen angefangen wird“, sagte er – nicht nur wegen der Absperrbänder, sondern auch weil man auf dem Areal bereits einen Bagger gesichtet habe. Er wollte von Konwitschny wissen, ob es keine Möglichkeit für die Gemeinde gegeben habe, die „Vogelvertreibungsmaßnahmen“ zu verhindern.

Hat es den Ausführungen der Rathauschefin zufolge nicht. Beim Landratsamt sei ein entsprechender Antrag eingegangen, den die Behörde genehmigt habe, erzählte Konwitschny. Darüber sei die Gemeinde informiert worden. „Wir haben das deshalb im Vorfeld veröffentlicht, damit die Leute nicht verwundert sind“, so Konwitschny.

Verhandlungen laufen

Sie geht davon aus, dass das Landratsamt in den kommenden Wochen auch noch nicht über den Antrag entscheidet. Der Gemeinderat werde sich im März wieder mit dem Kiesabbau-Projekt beschäftigen, kündigte sie an. Bis dahin fahre man weiter zweigleisig. Sprich: Man verhandelt weiter mit dem Unternehmer, um – sollte das Landratsamt den Antrag tatsächlich genehmigen – in einem städtebaulichen Vertrag möglichst viele Vorteile für die Bürger festzuschreiben. Gleichzeitig trifft die Verwaltung Vorbereitungen, um Konzentrationsflächen für Kiesabbau im Gemeindegebiet ausweisen zu können.

Max Lachner (AFW) hakte nach. Er wollte wissen, ob endgültig feststeht, wie der mögliche Erschließungsweg zur Kiesgrube verläuft. Denn die Gemeinde habe in diesem Bereich vor nicht allzu langer Zeit für die Optimierung der Trinkwasserversorgung gebaut. Der Lkw-Verkehr könne für die Anlagen eine Gefahr sein. Es gebe dort einen Wasserschacht mit Messpunkt, erklärte Konwitschny. Es sei selbstverständlich, dass dieser nicht beeinträchtigt werden dürfe. Ansonsten würden der Gemeinde noch keine Pläne zur Zufahrt vorliegen.

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