Tanken mit Strom: Das Autohaus möchte öffentliche E-Ladesäulen errichten – nur wie viele werden es?
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Tanken mit Strom: Das Autohaus möchte öffentliche E-Ladesäulen errichten – nur wie viele werden es?

Forderung im Bauausschuss

Nur vier E-Ladesäulen: Autohaus soll sein Versprechen einhalten

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Ein Autohaus möchte öffentliche E-Ladesäulen errichten. Allerdings weniger, als im Vertrag mit der Gemeinde festgesetzt sind. Das führte zu Diskussionen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Das Autohaus Schmid in Höhenkirchen will auf dem ehemaligen Schrebergartengeländes zwischen Münchner Straße und Sportplatzstraße eine für alle zugängliche Strom-Tankstelle errichten. Der Bauausschuss hat jetzt die Baugenehmigung erteilt. Einige Gemeinderäte erinnerten aber daran, dass das Autohaus der Gemeinde ursprünglich eine größere E-Ladestation zugesagt hatte und forderten die Einhaltung des Versprechens. „Wir sollten das auf jeden Fall durchsetzen“, sagte Otto Bußjäger (UB).

Gemäß dem Bauantrag plant das Autohaus eine überdachte Strom-Tankstelle mit vier Ladeplätzen. Ein Großteil des 1764 Quadratmeter großen Areals soll als Lagerfläche für Autos dienen. Photovoltaik-Paneelen auf dem Tankstellen-Dach sollen klimaneutralen Strom liefern.

50.000 Euro für die Tankstelle - und die Stromleitung kommt on top

Wie Marcus Schäfer, Prokurist der Auto Schmid GmbH, in der Sitzung ausführte, könne die PV-Anlage aber nur einen geringen Teil zur benötigten Strommenge beitragen – und das auch nur, „wenn die Sonne scheint“. Deshalb sei für die Inbetriebnahme der Ladesäulen eine Hauptstromleitung notwendig. Die fehlt bisher, sodass das Autohaus nicht nur rund 50 000 Euro für die Tankstelle aufbringen muss, sondern auch noch einmal einen mindestens genauso hohen Betrag für die Stromleitung. Daher bat Schäfer die Gemeinde um einen Finanzzuschuss.

Darüber werde heute nicht entschieden, stellte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) klar, die wohl die angespannte Atmosphäre in der zum Sitzungssaal umfunktionierten Mehrzweckhalle nicht noch weiter aufheizen wollte. Denn einige Ausschussmitglieder zeigten sich mit dem, was das Autohaus nun plant, alles andere als zufrieden.

„Da muss man noch einmal nachhaken“

Bußjäger, der noch kein Gemeinderatsmandat innehatte, als die Verwaltung vor Jahren den Kaufvertrag für das Grundstück mit dem Autohaus aushandelte, wusste zwar nichts über die genauen Inhalte des Vertragswerks, wohl aber, dass das Unternehmen versprochen hatte, auf dem Areal acht Ladesäulen zu errichten. „Da muss man noch einmal nachhaken“, forderte er. Schließlich sei es sicher nicht der erklärte Wille des Gemeinderats gewesen, dass an dieser Stelle ein so großer Pkw-Lagerplatz entsteht. Der Verkauf des Grundstücks sei an den Bau der acht Ladesäulen gekoppelt gewesen, bestätigte seine Fraktionskollegin Andrea Hanisch und warnte davor den „Vertrag zu beugen“.

Schäfer verdeutlichte, dass durch die Modulbauweise einer Erweiterung der Anlage grundsätzlich unproblematisch sei. „Wenn der Bedarf da ist, machen wir das“, versprach er. Knackpunkt sei aber die fehlende Stromleitung. Wie er erläuterte habe sich die Lage dadurch verkompliziert, dass das von der Gemeinde auf dem anderen Teil der ehemaligen Schrebergarteanlage errichteten Mehrfamilienhauses eine Anschlussstelle für die Stromleitung blockiert habe. Dieses Argument wollte der Ausschuss aber nicht gelten lassen. Dass der Gemeindebau Strom benötigt, sei schließlich von Anfang an absehbar gewesen, hielt man dem Autohaus-Vertreter entgegen.

Roland Spingler (CSU) versuchte schließlich etwas Aufregung aus der Diskussion zu nehmen. „Wir sollten froh sein, dass jetzt ein Anfang gemacht wird, und nicht alles zerreden“, sagte er – mit Erfolg: Letztlich stimmten alle für den Bauantrag. Trotzdem könnte es noch lange dauern, bis man an der E-Tankstelle wirklich tanken kann. Wie Schäfer nämlich auf Anfrage bestätigte, will das Autohaus bei der Bayernwerk AG erst den Antrag zur Verlegung der Stromleitung stellen, wenn Klarheit darüber besteht, ob die Gemeinde einen fianziellen Beitrag leistet. Den Zeitraum, bis so eine Leitung verlegt ist, gab Schäfer mit acht Monaten an.

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