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Baustelle im Blickpunkt: Während die Arbeiten auf dem ehemaligen Schrebergarten-Gelände und drumherum voranschreiten, ist im Gemeinderat über die dort vorgefundenen Altlasten diskutiert worden. 

Vorwürfe gegen Gemeinde

Wohnbauprojekt in Höhenkirchen: Böse Überraschung unter der Erde

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Wie gefährlich ist das Erdmaterial, das auf dem ehemaligen Schrebergarten-Gelände zwischen Münchner Straße und Sportplatzstraße für den Bau des gemeindlichen Wohnprojekts ausgehoben worden ist? Darüber ist jetzt im Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit viel Emotionen diskutiert worden.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Otto Bußjäger (UB), der jegliche „Gefahr für Mensch und Tier“ ausgeschlossen wissen wollte, forderte, dass der Gemeinderat lückenlos über die Beschaffenheit des Aushubs informiert wird.

Der Gemeinderat musste sich mit dem Bauprojekt beschäftigen, weil bei der Entsorgung des Erdmaterials nicht einkalkulierte Zusatzkosten entstanden sind. Diese waren bisher nicht Teil der Zweckvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Kommunalunternehmen Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Das Kommunalunternehmen soll, wie berichtet, für die Gemeinde das Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen bauen und die dafür notwendigen Umbauten an der Münchner Straße und der Sportplatzstraße vornehmen.

Behörden fordern detaillierte Untersuchungen

Wie Rathaus-Geschäftsleiterin Ruth Sander in der Gemeinderatssitzung ausführte, hätten Untersuchungen im Vorfeld der Aushubarbeiten für den Straßenbau ergeben, dass in der ehemaligen Kiesgrube belastetes beziehungsweise kontaminiertes Material vorhanden ist. Daraufhin seien vonseiten der zuständigen Behörden wie dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt Laboruntersuchungen zur Auflage gemacht worden.

Laut Sander wurden rund 3000 Kubikmeter Erdreich abgetragen beziehungsweise ausgehoben. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass davon 2200 Kubikmeter wieder verwendet werden dürfen. Rund 800 Kubikmeter, also etwa 1500 Tonnen müssten über eine Sondermülldeponie entsorgt werden. Die Kosten dafür belaufen sich laut Sander auf knapp 110 000 Euro.

Bußjäger brachte schon allein auf die Palme, dass die Verantwortlichen bei der Kostenberechnung fürs Bauprojekt die Entsorgung der Altlasten nicht miteingerechnet hatten. „Wenn man auf einer Kiesgrube baut, hätte man darauf kommen können“, sagte er. Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Anita Reiprich zeigte sich darüber verwundert, „dass das mit den Altlasten plötzlich aufschlägt“. Es handele sich um einen Fehler der Gemeinde.

Diesen Vorwurf wollte CSU-Fraktionschef Peter Guggenberger so nicht im Raum stehen lassen. Es sei unmöglich gewesen, im Vorfeld die Qualität und Menge der Altlasten einzuschätzen. „Vom Risiko haben wir gewusst“, sagte er. Aber die Art des Materials sei nicht bekannt gewesen.

Bußjäger widersprach. Er erinnerte daran, dass es alte Luftaufnahmen und Dokumente gebe, die darauf verweisen hätten können, „was dort unter der Erde ist“. Die Verwaltung forderte er auf, sämtliche Unterlagen über die vorgefundenen Altlasten dem Gemeinderat zur Ansicht vorzulegen, um eine potenzielle Gefahr für die zukünftigen Mieter ausschließen zu können.

„Da gibt es keine Gefahr für die, die dort einziehen“, betonte Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), die die Sitzung leitete. Bei den Untersuchungen seien keine gesundheitsgefährdenden Stoffe gefunden worden.

Aushub auf Sportplatz abgeladen

Mit dieser Aussage war die Diskussion für Bußjäger aber noch nicht beendet. Der Vize-Landrat erinnerte daran, dass ein Teil des Aushubs auf benachbarten Sportflächen abgeladen wurde. Er wollte deshalb wissen, ob dieses Material im Winter sachgerecht gelagert worden sei. „Da spielen schließlich Kinder drauf.“ Konwitschny erwiderte, sie gehe von einer den Vorschriften entsprechenden Lagerung aus. Jetzt schaltete sich auch Hans Loidl (CSU) in die hitzige Debatte ein. „Es gibt eine lupenreine Dokumentation“, sagte er. Außerdem habe man beim Aushub für die Wohnbebauung nur relativ gutes Material gefunden, das schlechte Material sei beim Aushub für die Straße zum Vorschein gekommen.

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