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Ihre spektakulären Pirouetten können Kunstflieger über dem Höhenkirchner Forst üben. Allerdings nicht ohne Auflagen der Deutschen Flugsicherung. Flughöhe und Radius sind vorgegeben. 

Kunstflieger erobern Höhenkirchens Himmel

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Er trudelt in die Tiefe, dreht sich um die eigene Längsachse oder zieht am Himmel eine Schleife: Ein Pilot sorgt mit Kunststücken über dem Höhenkirchner Forst immer wieder für Aufsehen. Der Raum, in der sich der Sportflieger bewegt, die Kunstflugbox, ist von der Deutschen Flugsicherung genehmigt – und sie ist die einzige im Landkreis München.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Erst vor wenigen Wochen hat der Sportflieger mit seinen Figuren auch die Aufmerksamkeit von Bürgermeisterin Ursula Mayer geweckt. Wie die Rathauschefin erzählt, saß sie am Sonntag gerade beim Mittagessen im Garten, als sie das Brummen und Dröhnen eines Flugzeugs hörte. „Erst habe ich an ein Modellflugzeug gedacht“, sagt Mayer. Denn der Lärm sei immer wieder abgebrochen und dann erneut zu hören gewesen.

Dann entdeckte sie am Himmel das Flugzeug in Cesna-Größe, das über dem Forst wiederholt steil nach oben schoss, sich um die eigene Achse drehend nach unten stürzte, um dann erneut in die Höhe zu schießen. Der Pilot habe dafür wohl immer wieder den Motor ausgestellt, mutmaßt Mayer.

„Jedenfalls war meine Neugierde geweckt“, gibt die Bürgermeisterin zu. Gestört habe sie die Fliegerei zwar nicht wirklich, trotzdem habe sie wissen wollen, ob das, was der Pilot da oben vollführte, rechtens ist. Also fragte sie bei der Ottobrunner Polizei nach, ob dort etwas über die Flugbewegungen bekannt sei. „Ein paar Tage später wurde ich angerufen und über die Kunstflugbox, auch ,Special Activity Area‘ genannt, aufgeklärt“, erzählt Mayer.

Genehmigung jährlich beantragen

Doch was hat es mit der „Special Activity Area“ (SAA) genau auf sich? Antworten gibt Sandra Teleki, Sprecherin der Münchner Niederlassung der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS). „Ein Gebiet mit besonderen Aktivitäten ist ein Luftraum von festgelegten Ausmaßen, in dem außergewöhnliche Sichtflugaktivitäten stattfinden, die besondere Aufmerksamkeit von Flugbesatzungen zur sicheren Flugdurchführung erfordern“, zitiert sie aus der offiziellen Beschreibung. So könne eine SAA eben auch für den Kunstflug eingerichtet werden.

Die Kunstflugboxen müssten jährlich beantragt und von der DFS genehmigt werden. „Die Anträge können von Privatpersonen, aber auch von Unternehmen kommen“, erklärt Teleki. Um wen es sich im Fall der SAA über dem Höhenkirchner Forst handelt, kann sie aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sagen. Heuer kann dort laut Teleki von April bis Ende Oktober geflogen werden, und zwar von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Mayers Informationen zufolge sind die Flugzeiten allerdings noch weiter eingeschränkt worden. So könnten die Sportflieger ihre Runden nur montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr sowie von 15 Uhr bis Sonnenuntergang, am Wochenende zwischen 9 und 13 Uhr drehen.

Genau festgelegt ist auch der Raum, in dem über dem Höhenkirchner Forst geflogen werden darf. „Der Radius beträgt eine nautische Meile“, sagt Teleki. Das entspricht 1,852 Kilometern. Geflogen werden dürfe ab einer Höhe von 3000 Metern über dem Meeresspiegel (rund 914 Meter) und bis zu einer Höhe von 7500 Fuß (knapp 3000 Meter). „In diesem Raum in Form eines Zylinders bewegt sich der Kunstflieger“, so die DFS-Sprecherin. Die Standorte der genehmigten SAA sind im Luftfahrthandbuch aufgeführt und so für jeden anderen Piloten bekannt. Wie oft der Luftraum über dem Höhenkirchner Forst aber heuer von Kunstflugakrobaten genutzt wurde, kann Teleki nicht sagen. „Darüber führen wir keine Statistik.“

Bürgermeisterin bleibt skeptisch

Dass der Pilot im Sommer unterwegs ist, wenn viele Bürger im Wald spazieren gehen, und dann ausgerechnet noch in einer Phase höchster Trockenheit, in der die Waldbrandgefahr akut ist, bereitet Rathauschefin Mayer allerdings Bauchschmerzen. „Mir wäre lieber, er würde im Winter fliegen.“

Kunstflug ist grundsätzlich das ganze Jahr über erlaubt, erläutert Teleki. Der Winter sei aber für die Piloten aufgrund der schwierigeren Flugbedingungen eher uninteressant. Eine besondere Gefährdung der Bevölkerung durch Kunstflieger sieht sie nicht. „Die Piloten haben sich an diverse Sicherheitsvorschriften zu halten.“ Als Beispiel nennt die DFS-Sprecherin den Paragrafen 14 der Luftverkehrsordnung. Darin wird Piloten unter anderem untersagt, „Kunstflüge in Höhen von weniger als 450 Metern (1500 Fuß) über Grund oder Wasser sowie über Städten, anderen dicht besiedelten Gebieten, Menschenansammlungen und Flughäfen“ zu absolvieren.

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