Projekt „Hand in Hand“ soll in Höhenkirchen-Siegertsbrunn starten

Seniorenhilfe als Genossenschaftsmodell

  • Stefan Weinzierl
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„Hand in Hand“ nennt sich die Mehrgenerationengenossenschaft, die die freien Wohlfahrtsverbände im Landkreis München vor eineinhalb Jahren gegründet haben. Nun will man mit einem ersten Projekt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn loslegen. Konkret geht es darum, Ehrenamtliche an Senioren zu vermitteln.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), die bei der Arbeiterwohlfahrt tätig ist und die Genossenschaft mit ins Leben gerufen hat, stellte jetzt im Hauptverwaltungsausschuss das Projekt „Betreutes Wohnen zuhause“ vor. Es sieht vor, mithilfe der Genossenschaft Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, und ältere Menschen, die auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen sind, zusammenzubringen. Doch kostenlos ist dieser Service nicht. Ein Umstand, der bei einigen Ausschussmitgliedern durchaus für Unbehagen sorgte (siehe Kasten).

Wie Konwitschny ausführte, müsse sowohl derjenige, der helfen will, als auch derjenige, der Hilfe braucht, Mitglied in der Genossenschaft sein. Ein Anteil kostet für eine Einzelperson 50 Euro, hinzu kommt eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 25 Euro. Wer konkret Hilfe beansprucht, muss mit der Genossenschaft einen Betreuungsvertrag abschließen. Der kostet laut Konwitschny 60 Euro im Jahr und beinhaltet Basisleistungen wie die Teilnahme an Seniorentreffen, die Hilfe bei Anträgen und einen Besuchsdienst, der zweimal im Monat vorbeikommt. Wer zudem kleinere Hilfen im Alltag benötigt – zum Beispiel um Gardinen aufzuhängen oder den Garten herzurichten –, wird an Ehrenamtliche vermittelt.

Für die Leistung dieses Helfers zahlt der oder die Hilfsbedürftige dann einen Stundenlohn von acht Euro. Zwei Euro davon gehen an die Genossenschaft, die restlichen sechs Euro bekommt der Helfer. Letzterer kann aber auch aufs Geld verzichten, wie Konwitschny betonte: „Er kann sich den Betrag in Stunden umwandeln und auf ein Zeitkonto gutschreiben lassen.“ Wenn der Helfer dann selbst irgendwann Unterstützung benötige, könne er die in Anspruch genommenen Stunden mit seinem Zeitkonto bezahlen.

Konwitschnys Fraktionskollegin Priska Weber fand die Genossenschaftsidee unterstützenswert. Es gebe in der Gemeinde ein großes Potenzial an älteren Menschen, sagte sie. Vor allem gebe es viele Alleinstehende in größeren Häusern, die sicher die eine oder andere Unterstützung benötigen würden. Das Angebot von „Hand in Hand“ wäre eine Zusatzleistung, die es in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bisher nicht gebe. Auch Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) warb dafür, das Projekt in der Gemeinde zu verwirklichen. „Ein Versuch ist es wert“, sagte sie.

Im Rahmen der vom Bayerischen Sozialministerium ausgerufenen Aktionswoche zum Wohnen im Alter will „Hand in Hand“ das Projekt am Mittwoch, 10. Mai, groß in der Gemeinde präsentieren – entweder im Rathaus oder im Seniorenzentrum an der Bahnhofstraße. Ab diesem Zeitpunkt wolle man auch gezielt damit beginnen, Ehrenamtliche zu suchen, so Konwitschny. Denn bis zur Seniorenmesse im November sollen die Strukturen geschaffen werden, um mit den konkreten Angeboten und Hilfeleistungen loslegen zu können.

Ob die Gemeinde einen oder mehrere Anteile an der Genossenschaft erwirbt, steht allerdings noch nicht fest. Für einen Anteil müsste die Kommune insgesamt 250  Euro zahlen. Bevor man Geld investiere, so Roland Spingler (CSU), müssten die Verantwortlichen einen Businessplan vorlegen. Das habe man auch bei anderen Projekten so gehalten.

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