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Nach Ansicht des Planers sollte die Realschule direkt neben des Gymnasiums (links im Bild) platziert werden. Fraglich ist nur, ob nördlich oder südlich des Kirchenwegs.

Zweckverband soll erst Alternativ-Standorte prüfen

Gemeinderatsmehrheit verweigert Beschluss zur Realschule

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Die Emotionen kochten hoch, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates von Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Es ging um den möglichen Bau einer Realschule im Ort.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Nach über zweistündiger, zum Teil hitzig geführter Diskussion war klar: Die Mehrheit der Räte verweigert Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) ein schnelles Votum für den Bau einer Realschule im Ort. Man will vor einer Entscheidung Alternativstandorte prüfen lassen – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gemeindegrenzen.

Der zuständige Schulzweckverband hatte im Vorfeld den Architekten Bernhard Landbrecht mit einer Machbarkeitsstudie für den Realschulstandort Höhenkirchen-Siegertsbrunn beauftragt. Dabei spielte das 13 000 Quadratmeter große Grundstück östlich der Ahornstraße und nördlich des Kirchenwegs, auf das sich zuletzt der Fokus für den Realschul-Neubau gerichtet hatte, keine Rolle mehr. Mayer begründete dies mit den Bedenken, die die Räte zuletzt hinsichtlich dieser Fläche geäußert hatten.

Der Architekt hat drei Varianten ausgearbeitet, bei allen liegt die Schule direkt neben dem Gymnasium. Dafür müssten auch Flächen südlich des Kirchenwegs bebaut werden, die sich nicht in Gemeindebesitz befinden. Verweigert hatte sich Landbrecht, der der Sitzung nicht beiwohnte, dem Auftrag, auch eine Fläche nahe der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule hinsichtlich ihrer Tauglichkeit zu überprüfen. Laut Mayer habe der Architekt diese Idee als unsinnig bezeichnet, da der Standort zu weit vom Bahnhof entfernt sei und er dort keine Synergieeffekte mit den anderen Schulen erwarte.

Ärger über Entscheidung von Planer

Diese Aussage erzürnte Manfred Eberhard (UB). Die Begründung des Planers könnte schon etwas ausführlicher sein, meinte er: „Mir fehlt eine Auflistung der Pros und Contras.“ Angesichts der fehlenden Prüfung von Alternativen sah sich Eberhard außerstande, einen Beschluss zu fassen. Auch wenn er grundsätzlich für eine Realschule im Ort sei, wie er betonte.

Mindy Konwitschny (SPD) stellte komplett infrage, ob die Gemeinde nach dem Gymnasiumsbau auch noch die Errichtung einer Realschule stemmen sollte. „Ich fände es charmant, wenn die Realschule nach Hohenbrunn kommt“, sagte sie. Die Zweite Bürgermeisterin warf den Nachbar-Kommunen vor, sich einfach zurückzulehnen. „Warum löffeln wir immer für andere die Suppe aus?“, fragte sie.

Ihre Fraktionskollegin Anita Reiprich sah mit dem Schulbau einige Probleme auf den Ort zukommen. Die prognostizierten Synergieeffekte mit dem Gymnasium – zum Beispiel die gemeinsame Nutzung von Sportanlagen, einem Veranstaltungsaal und einer Mensa – weckten bei der Gymnasiallehrerin Zweifel. Denn es gebe immer auch Konkurrenz zwischen den Schulen.

Befürworter verweisen auf kurze Schülerwege

Die 88 vorgesehenen Stellplätze für beide Schulen hielt Reiprich für ungenügend. Und sie warnte wie Konwitschny vor den Kosten für die Gemeinde sowie vor zu viel Pkw-Verkehr durch Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen. Das sei eine zusätzliche Belastung für die Bahnhofsstraße. „Und die steht sowieso kurz vor dem Infarkt“, so Reiprich.

„Egal wo die Realschule gebaut wird, wir werden mitzahlen müssen“, entgegnete Mayer. Durch die Möglichkeit der Erbpacht müsse die Kommune zumindest kein Grundstück herschenken, sondern bleibe Eigentümer. Sie wehrte sich auch gegen den Vorwurf, andere Gemeinde entzögen sich der Verantwortung. „Hohenbrunn baut für unsere Kinder ein Schwimmbad“, erinnerte sie.

Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) und Hans Loidl (CSU) überzeugte ein Standort direkt am Gymnasium aus städteplanerischer Sicht. Die dafür notwendige Bebauung von Flächen südlich des Kirchwegs stört Dittmann-Chylla nicht. Man befinde sich in der Ortsmitte, und es gebe auf dieser Höhe bereits westlich der Bahnlinie eine beträchtliche Bebauung, argumentierte sie.

Clive Flynn und Mathias Mooz (beide CSU) warfen den Kritikern vor, nur das Negative zu sehen, anstatt die Vorteile für die eigenen Bürger, zum Beispiel kurze Wege für die Schüler. Ihre Fraktionskollegin Katharina Schuster wollte aber eine Bebauung südlich des Kirchenwegs nicht so ohne Weiteres hinnehmen und pochte auf die Prüfung von Alternativ-Standorten. Auf Antrag Konwitschnys soll der Zweckverband nun vor einer Entscheidung auch Flächen neben der Erich-Kästner-Schule und in Nähe des Bahnhofs Wächterhof sowie in Hohnbrunn und Brunnthal unter die Lupe nehmen. Mit 15:5 Stimmen sprach die Gemeinderatsmehrheit für diesen Weg aus.

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