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Expertin gibt Tipps fürs Lernen: „Pausen werden komplett unterschätzt“

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Von: Stefan Weinzierl

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Das Schuljahr ist wieder gestartet. Jetzt heißt es: lernen, lernen, lernen. © Waltraud Grubitzsch/dpa

Das Schuljahr ist wieder gestartet. Im Interviews gibt Lerncoach Katy Menci aus Höhenkirchen Tipps, wie man effektiver lernt.

Landkreis – Mit dem Schulstart heißt es für viele Schüler wieder: lernen, lernen, lernen. Das gelingt dem einen besser, dem anderen weniger. Und manche Schüler verzweifeln regelrecht daran. Wer Schwierigkeiten beim Lernen hat oder seine Lernkompetenzen einfach nur verbessern will, kann sich an Lerncoaches wie Katy Menci wenden. Die 43-jährige Lernberaterin mit Praxis in Höhenkirchen-Siegertsbrunn will Kindern und Erwachsenen vermitteln, dass Lernen durchaus Spaß machen kann. „Eine positive Einstellung zum Thema Lernen wird jedem helfen, glücklicher und entspannter durchs Leben zu gehen“, sagt sie und gibt zum Beginn des neuen Schuljahres ein paar Ratschläge für ein besseres Lernverhalten.

Wer ist besser fürs neue Schuljahr gerüstet: die Schüler, die auch in den Sommerferien kontinuierlich gelernt haben oder die, die in den vergangenen sechs Wochen nicht an die Schule oder ans Lernen gedacht haben?

Definitiv diejenigen, die ihrem Kopf eine Pause vom schulischen Lernstoff gegönnt haben. Das Gehirn arbeitet ja trotzdem unbewusst weiter. Es verarbeitet das Gelernte und ordnet es neu ein und um. Dann kann es nach den Ferien wieder frisch an diesem verarbeiteten Wissen anknüpfen.

Wer sich fürs neue Schuljahr vorgenommen hat, bessere Noten zu schreiben – wie stellt er oder sie es am effektivsten an?

Gute Ziele sind dafür das A und O. Nur wer ein konkretes Ziel vor Augen hat, kann effektiv darauf hinarbeiten. Das Ziel sollte dem Kind – nicht den Eltern – wirklich wichtig sein und es sollte auch machbar sein. Der Zeitraum, bis wann das Ziel erreicht sein sollte, darf nicht zu weit entfernt sein – erstmal nur zwei oder drei Monate. Danach gilt es dann, die Anstrengungen und das Erlangte ausreichend zu würdigen, sodass es mit viel Motivation zum nächsten Etappenziel gehen kann.

Worauf sollten die Schüler beim Lernen achten, damit sie erfolgreich sind?

Sie sollten ihr Gehirn als Freund und Helfer sehen, statt ständig gegen es zu arbeiten. Dazu gehört auch, dass man mit dem Lernen frühzeitig beginnt und viele Wiederholungen einbaut.

Wie können die Eltern sie unterstützen?

Wie Kinder mit Spaß lernen und was Eltern und Lehrer dazu beitragen können, weiß Lerncoach Katy Menci, die in Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine eigene Praxis hat. .
Wie Kinder mit Spaß lernen und was Eltern und Lehrer dazu beitragen können, weiß Lerncoach Katy Menci, die in Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine eigene Praxis hat. . © privat/ Denise Bachmann Fotografie

Das können schon so kleine Dinge sein, wie gemeinsam Gesellschaftsspiele spielen und in die Natur gehen. Dies fördert eine Vielzahl an Kompetenzen und schafft einen Ausgleich zum langen Sitzen. Mein Geheimtipp ist allerdings das Wörtchen „noch“. Kommt das Kind mal wieder voller Selbstzweifel zu Mama oder Papa und meint, dass es etwas wohl nie schaffen wird, dann antworten sie am besten: „Du kannst es vielleicht NOCH nicht, aber mit etwas mehr Übung schaffst du es bestimmt. Wir stehen an deiner Seite und helfen dir.“

Wie können die Lehrer helfen?

Ich wünsche mir, dass manche Lehrer sich noch mehr trauen, auf die Interessen der Schüler einzugehen, statt strikt dem Lehrplan zu folgen. Interessenbasiertes Lernen erhält die Neugier und die Eigeninitiative – genau das, was vielen Schülern bereits am Anfang der Schulzeit schnell verloren geht.

Haben Sie sonst ein paar nützliche Tipps für Lernende?

Pausen werden komplett unterschätzt! Rechnet man das Alter des Kindes mal zwei, erhält man die Zeitspanne, in der sich das Kind gut konzentrieren kann. Danach sollte eine (Mini-)Pause eingelegt werden – auch während der Schulaufgaben. So kann man auch auf den letzten Seiten des Tests noch punkten.

Was ist absolut kontraproduktiv?

Beim Lernen gilt nicht die Devise „viel nützt viel“. Auch wer viel lernt, kann schlechte Noten bekommen! Stattdessen sollte effizient und mit den richtigen Lernstrategien an das Lernen herangegangen werden.

Warum tun sich viele Kinder mit dem Lernen schwer?

Sie haben nie gelernt, wie man richtig und mit Spaß lernen kann. Es werden meist nur die Standardmethoden „10x durchlesen“ und „ansagen“ angewendet. Das ist wenig motivierend und auf Dauer auch nicht erfolgversprechend.

Wann sollten Menschen die Hilfe eines Lerncoaches in Anspruch nehmen?

Wenn der Familienfrieden bereits unter den Herausforderungen leidet oder das Selbstvertrauen des Kindes sinkt und es aufzugeben droht. In diesen Fällen sollte eine neutrale Person eingeschaltet werden. Ich als Lerncoach setze dann ganzheitlich, das heißt sowohl mit den richtigen Lernstrategien als auch mit Stressprävention und der Stärkung des Selbstbildes an. Ich habe zudem auch die Familie und das Umfeld der Schule im Blick und richte das Coaching entsprechend darauf aus.

Woran erkennt man, dass man möglicherweise Hilfe beim Lernen braucht?

Falls das Notenbild plötzlich und unerklärlich abrutscht, Ängste entstehen oder auch psychosomatische Beschwerden wie regelmäßige Bauchschmerzen, Übelkeit oder Schlafprobleme eintreten, sollte man sich professionelle Unterstützung suchen. Es wäre aber natürlich gut, wenn Eltern es gar nicht erst so weit kommen lassen und ihr Kind präventiv auf die Schule und seine Herausforderungen vorbereiten.

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