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Sind die Pläne gut oder schlecht? Die Höhenkirchen-Siegertsbrunner diskutieren über die ISEK-Pläne.

ISEK-Planer überzeugen Bürger nicht

Angst vor dem Verkehrs-GAU

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Mit dem ISEK-Verfahren soll die Entwicklung der nächsten 20 Jahre in Höhenkirchen-Siegertsbrunn geplant werden. Bei den Bürgern stoßen die Ideen auf Unmut.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Es wurde laut und heftig diskutiert, viel gezeichnet und kritisiert: Bei der zweiten Bürgerbeteiligung im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) zeigte sich, dass die Ideen der Planer bei den Höhenkirchen-Siegertsbrunnern ankommen – es aber noch viel Nachholbedarf gibt.

Rund 120 Leute sind zum Wirtshausgespräch im Gasthaus Franz Inselkammer gekommen, um zu erfahren, wie sich die Gemeinde in den kommenden 15 bis 20 Jahren entwickeln könnte. „Ein Thema, das die Zukunft von Höhenkirchen-Siegertsbrunn betrifft“, sagte Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU). Und die Bürger waren auch selbst gefragt: Auf den Tischen lagen Pläne, in sie ihre Wünsche einzeichnen sollten. Das taten die Höhenkirchen-Siegertsbrunner auch fleißig. Und spätestens beim direkten Austausch mit den Planern zeigte sich: Es klafft eine Lücke zwischen den vorgestellten Plänen und den Wünschen der Bürger.

Vorstellungen von Planern und Bürgern gehen auseinander

Im Zentrum der Diskussionen stand mal wieder die Bahnhofsstraße. Diese sehen die ISEK-Planer von Planungsbüro Dragomir als neue Ortsmitte, die gleichzeitig die historischen Ortskerne verbindet. So weit, so gut, wäre da nicht das leidige Thema Verkehr. Die Bahnhofsstraße erstickt in den Stoßzeiten schon jetzt im Verkehr. Ist die S-Bahn-Schranke unten, stauen sich die Autos schnell mehrere hundert Meter. Das ist den Planern bewusst, sie sprachen von 30 Autos Rückstau oder mehr. Trotzdem sehen sie genau hier das größte Potenzial für den Einzelhandel. Ein zentraler Versorgungsbereich, der gleichzeitig die Bindung zu den Bürgern stärken könnte.

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Genau diese Vorstellung sorgt aber wohl auch für noch mehr Verkehr, da viele Wohngebiete weiter als 500 Meter entfernt sind – diese Entfernung wird allgemein als Grenze gesehen, bis zu der zu Fuß eingekauft wird. Zumindest in der Theorie. Kommen dann noch Rathausneubau, neue Wohnhäuser und Realschule in die Bahnhofsstraße, fürchten die Höhenkirchen-Siegertsbrunner den Verkehrs-GAU.

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Die Bürger hatten schon bei der ersten Beteiligung Ende 2017 Vorschläge unterbreitet, wie der Verkehr umgeleitet werden könnte: über S-Bahn-Tunnel oder Ortsumfahrungen. Die wurden bislang aber nicht berücksichtigt. „Es braucht erst einmal eine Verkehrsuntersuchung, bevor darüber diskutiert werden kann“, sagte Verkehrsplaner Ulrich Glöckl. Diese Themen werden also noch einigen Vorlauf brauchen – wenn sie überhaupt realisiert werden.

Bürger-Vorschläge mit in Planung aufgenommen

Abgesehen von den Verkehrsproblemen nahmen die Bürger die Ideen der ISEK-Planer durchaus positiv auf: Die historischen Ortskerne sollen wieder gestärkt werden, ein Radl-Rundweg sowie zusätzliche Radschutzstreifen auf der Bahnhofsstraße, verkehrsberuhigte Ortseinfahrten gegen Raser, dazu geförderter Wohnraum an den Ortsrändern und der Kirchenweg als ständige Ortsgrenze. So bleibe südlich genügend Grünfläche und gleichzeitig der Rodungsinsel-Charakter erhalten.

Trotzdem gab es auch im Nachgang viel Kritik. „Hier erzählen uns gut bezahlte Experten nur altbekannte Fakten, die wir schon lange wissen“, zitiert die Junge Union ihren stellvertretenden Kreisvorsitzenden Florian Keil in einer Pressemitteilung. Die zweite Bürgerbeteiligung sei in dieser Form Zeit- und Steuerverschwendung.

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Ganz so dramatisch ist es vermutlich nicht, die ISEK-Planer arbeiten die neuen Vorschläge nun in ihre Unterlagen ein. Anschließend legen sie diese dann dem Gemeinderat vor – als Empfehlung, nicht als Handlungsprämisse. Doch bis es so weit ist, wird es wohl noch mehrere Monate dauern.

Das sagen die Bürger zu den ISEK-Plänen:

Herbert Frischmann

Herbert Frischmann (66): Der Verkehr ist das Hauptthema. Ich finde es komisch, dass in der Präsentation eine Bahnhofsunterführung nicht erwähnt wurde. Diesen Punkt kann man nur entschärfen, wenn eines von beiden unter der Erde verläuft. Lauter Kleingewerbe dort ansiedeln, wo die Hauptverkehrsader ist, verstehe ich nicht. Dann ist alles zu. Wie soll sich dann eine Achse entwickeln? Wie der Verkehr reduziert werden könnte, war auch kein Thema. Ich finde, man müsste an anderen Stellen bauen – auch die Realschule.

Die ganze Siedlungsgeschichte sollte an den Ortsrand verlegt werden. Am Wächterhof hat es einen S-Bahn-Zugang. Wenn immer mehr Leute kommen, haben wir irgendwann keine Rodungsinsel mehr, sondern eine Siedlungsinsel. Vielleicht sollte man auch sagen: Bis hier hin und nicht weiter. Ich bin hier groß geworden, meine Eltern und Großeltern habenhier gelebt. Die Entwicklung ist mittlerweile so extrem, dass ich meinen Ort nicht mehr erkenne.

Tassilo Soos

Tassilo Soos (23): Ich finde es generell gut, dass was getan wird. Es ist gut, dass verstanden wird, dass die historischen Ortskerne landschaftsbildend sind. Ich kann aber nicht verstehen, dass gleichzeitig so viel historische Bausubstanz verloren geht. Abgesehen vom Verkehr ist bezahlbarer Wohnraum ein großes Thema, vor allem für ältere und junge Leute. Bei den Plänen an der Bahnhofsstraße verstehe ich die Intension. Aber die Straße ist maximal überlastet. Solange es keine Möglichkeit zur Entlastung gibt, wird es immer schlimmer.

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