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Die freigesprochenen Landwirte mit (v.r.) Georg Kasperger (Leiter des AELF), Anton Stürzer (Kreisobmann) und Robert Gassner (AELF).

Freisprechung der Landwirte und Hauswirtschafterinnen

Zwischen Pflug und Protokollen

Drei Jahre haben sie gebüffelt und geackert: Nun sind 29 Landwirte und 23 Hauswirtschafterinnen freigesprochen worden. 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Angefangen hat alles mit einem Freiwilligendienst in Norwegen. Dort entdeckte Felix Müller, 24, aus München den Spaß an der Arbeit auf dem Bauernhof. Er entschied sich für eine dreijährige Ausbildung zum Landwirt, „um zu sehen, wie es wirklich ist“. Müller ist einer von 29 Landwirten, die die Abschlussprüfung an der Berufsschule bestanden haben und nun von ihren Pflichten als Lehrlinge freigesprochen wurden. „Ein ganz hervorragendes Ergebnis“, lobte Robert Gassner, Bildungsbeauftragter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg. Gut 160 Gäste waren zur Feier ins Restaurant Feuer und Stein in Höhenkirchen gekommen, wo die Landwirte (darunter Thomas Hartl aus Brunnthal, Thomas Huber aus Unterhaching, Philipp Maier aus Taufkirchen und Andreas Weiß aus Kirchheim) sowie 23 Hauswirtschafterinnen (darunter Sophia Hagemann aus Baierbrunn und Isabella Stitzelberger aus Hohenbrunn) ihre Abschlusszeugnisse erhielten.

Die erfolgreichen Hauswirtschafterinnen mit AELF-Leiter Georg Kasperger und Maria Stangl (stehend 3.v.r., Bildungsberaterin Hauswirtschaft AELF).  

Wie viel Gras-Silage mit einem Trockensubstanzanteil von 36 Prozent kann eine 700 Kilo schwere Kuh fressen? Welche Makroorganismen sind im Ackerboden zu finden? Antworten auf diese und weitere Fragen mussten die Landwirte in ihrer Abschlussprüfung beantworten. Und drei Jahre all ihre Erfahrungen in einem Berichtsheft protokollieren. Eine Aufgabe, die dem Prüfungsausschuss meist wichtiger war als den Prüflingen selbst. „Das ist dann nicht immer schön, sich die letzten sechs Wochen auszudenken“, frotzelte Felix Müller, der nun ein Studium in Weihenstephan aufnimmt.

Für den Ausschuss war das Heft jedoch ein wesentliches Kriterium für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Eine Woche hatten die Azubis dann Zeit, sich vorzubereiten. „Ich war mit meinem Chef im Prüfbetrieb und habe mir einen Überblick verschafft. Dann habe ich die Handbücher der Maschinen rausgesucht und gelesen“, erzählt Müller. Wirklich Angst hatte er vor keiner Aufgabe, nur das Pflugeinstellen sei bei allen Lehrlingen eine eher unpopuläre Aufgabe gewesen. „Aber es gibt für fast alle Landwirtschaftsmaschinen auch ein Youtube-Tutorial.“

Statt Youtube fragte Katharina Schneider aus Ebersberg ihre Mutter um Rat. Für ihre Abschlussprüfung als Hauswirtschafterin sollte sie ein bayrisches Buffet für einen 80. Geburtstag vorbereiten. Einziger Tipp der Prüfungsleitung: Die Jubilarin sei ein Fan der Bayerischen Creme. „Kreativität ist ja schön, aber das war wirklich schwierig“, erzählte die 22-Jährige. Zusätzlich musste sie den Veranstaltungsort passend dekorieren.

Stolze Absolventen: Katharina Schneider (22) und Felix Müller (24) haben ihre Ausbildung erfolgreich gemeistert.

„Die Herausforderung steckt vor allem in der Planung“, sagte Maria Stangl, Bildungsbeauftragte für Hauswirtschaft. Während der drei Prüfungstage musste neben Ideen nämlich auch ein Konzept für die Umsetzung gefunden werden. Einkauf, Transport und Dekoration mussten mit einem Zeit- und Arbeitsplan genau kalkuliert werden. „Das war schon sehr knapp“, erzählte Schneider. „Fürs Aufräumen der Küche hat es bei manchen dann halt nicht mehr gereicht.“

Für ihre Kreation aus Leberkäs-Brätstrudel, Obazdn, und Bayerischer Creme, die sie mit selbst gebackenen Semmeln in Form von 80ern krönte, erhielt Katharina Schneider die Jahresbestnote von 1,35. „Seien Sie selbstbewusst. Stehen Sie für Ihren Beruf ein“, riet Stangl den Absolventinnen. Schneider bereut die Entscheidung nicht: „Die Ausbildung war stressig, aber schön. Ich würde es auf alle Fälle wieder so machen.“ 

Korbinian Bauer

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