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Gute Miene zum bösen Spiel? Zuletzt waren sich Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU, rechts im Bild) und Parteikollegin Andrea Hanisch gar nicht mehr grün. Die offizielle Verabschiedung fällt höflich, aber nicht herzlich aus. 

CSU-Streit um Bürgermeister-Kandidatur: Andrea Hanisch verlässt den Gemeinderat

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Aus dem internen Streit der CSU in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat Andrea Hanisch jetzt Konsequenzen gezogen. Sie verlässt den Gemeinderat. 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Es sind denkwürdige Szenen, die sich da in der Gemeinderatssitzung in Höhenkirchen-Siegertsbrunn abspielen: Andrea Hanisch, für die CSU 25 Jahre in dem Gremium aktiv, viele Jahre als Fraktionssprecherin, eine Zeit lang sogar als Zweite Bürgermeisterin, wird zum Abschied mit Lob überschüttet – vom politischen Gegner. Die Mitglieder der eigenen Fraktion sitzen da und schweigen. Die ganze Zeit über, bis Hanisch, zwischendurch den Tränen nahe, noch einmal „Servus“ sagt, zur Tür geht und – den obligatorischen Blumenstrauß und ein Präsent in der Hand – den Sitzungssaal im Rathaus verlässt.

Von Parteifreunden nicht mehr unterstützt

Die 59-Jährige hat die Konsequenz aus ihrer Niederlage im parteiinternen Machtkampf gezogen. Noch vor den Sommerferien folgte der Austritt aus der CSU-Fraktion, jetzt hat sie vorzeitig ihr Gemeinderatsmandat niedergelegt. Was genau heuer im Frühjahr in den Vorstandssitzungen des CSU-Ortsverbandes vorgefallen ist, weiß die Öffentlichkeit bis heute nicht. Fest steht: Hanisch, die nach dem Willen der Christsozialen im kommenden Jahr die Nachfolge der scheidenden Bürgermeisterin Ursula Mayer antreten sollte, fühlte sich plötzlich von ihren Parteifreunden nicht mehr unterstützt. Als sie die Vertrauensfrage stellte, so wird aus dem CSU-Umfeld berichtet, hätten ihr zahlreiche Vorstandsmitglieder die Gefolgschaft verweigert – darunter auch Mayer. Daraufhin gab Hanisch ihre Ambitionen auf. Zum Bürgermeisterkandidaten wurde letztlich CSU-Ortschef Roland Spingler gekürt.

Aus CSU-Kreisen heißt es, Mayer habe Hanisch fallengelassen

Rathauschefin Mayer sagt, sie sei als amtierende Bürgermeisterin zur Neutralität verpflichtet. Das habe Hanisch wohl in den falschen Hals bekommen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aus CSU-Kreisen aber, Mayer habe Hanisch fallengelassen, weil diese im Gemeinderat für den Realschul-Standort gestimmt hatte, den Mayer ablehnte. Auch Hanischs Ankündigung, den Stil im Rathaus und im Gemeinderat zu ändern und enger mit den anderen Fraktionen zu kooperieren, sei bei den Parteifreunden nicht gut angekommen. Hanisch selbst hat sich bisher nicht näher dazu geäußert.

Auch bei ihrer Abschiedsrede im Gemeinderat belässt sie es bei Andeutungen. Sie spricht von „Umständen“, die sie gezwungen hätten, „einen finalen Cut zu machen“ und sagt: „Manchmal spielt das Leben eben so.“ Dann bedankt sie sich bei der Rathausverwaltung und den Fraktionen für die gute Zusammenarbeit. Im Laufe der Jahre habe sie viele Freundschaften geschlossen, erzählt sie: „Die besten oft beim politischen Mitbewerber.“

Die Angesprochenen verabschieden sich von Hanisch besonders herzlich Das Besondere an ihr sei gewesen, sagt UB-Sprecher Manfred Eberhard, dass sie auch den anderen Fraktionen eine Wertschätzung entgegengebracht habe.

Bereit für Plan B

Bei der CSU herrscht betretenes Schweigen, nur Mayer ergreift als Bürgermeisterin das Wort. Sie würdigt Hanischs Engagement über all die Jahre, das weit über die politische Arbeit hinausgegangen sei. „Sie hat sicher Spuren in der Gemeinde hinterlassen“, sagt Mayer und verweist auf den Bau des Wohnhauses für Menschen mit Handicap – das große von Hanisch initiierte und begleitete Projekt. Dann stellen sich Hanisch und Mayer zur Geschenkübergabe und lächeln in die Kamera. Der Schlusspunkt in Hanischs kommunalpolitischer Karriere?

Das ist ungewiss. Auf Merkur-Nachfrage betont Hanisch, es gäbe nach den Vorkommnissen keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit der CSU-Fraktion. Sie sei traurig, blicke aber optimistisch nach vorne. „Und“, so meint sie vielsagend, „es gibt auch einen Plan B.“

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