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Von der Gemeinde im Dauerbaustellen-Chaos im Stich gelassen fühlt sich Gabi Wölfl, Vorsitzende der Gewerbegemeinschaft.

Geschäftsleute fühlen sich von Gemeinde im Stich gelassen

Lokale Läden leiden: Baustelle in Höhenkirchen schreckt Kunden ab

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Schon seit April dauern die Bauarbeiten für einen Kreisverkehr an der Friedenseiche in Höhenkirchen-Siegertsbrunn an. Sehr zum Leidwesen der örtlichen Geschäftsleute. Kunden verirren sich nur noch selten hierher. Die Umsätze sind massiv eingebrochen. Die Vorsitzende der Gewerbegemeinschaft hat eine klare Forderung an die Gemeinde. 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Strahlend blauer Himmel, 20 Grad und Sonnenschein. Doch vor der Eisdiele Casa del Gelato in Höhenkirchen herrscht tote Hose. Der Grund: Die Baustelle direkt vor der Tür. Schon seit April wird am Hauptknotenpunkt der Gemeinde der Asphalt aufgerissen, Leitungen verlegt und Straßen umgeleitet. Die Bauarbeiten am Kreisverkehr rund um die Friedenseiche sind im vollem Gange. Das bedeutet aber auch, dass die drei Hauptzugangsstraßen Rosenheimer Straße, Münchner Straße und Bahnhofsstraße voll gesperrt sind. Ein Graus für die Gewerbebetreibenden.

Große Umwege will kaum jemand in Kauf nehmen

„Unsere Kunden müssen sehr große Umwege fahren“, sagt Gabi Wölfl, Inhaberin des Blumengeschäfts Mattukat in der Rosenheimer Straße. Aber auch zu Fuß oder mit dem Rad sei es schwer, die Geschäfte zu erreichen. „Der Bürgersteig der Umleitung ist so eng. Mit Kinderwagen oder Rollator ist das fast nicht machbar“, sagt Wölfl, die auch Vorsitzende der Gewerbegemeinschaft Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist.

Die Folge: finanzielle Einbußen. „In den vergangen Monaten hatten wir nur die Hälfte des normalen Umsatzes“, sagt Wölfl. Die Situation kennt auch Christl Bendig, Inhaberin des Restaurants „Feuer und Stein“ und der Tagesbar in der Rosenheimer Straße. „Wir haben die Bar sogar fünf Wochen geschlossen“, sagt Bendig.

Frische Ware verdirbt

Viele der betroffenen Geschäfte hatten im August ihren Laden nur vormittags offen. „Das hat sich einfach nicht rentiert“, sagt die Floristin Wölfl, die sich in einer besonders kniffligen Lage befindet. „Ich habe frische Ware, die innerhalb weniger Tage vergeht“, wenn dann die Kunden ausbleiben ist das Geld in den Sand gesetzt.

Kritik an schlechter Beschilderung 

Ähnliche Probleme hat auch Robert Neveling, der seit Juni vergangenen Jahres den Bio-Genussmarkt in der Rosenheimer Straße betreibt. „Wir haben den gleichen Aufwand, es kommt aber nur die Hälfte der Kunden. Da wird leider entsprechend viel weggeschmissen.“. Seiner Meinung nach, ist die größte Schwachstelle die schlechte Beschilderung. „Das ist ein riesen Thema“, sagt er. Laut Google Maps sei sein Laden ,derzeit nicht erreichbar’. „Das stimmt natürlich nicht, die Zufahrt ist immer frei und es gibt Umleitungen, die zu uns führen“, sagt der Start-up Unternehmer.

Sybille Laurent, die ihre Goldschmiede an der Münchner Straße hat, sieht die Baustellensituation auch kritisch. „Für die Anwohner ist das eine Katastrophe, nicht nur wir Geschäftsinhaber sind betroffen“, sagt die Goldschmiedin.

Gewerbegemeinschaftsvorsitzende fordert Entschädigung

Gabi Wölfl. fühlt sich gar von der Gemeinde gar im Stich gelassen. Ihr Vorschlag als Vorsitzende der Gewerbegemeinschaft: Ein Nachlass bei der Gewerbesteuer als kleine Entschädigung für die großen Einbußen aufgrund der Baustelle.

Die Antwort der Gemeinde: Steuernachlass ausgeschlossen. Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) habe sich erkundigt „Die Geschäfte müssen bis zu einem halben Jahr wirtschaftlichen Einbußen aushalten können“, sagt sie. Das heißt, jeder Gewerbetreibende sollte einen Puffer für solche Situationen haben. Der Gemeinde seien da die Hände gebunden. Mayer möchte den Geschäftsinhabern aber die Möglichkeit geben, bei der nächsten Bürgerversammlung am 19. November ihren Laden vorzustellen und die Bürger zu animieren, weiterhin in den Geschäften einzukaufen.

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