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Giraffe Jazz mit Alina Huft im Rhinozeros-Camp: Das Tier schien auf dem Weg zur Besserung zu sein. Es nahm die Milch an und wagte auch den Schritt nach draußen.

Höhenkirchnerin päppelt krankes Tier auf

Alinas (18) einzigartige Begegnung mit Baby-Giraffe „Jazz“

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Die Bilder von Baby-Giraffe Jazz in Südafrika gingen um die Welt. Das Tier wurde in einer Auffangstation aufgepäppelt. Leider starb Jazz jetzt an den Folgen einer Hirnblutung. Die Höhenkirchner Abiturientin Alina Huft (18) hatte das Glück, Jazz persönlich kennenzulernen und zu betreuen. 

Höhenkirchen – Vor wenigen Monaten, im Juli, hat Alina Huft (18) das Abitur am Gymnasium Höhenkirchen gemacht. Aus diesem Anlass hatte die Familie zur Belohnung eine Woche Südafrika-Urlaub eingeplant. Die Woche war ihr zu kurz. Vater Gerald Huft dachte kurz nach und erinnerte sich an einen Besuch auf einer Rhinozerosfarm. 300 Kilometer entfernt von Johannesburg. Dort konnte man noch jemanden gebrauchen, der sich ernsthaft für Tiere und ein ehrenamtliches Engagement im Bereich einer Auffangstation interessiert. Der Aufenthalt gefiel ihr so gut, dass sie gleich drei Monate dort verbracht hat. Und so erlebte sie auch Giraffe Jazz aus nächster Nähe, die in den vergangenen Tagen Berühmtheit erlangte und auch bereits im Münchner Merkur Erwähnung fand. Wie sie soeben erfahren hat, ist die Giraffe in der Zwischenzeit leider gestorben. Laut Medienberichten an einer Hirnblutung.

Im Waisenhaus für erkrankte Nashörner

Sämtliche Pläne für eine Haustierhaltung daheim in Egmating blieben bislang unausgeführt: Aus dem Familienleben mit Hunden und Katzen wurde nichts, da die Hufts sehr viel Zeit auf Reisen verbringen. Ausgerechnet dieser Umstand führte Alina Huft also ins Rhinozeros-Camp – eine Art Waisenhaus für angeschlagene Nashörner. Sie werden aufgenommen, wenn sie verletzt sind oder von Krankheiten heimgesucht werden. Dazu müssen sie betäubt werden, die Augen sind verbunden, die Ohren verstöpselt. Vorübergehend werden auch andere Tierarten versorgt. „Wir hatten zum Beispiel einen sehr jungen Büffel bei uns, der andauernd im Kreis herum lief.“ Wenn sie unter Drogen stehen, haben sie eine starken Bewegungsdrang.

Mutter hat das Giraffenbaby zurückgelassen

Giraffe Jazz war zwei Tage alt, als sie ins Camp kam. Seine Mutter hat das Junge zurückgelassen. Der Grund ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde es nicht gesäugt, weshalb einige Zeit verging, bis das Giraffenbaby ordentlich an der Flasche saugte. Es bekam Milch, alle drei Stunden: „Es war das tollste Erlebnis, als er anfing, zu nuckeln. Da habe ich gemerkt, dass er wirklich leben will.“ In der Zwischenzeit durfte Jazz auch nach draußen, um die Welt zu beschnuppern, ging oft ans Fenster.

Riesenumstellung, im Busch zu leben statt in der Zivilisation

Im Rhinozeros-Camp arbeiten drei Festangestellte und drei Volunteers, alle Einheimische. Die Eingewöhnung ins Lagerleben war für die 18-Jährige aus Egmating nicht ganz leicht. „Wir hatten zeitweilig kein Wasser, weil nicht genug gepumpt wurde. Auch der Strom fiel aus, weil Bewohner ihre Rechnung nicht bezahlt haben und das Camp ohne Verschulden miteinbezogen wurde.“ Es ist nach ihren Worten eine Riesenumstellung, im Busch zu leben statt in der Zivilisation. Die Abgeschnittenheit mache sich bemerkbar, man sei sehr viel für die Tiere da, aber wenig mit Menschen in Kontakt.

Schutz vor Wilderern

Die Location im Busch muss geheim gehalten werden, weil man die Wilderer nicht mit der Nase darauf stoßen möchte. „Sonst gibt es womöglich Ärger.“ Denn die Interessen der beiden Gruppen könnten nicht stärker entgegengesetzt sein. Hier die skrupellose Ausbeutung, dort die Hilfe für die Tiere.

Die Arbeit, vor allem das Erlebnis mit Giraffe Jazz, möchte Alina Huft auf gar keinen Fall missen. Dazu gehört auch der belgische Schäferhund Hunter, der extra im Umgang mit den Wildtieren trainiert ist. Ein sehr sensibler und intelligenter Hund, der darauf achtet, wie es dem Tier geht. Er hatte eine sehr enge Verbindung mit Jazz, schon kurz nach deren Eintreffen. Hunter kümmerte sich um sie. „Man merkte gleich, ob es der Giraffe schlecht geht, weil der Hund dann auch das Essen einstellte. Er ist sozusagen in den Hungerstreik getreten.“ Als es mit der Giraffe gesundheitlich zunächst bergauf ging, spielte Hunter auch wieder draußen in der Prärie mit seinem jüngeren Bruder Duke.

Große Bestürzung über den Tod von Giraffe Jazz

Was Alina Huft vermissen wird: wie sich die Tiere zueinander verhalten, sich im Schlammbad herumrollen und sich necken. Ein besonders schönes Erlebnis hatte sie noch mit einem kleinen Schaf: Barnie. Das kleinste Tier, das wir hatten, mit dem es sich so schön kuscheln ließ. Über eine WhatsApp-Gruppe ist die 18-Jährige weiterhin in Kontakt mit dem Camp. „Ich frage auch jeden Tag, wie es den Tieren geht.“ Und so erfuhr sie soeben, dass Jazz leider doch nicht durchkam. Die Bestürzung ist groß. Alle hatten sich so einfühlsam um die Giraffe gekümmert, die nur nur wenige Wochen alt wurde. Alina Huft hat sich vorgenommen, auf jeden Fall noch einmal hinzufahren, wenn sie ihre Trauer überwunden hat.

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