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Höhenkirchen will die Wende: Umdenken bei Mobilität beginnt vor der eigenen Haustür.

Modell in der Diskussion

Carsharing als Anreiz für Bauträger

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Der Gedanke klingt verlockend: Mithilfe einer Abänderung der Stellplatzsatzung könnte die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn künftig womöglich Bauträger animieren, beim Wohnhaus-Bau den Käufern Alternativen zum eigenen Auto anzubieten – zum Beispiel Carsharing oder Lastenräder.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Der finanzielle Reiz für die Bauherren: Sie müssten weniger Stellplätze nachweisen, könnten kleinere Tiefgaragen bauen. Die Hoffnung der Gemeinde: Bürger würden eher aufs Auto verzichten und verstopfen dadurch weniger die Straßen.

Mit diesem Bonusmodell, das man in einer neuen Stellplatzsatzung verankern könnte, hat sich jetzt der Bauausschuss der Gemeinde auseinandergesetzt. Andreas Hauthaler von der Pöttinger Immobiliengruppe in Ottobrunn stellte den Gemeinderatsmitgliedern das Konzept vor: Grundvoraussetzung für die Bauträger, um in den Genuss eines Stellplatz-Bonus zu kommen, ist demnach die Bereitstellung von mindestens einem Fahrradabstellplatz je Wohneinheit. Wird zudem ein Carsharing-Auto angeboten, also ein Auto, das mehrere Anwohner gemeinsam nutzen, könnte sich der Investor beim Wohnungsbau bis zu sieben Pkw-Stellplätze sparen. Die Carsharing-Autos sowie andere vom Bauträger zur Verfügung gestellte Fahrzeuge wie E-Bikes, Lastenräder, E-Scooter oder Trolleys würden laut Hauthaler später der Wohnungseigentümergemeinschaft gehören.

Je nach Lage des Bauvorhabens könnte sich die Zahl der Stellplätze, die gebaut werden müssten, erheblich reduzieren (siehe Kasten). Denn neben dem Angebot an alternativen Fortbewegungsmitteln wird auch honoriert, wo im Ort die Wohnungen oder Häuser entstehen. Je näher die Neubauten beispielsweise an Kindertagesstätten, Schulen, der S-Bahn oder Supermärkten errichtet werden, desto mehr Stellplätze kann der Bauträger einsparen.

Nach Ansicht Hauthalers steigert sich durch ein derartiges Mobilitätskonzept der Wohnwert eines Wohngebietes. Und Mobilitätsalternativen wie das Carsharing seien immer mehr im Kommen, betonte er: „Angebot und Nachfrage gehen steil nach oben.“

Das sieht auch Peter Guggenberger so. „Sharing ist schon ein Mega-Trend“, sagte der CSU-Fraktionsvorsitzende, der das Mobilitätskonzept für die Stellplatzsatzung als „spannend“ bezeichnete. Er setzt dabei auch auf die jungen Leute, die mehr und mehr alternativen zum Auto suchten. Auch seine Fraktionskollegin Andrea Hanisch hielt den Ansatz „für einen Schritt in die richtige Richtung“. Denn die Bürger seien schwer vom Auto wegzubekommen.“ Genau das will Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) erreichen. „Wir müssen den Verkehr reduzieren“, sagte sie. Deshalb sei ein solcher Vorschlag für die Stellplatzsatzung sehr wichtig.

Skeptisch äußerte sich Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD). „Das Konzept ist in der Theorie sehr schön“, meinte sie, machte aber auf die Risiken aufmerksam. Mehr Autos auf den Straßen könne man sich nicht mehr leisten, warnte sie. Wenn das Konzept, das, wie Hauthaler zugeben musste, noch in den Kinderschuhen steckt, nicht aufgehe, verschärfe man das Problem, warnte sie. Erst einmal bräuchte man „mehr Fahrradplätze, und zwar gut überdacht“, damit die Anwohner erst gar nicht zu ihren Autos in die Tiefgarage gingen.

Bedenken äußerte auch Ruth Sander, die neue Geschäftsleiterin im Rathaus. Sie erinnerte daran, dass die derzeitige Stellplatzsatzung jeden Häuselbauer gleich behandle, beim vorgestellten Modell aber würden Bauträger mit größeren Projekten bevorzugt. Dass sich das Bonus-Modell erst für Wohnbebauung mit vielen Wohneinheiten lohnt, gab auch Manfred Eberhard (UB) zu denken. Denn in Höhenkirchen-Siegertsbrunn seien bisher in der Regel nur relativ kleine Wohngebiete verwirklicht worden. Auch müsste man für die alternativen Fortbewegungsmittel eine geeignete Infrastruktur schaffen, zum Beispiel mehr Fahrradstreifen.

Roland Spingler (CSU) wollte angesichts der geplanten Honorierung der Wohnhaus-Lage wissen, was passiert, wenn Schule, Supermarkt oder Kindergarten wegziehen. Müssen dann nachträglich Stellplätze gebaut werden. „Eine Tiefgarage könne schlecht nachträglich gebaut werden“, gab Eberhard zu bedenken. „Es ist gefährlich, das jetzt einzuführen“, lautete Konwitschnys Fazit. „Es gehört ein bisschen Mut dazu“, entgegnete Guggenberger. „Wenn wir so eine Zeitenwende einleiten wollen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt“, ergänze Hanisch.

Rathauschefin Ursula Mayer (CSU) steht dem Konzept wohlwollend gegenüber, sah aber noch viele Unklarheiten, die es – auch juristisch – noch aufzuarbeiten gilt. Deshalb sah man zunächst davon ab, über die Umgestaltung der Stellplatzsatzung auf Grundlage des Bonus-Modells abzustimmen. Wenn es Antworten auf die offenen Fragen gibt, will man sich wieder mit dem Thema beschäftigen.

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