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Die Grafik zeigt, wo das Naturbad entstehen soll. 

Verein präsentiert Standort in Höhenkirchen

Naturbad soll mitten im Biotop entstehen

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Aus dem Traum von einem Naturbad in Höhenkirchen soll in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden: Der Verein, der das Projekt vorantreibt, hat jetzt den seiner Ansicht nach geeigneten Standort für das Bad präsentiert – samt Gutachten, das Bedenken in naturschutzrechtlicher Sicht ausräumen soll.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Lange hat der 2012 gegründete Naturbad-Verein, dem mittlerweile fast 1450 Mitglieder angehören, nach einer passenden Fläche gesucht. Jetzt scheint man den idealen Standort gefunden zu haben: ein 2,8 Hektar großes Gemeinde-Grundstück am Hirschwinkel, das an die Asylbewerber-Unterkunft an der Ottobrunner Straße grenzt.

Das brachliegende Areal, von der Gemeinde als Biotop ausgewiesen, war bisher in erster Linie Heimat für Vögel, Amphibien und Reptilien. Doch bald könnten sich die dort nachgewiesenen Goldammern, Klappergrasmücken, Erdkröten und Bergmolche den Lebensraum mit Wasserratten und Sonnenanbetern, sprich: Badegästen teilen müssen – wenn der Verein dort sein Bad bauen darf.

Kröte und Molch brauchen Laichplatz

Landschaftsarchitekt Matthias Schwahn hat für den Verein eine artenschutzrechtliche Prüfung durchgeführt. Sein Fazit: Die auf dem Areal nachgewiesenen Tiere und Pflanzen stellen kein unüberbrückbares Hindernis für die Projektverwirklichung dar. „Streng geschützte Arten wurden nicht gefunden“, sagte er jetzt bei der Vorstellung seines Gutachtens im Gemeinderat. Allerdings seien Erdkröte und Bergmolch im Ort nur auf diesem Gelände beheimatet.

Deshalb müsse man den bestehenden Tümpel, der den Tieren als Laichplatz dient, erhalten oder eine Alternative schaffen. Auch bedeutsame Vegetationsarten wie Nasswiesen gelte es zu bewahren. Durch eine Konzentration der für das Naturbad notwendigen Flächen – benötigt werden mindestens 1,5 Hektar – soll der Eingriff ins Biotop minimiert werden. Schwahn sah die Chance, durch die Umgestaltung das Gelände sogar aufzuwerten. Jedenfalls sei der Standort mitten im Biotop für ein solches Projekt ideal. „Die Naturerfahrung wäre für die Badebesucher von Anfang an möglich“, so der Experte.

„Jetzt wissen wir, was in unserem Biotop so keucht und fleucht“, meinte Rathauschefin Ursula Mayer (CSU), die dem Verein das Grundstück angeboten hat, nach den Ausführungen trocken. Sie verwies darauf, dass weiter der Verein am Zug sei. Zwar habe der Gemeinderat vor Jahren sein Wohlwollen für das Projekt signalisiert, allerdings keine finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt. Deshalb mussten die Verantwortlichen laut Mayer nun einen Antrag stellen und der Gemeinde ein Planungs- und Finanzierungskonzept vorlegen.

Der Verein rechnet – je nach Größe des Bads – mit Investitionskosten von bis zu zwei Millionen Euro. Die geschätzten Betriebskosten in Höhe von jährlich 50 000 bis 70 000 Euro würden durch die Mitgliedsbeiträge gedeckt, betonte Beiratsmitglied Georg Hampe bereits während einer kurz vor der Ratssitzung organisierten Ortsbesichtigung. 15 000 Euro habe der Verein für den Bau und den Betrieb des Bads angesammelt. Doch auch wenn die Verantwortlichen auf Spenden und Sponsoren hoffen, ohne finanzielle Beteiligung der Kommune wird sich das Projekt nicht verwirklichen lassen.

Altlasten könnten der Knackpunkt sein

Deshalb warb Beirätin Ingrid Sepp bei dem Vor-Ort-Termin für das Bad. Es sei für die Bevölkerung eine Bereicherung. Und in einer Zeit, in der jeder zweite Grundschüler nicht schwimmen könne, zudem enorm wichtig. Zwar gebe es in der weiteren Umgebung durchaus Bademöglichkeiten. „Aber wer lässt derzeit seine Mädchen schon allein durch den Wald zum Kasten- oder Steinsee radeln“, betonte Sepp angesichts der steigenden Zahl von sexuellen Übergriffen auf Frauen in jüngster Zeit. Zum Naturbad vor Ort käme hingegen jeder problemlos – und zwar ohne Auto.

Hampe hoffte angesichts dieser Argumente, dass „im Gemeinderat viele Hurra schreien“. Die Räte hielten sich aber bedeckt. Kein Wunder: Neben der ungeklärten Finanzierung gibt es einen weiteren Knackpunkt. Das Gelände ist eine Altlastenverdachtsfläche. Also muss als Nächstes geklärt werden, ob und welche Gefahren im Untergrund lauern. Und ob diese möglicherweise den Traum vom Naturbad doch noch zerplatzen lassen.

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