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Praxis statt Theorie: Dominik Irgang von der Gastrokette L’Osteria backte mit den Schülern der Erich Kästner-Mittelschule auf der Ausbildungsmesse selbst gemachte Pizza.

50 Ausbildungsbetriebe vor Ort

Ausbildungsmesse: Vom Pizzabäcker bis zum Lokführer

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Angesichts des Fachkräftemangels sind Ausbildungsmessen eine gute Möglichkeit für Betriebe und Jugendliche Kontakte zu knüpfen. Dazu hatten die Mittelschüler in Höhenkirchen die Chance.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Zehn Liter Tomatensoße, zwei Dutzend Teiglinge, mehrere Scheiben Salami und viel Mehl verarbeiten die Schüler der Mittelschule in Höhenkirchen zu knusprigen Pizzen. Mit Kochlöffel und Schürze kneten die Buben und Mädchen die Teigklumpen, und lassen beim Belegen des Pizzabodens ihrer Kreativität freien Lauf. Auf Praxis statt Theorie setzte die Firma L’Osteria, die Restaurants in und um München betreibt, bei der Ausbildungsmesse in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

mehr als 200 Schüler

Zum zweiten Mal hat die hiesige Erich Kästner Grund- und Mittelschule die Ausbildungsmesse veranstaltet, an der heuer mehr als 200 Schüler teilnahmen, von der siebten bis zur zehnten Klasse. Das Busunternehmen Geldhauser, welches auch als Aussteller vertreten war, brachte eine Schulkasse der Mittelschule Taufkirchen zur Messe. An die 50 Betriebe aus der Umgebung kamen nach Höhenkirchen, um ihre Berufe und Ausbildungsstellen den künftigen Schulabgängern schmackhaft zu machen. „Das sind zehn Firmen mehr als bei der letzten Messe“, sagte Claus Brockmann, der seit viereinhalb Jahren als Berufseinstiegsbegleiter an der Erich Kästner Mittelschule arbeitet. Er hilft Schülern beim Bewerbungsprozess und sucht den Kontakt zu den Betrieben. „Die Lage hat sich in den letzten Jahren geändert, heute sind junge Leute immer gefragt“, sagte Brockmann. Einige Firmen kamen auf ihn zu, andere hat er angeschrieben. „Die Messe ist dazu da, Kontakte zwischen den Betrieben und den Jugendlichen herzustellen“, erklärte der Sozialpädagoge.

Das Angebot nutzten die meisten der 15- und 16-Jährigen auch. Vom Lokführer über den Pizzabäcker bis hin zum Landschaftsgärtner waren viele Sparten vertreten. Bei den meisten Ständen, die sich im Erdgeschoss der Schule und in der Turnhalle aneinanderreihten, bildeten sich kleine Grüppen und die Jugendlichen hörten gespannt zu, fragten nach. „Es ist für die Schüler etwas anderes mit Gleichaltrigen zu reden“, sagt Beyza Demirhan (22), die eine Ausbildung bei der Siemens-Betriebskrankenkassse (SBK) macht, und den Stand mitbetreut. „Einen wirklichen Fachkräftemangel haben wir nicht“, sagte Ulrike Jacobi, Ausbildungskoordinatorin bei SBK. Die Firma ist dennoch auf mehreren Ausbildungsmessen vertreten.

Das Team der SBK: (v.l.) Ulrike Jakobi mit Auszubildenden Franziska Mayser und Beyza Demirhan.

Das ist auch bei der Gastronomiekette L’Osteria der Fall, verrät Dominik Irgang. Er ist Verwalter für die Restaurants in Bayern. In Höhenkirchen wurde er aber kurzerhand zum Pizzabäcker. „Wir versuchen, mit solchen Aktionen extrovertierter auf die Jugendlichen zuzugehen“, sagte Irgang. Die Schüler sollen sich etwas unter dem Beruf vorstellen können. „Wir bieten fast alle Fachrichtungen an, etwa eine Ausbildung als Fachmann für Systemgastronomie“, sagte Irgang.

Schule statt Ausbildung

Trotz des reichlichen Angebots und der vielen vertretenen Berufenkönnen sich einige Schüler mit einer Ausbildung noch nicht anfreunden. Die Zwillinge Sophia und Luise finden die Messe zwar sehr vielfältig. Sie möchten aber nach der zehnten Klasse auf die FOS wechseln. „Wir wollen das Abitur machen, um später mehr Möglichkeiten zu haben“, sagte die 15-jährige Sophia. Das weiß auch Michaela Piegendorfer von der Deutschen Bahn, die für das Personalmarketing der Schüler in Bayern zuständig ist. „Ganz viele wollen erst einmal auf die FOS. Sie sind auch noch sehr jung, um gleich in einem Beruf zu starten“, sagte sie. Es käme aber vor, dass einige Jugendliche sich nach der elften Klassen, doch dazu entscheiden eine Ausbildung bei der Bahn zu machen. Auf der Ausbildungsmesse seien viele Schüler überrascht, dass man nicht nur Lokführer werden kann, sondern es viele technische Berufe gibt. „Wir haben über 250 Ausbildungsstellen, vor allem hier in München ist der Konkurrenzdruck sehr hoch“, sagt Piegendorfer. Ein Grund mehr, einen positiven Eindruck bei den Jugendlichen zu hinterlassen.

Knapp 50 Aussteller, vom Landschaftsgärtner bis zur Deutschen Bahn, waren vertreten.

Auch Schulleiter Thorsten Bergmüller, der erst seit diesem Schuljahr an der Mittelschule in Höhenkirchen ist, hatte das Gefühl, dass sich die Ausbildungsbetriebe viel Mühe geben. „Die Schüler sind mit großer Neugier von Stand zu Stand gegangen“, berichtet er. Es gebe aber auch ein paar Jugendliche die Unterstützung brauchen, bei denen die Eigenmotivation nicht so groß sei. „Der Praktikumsplatz ist der erste Schritt Richtung Ausbildung“, sagte Bergmüller. Um sich einen solchen frühzeitig zu sichern, sei die Ausbildungsmesse die ideale Gelegenheit.

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