Streit um den Einsatz

Glyphosat: Landwirte fühlen sich an den Pranger gestellt

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Verteuern statt verbieten – mit dieser Maßnahme will Anton Stürzer den Streit um den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft beenden. Seiner Ansicht nach werden die heimischen Bauern genug gegängelt, wie der Kreisobmann jetzt bei einer Versammlung in Siegertsbrunn bemängelte.

Siegertsbrunn – Die meisten der rund 70 Landwirte aus dem Süden und Osten des Landkreises, die der Einladung des Bauernverbandes gefolgt sind, machen an diesem Abend gute Miene zum ihrer Ansicht nach bösen Spiel. Sie lauschen konzentriert den Worten von Anton Stürzer sowie dem Vortrag von Thomas Eberl vom Landwirtschaftamt Ebersberg. Nur hin und wieder gibt es Getuschel, werfen sich die Bauern an den Tischen im Saal des Gasthauses Inselkammer vielsagende Blicke zu. Es gärt in ihnen.

Aber es ist nicht nur die Diskussion um den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat: Auch die neuen Auflagen bei der Ausbringung von Gülle und anderen Düngemitteln oder die städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen der Stadt München mit einschneidenden Folgen für Grundstücksbesitzer sorgen für Unruhe unter den Landwirten. Viele von ihnen fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „An allem sollen wir Bauern schuld sein, das leuchtet mir nicht ein“, bringt Hans Minsinger, Ortsobmann von Siegertsbrunn, die Stimmungslage auf den Punkt.

Zum Thema Glyphosat hat Stürzer bereits viele Interviews gegeben. „Und ich werde meinen Standpunkt nicht ändern“, sagt der Landwirt aus Höhenkirchen, der für die CSU im Kreistag sitzt und sich selbst des Rückhalts seiner Parteifreunde bei diesem Thema nicht mehr sicher sein kann. Er hält ein Glyphosat-Verbot für unnötig. Denn zum einen sei nicht nachgewiesen, dass das Pflanzenschutzmittel krebserregend ist, zum anderen würden es die Landwirte in Bayern sowieso nur in Notfällen anwenden. „Wir spritzen das ja nicht zur Gaudi, sondern wenn wir ein Problem haben“, stellt Stürzer klar,

Die ganze Problematik sei „vom Ausland zu uns hereingetragen worden“, sagt der Kreisobmann und nennt als Beispiel die Rückstände des Herbizids, die in deutschem Bier nachgewiesen worden sind. Das liege allein daran, dass die Mälzereien auf billige Braugerste aus dem Ausland zurückgreifen würden. Denn anderswo werde das Unkrautvernichtungsmittel beileibe nicht so verantwortungsvoll eingesetzt wie bei den Landwirten hierzulande.

Deshalb bringt es nach Ansicht Stürzers auch nichts, wenn Deutschland eine Vorreiterrolle in Europa übernimmt und den Einsatz untersagt. „Wenn, dann muss es auf der ganzen Welt verboten werden“, sagt er. Er schlägt vor, das Herbizid deutlich teurer zu machen. Durch den Preis könne man einen unnötigen Gebrauch des Pflanzenschutzmittels schnell eindämmen.

Vorgegangen ist die Politik bereits gegen die zunehmende Nitrat-Belastung des Grundwassers. Ein Mittel ist die im Juni 2017 in Kraft getretene neue Düngeverordnung. Sie schreibt zum Beispiel Stickstoffhöchstgrenzen von 170 Kilogramm pro Hektar vor. Der Landwirt muss für jedes Feld ermitteln, wie viel Nährstoffmengen, also Stickstoff und Phosphat, der Boden verträgt. Zudem müssen größere Abstandsflächen zu Gewässern und bei Hangneigung eingehalten werden. Die Ausbringung von Gülle ist verboten, wenn der Boden wassergesättigt, überschwemmt, gefroren oder schneebedeckt ist.

Vor allem an der Düngebedarfsermittlung haben die Bauern zu knabbern. „Das ist ein bürokratischer Wahnsinn“, raunt ein Landwirt seinem Tischnachbarn zu. „Mittlerweile verbringe ich mehr Zeit am Computer als draußen auf dem Feld“, erzählt ein anderer. Stürzer warnt davor, die Landwirte mit immer neuen Regelungen und Verordnungen zu überhäufen: „Wir sollen ja in erster Linie da sein, um Lebensmittel zu erzeugen und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.“

Der Bauernverband habe einiges getan, um die Regelungen erträglicher zu machen, erinnerte Stürzer und appelliert an die Bauern: „Halt’s Euch einigermaßen dran.“

Denn zeige sich bei den Grundwasser-Werten keine Verbesserung, drohe in vier, fünf Jahren eine noch schärfere Verordnung.

Rubriklistenbild: © dpa

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