Hanns Christian Luibl steht außerhalb seines Grundstücks, auf dem Wirtschaftsweg, auf dem die Kieslaster rollen sollen, und zeigt in Richtung des Ackers, auf dem Kies abgebaut werden soll.
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Da soll sie hinkommen: Hanns Christian Luibl steht außerhalb seines Grundstücks, auf dem Wirtschaftsweg, auf dem die Kieslaster rollen sollen, und zeigt in Richtung des Ackers, auf dem Kies abgebaut werden soll. Das Areal beginnt ungefähr hinter den Fahrzeugen

„Dann kannst gleich an den mittleren Ring ziehen“

Des Steinmetzen Grauen vor der Grube: Anwohner sauer über Kies-Pläne

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Ein Areal, rund 500 Meter von der nächsten Wohnsiedlung entfernt, sollte eigentlich ein erträglicher Standort für eine Kiesgrube sein. Möchte man meinen. Den Luibls aber graut davor.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Eigentlich hat Hanns Christian Luibl berufsbedingt ein sehr inniges Verhältnis zu Gestein. Der 66-Jährige ist Steinmetz, arbeitet täglich mit dem Material. Grabsteine aus Marmor und Granitplatten stehen und liegen nicht nur rund um seine Werkstatt an der Friedrich-Bergius-Straße in Siegertsbrunn, sondern auch im Vorgarten seines direkt angrenzenden Einfamilienhauses. „Ich als Steinmetz wäre sogar berechtigt, selbst in einer Grube Gestein abzubauen“, sagt er.

Doch die Kiesgrube, die ein Abbruch-Unternehmer auf einer landwirtschaftlichen Fläche am Muna-Gelände ausheben will, ist für Hanns Christian Luibl und seine Frau Karin (64) der private Supergau. Das Areal liegt nur gut 100 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt. Und der Unternehmer hat die Zuwegung zur Grube auf einem Wirtschaftsweg am Ackerrand geplant. Der Weg führt direkt am Grundstück des Paars vorbei. Bei einem beantragten Jahresdurchschnittswert von 72 Lkw-Fuhren pro Tag, also 36 hin und 36 zurück, haben die Luibls errechnet, dass im Durchschnitt alle 6,6 Minuten ein Kieslaster an ihrem nicht vorhandenen Gartenzaun vorbeifahren würde. „Dann kannst gleich an den mittleren Ring ziehen“, meint Hanns Christian Luibl verbittert.

Wenig Schutz: Karin Luibl in ihrem Garten. Nur der schmale Streifen aus Sträuchern und Bäumen trennt ihr Grundstück vom Wirtschaftsweg am Feldrand.

Früher wohnten und arbeiteten die Luibls direkt im Ort. Weil es dort laut Karin Luibl irgendwann nicht mehr so passte, zog man vor 14 Jahren ins Gewerbegebiet. „Wir wollten unbedingt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bleiben“, erzählt sie. Die Nähe zum S-Bahnhof Wächterhof und der vergleichsweise günstige Grundstückspreis machten den Standort für die Familie attraktiv. „Wir hatten keine Bedenken, in einem Gewerbegebiet zu wohnen“, sagt Karin Luibl. Schließlich hält sich das Ehepaar für nicht besonders lärmempfindlich. Den Lkw-Verkehr in der Friedrich-Bergius-Straße sei man gewohnt. Und das Wohnhaus richteten die Luibls einfach nach Süden aus. Von der Terrasse im kleinen Garten blickt man direkt auf die Felder, die das Gewerbegebiet von Siegertsbrunn trennen. „Da ist es staad“, betont Hanns Christian Luibl, „da fahren nur ab und zu ein paar Traktoren vorbei“.

Lesen Sie auch: Der geplanten Kiesabbau am Muna-Gelände bleibt das Thema, das viele Bewohner in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bewegt. Zumindest gingen im Vorfeld der Bürgerversammlung viele Fragen im Rathaus ein.

Doch jetzt droht der Lkw-Lärm vom Süden. „Dann ist es hier nicht mehr lebenswert zu wohnen“, befürchtet der Steinmetz, der auf absehbare Zeit in Rente gehen wollte. Dann wollte er Halle und Werkstatt weiterverkaufen, seinen Lebensabend aber im angrenzenden Haus verbringen. „Doch wenn uns jetzt die Rollbahn vor die Nase gesetzt wird, werden wir uns ein anderes Plätzchen suchen müssen – und das Haus unter Wert verkaufen müssen“, sagt er.

Familie Luibl bangt um ihre Hecke

Dass ein Gesetz aus dem Jahr 1934 noch heute dafür sorgt, dass Kiesabbau privilegiert wird und damit das Projekt kaum zu verhindern ist, halten die Luibl für Irrsinn. Das Schicksal der betroffenen Bevölkerung spiele keine Rolle, klagen sie.

Sie bangen auch um die Hecke, die ihr Grundstück vom Wirtschaftsweg trennt. Es handle sich um ein Buschbiotop mit vielen Singvögeln und Kleintieren, das durch die Planung bedroht sei. „Uns wurden deshalb beim Bau des Hauses Auflagen gemacht“, erinnert sich Hanns Christian Luibl, Jetzt kümmere es niemand, was mit dem Gebüsch passiert.

Gegenwehr: Schon seit Wochen hängt das Plakat gegen den Kiesabbau an der Werkstatt von Steinmetz Luibl.

Der 66-Jährige hat bereits mehrmals das Gespräch mit dem Unternehmer gesucht. Er wollte wenigstens eine Verlegung der Zuwegung nach Süden erreichen. Dort gibt es einen Feldweg, über den die Kieslaster direkt die Hohenbrunner Straße erreichen würden. Doch bei dieser Lösung stelle sich nach Aussagen des Unternehmers das Landratsamt quer, sagt Hanns Christian Luibl. Die Behörde befürchte wohl, dass eine zusätzliche Kreuzung an der Kreisstraße eine gewisse Unfallgefahr mit sich bringt. Auch eine Lösung mit Einfädelspur, damit die Lkw nicht direkt auf die Kreisstraße einfahren, sei mittlerweile vom Tisch. Der Aufwand würde sich nicht lohnen, habe ihm der Unternehmer mitgeteilt.

Dass die Gemeinde mit dem Unternehmer einen städtebaulichen Vertrag aushandeln will, sollte das Landratsamt die Kiesgrube genehmigen, macht den Luibls wenig Hoffnung. Sie haben noch daran zu knabbern, dass sie erst Anfang September, kurz bevor die Pläne im Gemeinderat präsentiert wurden, von Nachbarn auf das Projekt direkt vor ihrer Nase aufgemacht wurden. „Wieso hat uns keiner im Vorfeld informiert?“, fragt sich Karin Luibl. Und ihr Mann hat eine klare Forderung an die Verantwortlichen: „Die Zufahrt zur Kiesgrube muss deutlich nach Süden verlegt werden. Denn wenn 72 Laster am Tag bei uns vorbeidonnern, dann ist das Haus für uns nicht mehr bewohnbar.“

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