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Den Wahlsieg schon eingetütet? Ortssprecherin Gudrun Hackl-Stoll überreicht im Beisein von Kassier Peter Triebswetter (2.v.l.) und dem scheidenden Ortssprecher Erik Lembke (2.v.r.) Bürgermeisterkandidat Karsten Voges einen Beutel mit Wahl-Werbung.

Vom Wahlkampf-Koordinator zum Hoffnungsträger

„Joschka Fischer fand ich klasse“: Karsten Voges will für Grüne ums Bürgermeisteramt kämpfen

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Erstmals in seiner Geschichte hat der Ortsverband der Grünen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn einen eigenen Bürgermeisterkandidaten nominiert. Er heißt Karsten Voges und ist trotz seiner erst 40 Jahre ein grünes Urgestein.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Er ist jung, dynamisch, eloquent – und sieht im blauen Buisness-Hemd, der passenden Hose und seiner Funktionsuhr am Handgelenk wie der Geschäftsführer eines erfolgreichen Start-up-Unternehmens aus (was er übrigens auch ist): Der Ortsverband der Grünen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat den Diplom-Informatiker Karsten Voges (40) zum Bürgermeisterkandidaten nominiert.

Von den mittlerweile 26 Mitgliedern des Ortsverbandes finden an diesem Sommerabend immerhin die Hälfte den Weg zum Kurvenwirt nach Siegertsbrunn, um bei brütender Hitze den Hoffnungsträger unter die Lupe zu nehmen. Er wird für gut befunden. Als der stark schwitzende, aber gut gelaunte Wahlleiter Christoph Nadler („Wann waren die Zeiten für uns schon einmal besser als jetzt“), seines Zeichens Fraktionschef der Grünen im Kreistag und Landratskandidat, die entscheidende Frage stellt, heben alle Stimmberechtigten für Voges die Hand.

Höhenkirchen: Bürgermeisterkandidat hat bereits Bundestagswahlkampf koordiniert

Voges – verheiratet, Vater von drei Kinder und aus Karlsruhe stammend – überzeugt die Anwesenden wohl nicht nur mit seinem schwungvollen Auftreten, sondern auch aufgrund seiner politischen Erfahrung. Der Unternehmer, der seit 2009 in der Gemeinde wohnt, die letzten Jahre aber auch in den USA lebte, engagiert sich bereits seit 1997 für die Grünen. „Ich wollte schon immer mitgestalten“, sagt er und verweist auf sein politisches Vorbild damals: „Joschka Fischer war eine Person, die ich klasse fand.“

Voges gründet in seiner damaligen Heimat eine grüne Jugend, arbeitet im Kreisvorstand Karlsruhe Land und im Landesvorstand der Grünen Jugend Baden-Württemberg. An seinem politischen Engagement ändert auch sein studienbedingter Umzug nach München 1999 nichts. Er wirkt bei der Grünen Jugend München und Bayern und koordiniert 2002 den Wahlkampf für einen grünen Bundestagskandidaten.

Dass er nicht neu im politischen Geschäft ist, daran lässt der 40-Jährige von Anfang an keinen Zweifel. Die Inhalte, die Voges als designierter Bürgermeisterkandidat seinen Anhängern präsentiert, klingen wie Parolen: „Gemeinschaft stärken!“, „Tempo 30 ist spitze!“, „Nachhaltig wirtschaften!“. Fürs Pressefoto posiert er, natürlich immer lächelnd, im Freien. Ein Schweißfleck auf dem Hemd wird gekonnt mit dem grünen Stoff-Beutel, den er kurz zuvor von Ortssprecherin Gudrun-Hackl-Stoll überreicht bekommen hat, verdeckt. Nadler freut sich über so viel Professionalität: „Das ist kein Zählkandidat, sondern einer, der es echt wissen will.

Bürgermeister-Wahlkampf: Inhaltlich bleibt Karsten Voges noch vage

Inhaltlich bleibt Voges aber eher vage. „Ich möchte das Miteinander in Höhenkirchen-Siegertsbrunn verbessern“, sagt er. Gemeinschaft stärken bedeuten für ihn unter anderem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die Vereine zu fördern. Da würde ihm wohl kein Kandidat einer anderen Partei widersprechen. Ähnlich ist es mit seinen Statements zum Thema „Wirtschaft und Finanzen“. Er will hochwertiges Gewerbe für den Ort, die Einnahmen, sagt er, müssten gestärkt, Ausgaben besser kontrolliert werden. Einem Grünen-Sympatisanten, dem sein Tempo-30-Slogan zu schwach ist und der eine Einschränkung des Pkw-Verkehrs im Ort fordert, hört Voges geduldig zu und bietet ihm die Mitarbeit an, konkrete Versprechungen macht er nicht.

An inhaltlichen Details kann er aber auch noch feilen. Zwar hat man bereits die inhaltlichen Eckpunkte für die Kommunalwahl festgezurrt, wie Hackl-Stoll betont, „der richtige Wahlkampf beginnt aber nach den Sommerferien“. Da bleibt genug Zeit, den Kandidaten und seine Ziele ins rechte Licht zu rücken – oder besser gesagt: ins volksnahe.

Denn Hackl-Stoll scheint ihr smarter, Hochdeutsch sprechender Kandidat bei aller Sympathie noch nicht bayernkompatibel genug aufzutreten. Als Hintergrund fürs Foto schlägt die gebürtige Höhenkirchnerin deshalb ein besonders schmuckes Bauernhaus vor, kommentiert die Wahl mit den Worten: „Und Boarisch können wir auch.“ Voges lässt die Regieanweisungen lächelnd über sich ergehen. Wie ein echter Polit-Profi eben.

Voges will die Nachfolge der langjährigen Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) antreten, die nicht mehr kandidiert.

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