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Die Debatte um einen Schulcampus mit Gymnasium und Realschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn geht weiter. 

Im Streit um die Standortfrage

Bürgerentscheid und Konkurrenz aus der Nachbarschaft? Realschul-Debatte vor dem Neustart

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Bisher lautete die Frage: Wo baut Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine Realschule? Doch so langsam stellt sich neben der Frage nach dem Wo auch die ganz grundsätzliche nach dem Ob. Die Bürgermeisterin bringt dazu einen Bürgerentscheid ins Gespräch. Und eine andere Gemeinde hebt die Hand.

Höhenkirchen-SiegertsbrunnEr hat es schon einmal getan. Vor gut anderthalb Jahren, kurz bevor Putzbrunn den Zuschlag für ein neues Gymnasium bekam, sorgte Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) für Aufsehen, indem er seine Gemeinde als Konkurrenzstandort ins Gespräch brachte. Erfolglos. Spricht man ihn heute darauf an, ob er anstelle eines Gymnasiums auch eine Realschule nähme, ist seine Antwort nahe dran an einem klaren Ja. „Eine Schule zu bauen, ist immer was Schönes“, sagt Straßmair. Der Standort westlich der Bahn sei schon eingeplant, Grundstücksgespräche am Laufen.

Dass er sich überhaupt zurzeit wieder näher mit der Frage nach einem solchen Neubau befasst, liegt auch an der Situation in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Eine neue Kostenschätzung zum Realschul-Standort an der Brunnthaler Straße und der Erweiterung des Gymnasiums nahe dem S-Bahnhof hat Gemeinderäten und den Mitgliedern des Zweckverbands Weiterführende Schulen der Südost-Gemeinden die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Die beiden Bauten könnte demnach bis zu 25 Millionen Euro teurer ausfallen als geplant – 125 statt 100 Millionen Euro.

Neuen Auftrieb bekommt daher die eigentlich bereits abgelehnte Campus-Lösung, die die Realschule direkt neben dem Gymnasium vorsähe; mit teils gemeinsam genutzten Anlagen wie Aula, Fachräume, Sportanlagen. Landrat Christoph Göbel (CSU) bat die Gemeinde, nochmals darüber nachzudenken. 

Bußjäger ist überzeugt: Der Campus wird kommen

Eine Schlussfolgerung weiter ist da schon Otto Bußjäger, Vize-Fraktionssprecher der Unabhängigen Bürger im Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Er sagt: „Der Campus wird kommen.“ Die Kostensteigerung sei weder für die Gemeinde noch für den Schulzweckverband zu schultern. „25 Millionen Euro zwingen zum Nachdenken“, sagt Bußjäger, der im neu gewählten Gemeinderat eine knappe Mehrheit für den Campus wittert. „Besser in die richtige Richtung umfallen, als in die falsche weiter zu rennen“, rät er denen, die anderer Meinung sind.

Bürgermeisterin bringt Bürgerentscheid ins Gespräch

Dazu dürfte er auch die neue Chefin im Rathaus, Mindy Konwitschny (SPD) zählen. Sie äußert Bauchschmerzen damit, längst gefasste Beschlüsse wieder über den Haufen zu werfen. „Wir wären jetzt so weit, dass wir loslegen könnten“, sagt die Bürgermeisterin. Eine Neuplanung bedeute massive Verzögerungen – für Schulen, die dringend gebraucht würden.

Sollte an der Zwei-Schulen-Lösung gerüttelt werden, dann richtig, lässt Konwitschny durchblicken. Sie könne sich vorstellen, die Bürger von Höhenkirchen-Siegertsbrunn nach ihrer Meinung zum Realschul-Standort zu fragen – und ob sie die Schule überhaupt bei sich haben wollen. Einen entsprechenden Bürgerentscheid prüfe das Rathaus in Abstimmung mit dem Bayerischen Gemeindetag. Ein weiterer Vorteil für Konwitschny: „Andere Entscheidungen dauern länger.“ Ein Bürgerentscheid sei binnen drei Monaten über die Bühne zu bringen – und bei so einer wichtigen Entscheidung „ein guter Weg“.

„Zu emotional aufgeladen“ sieht dagegen UB-Mann Bußjäger das Thema. Er plädiert anstelle des Bürgerentscheids für eine Informationskampagne in der Gemeinde – und eine Ratsentscheidung. Ein Bürgerentscheid könne die Gemeinde spalten. Dabei bestehe die Gefahr, es sich so mit dem Zweckverband zu verscherzen, dass die Schule woanders gebaut würde.

Hohenbrunn hat Landratsamt Bereitschaft für Realschule signalisiert

Zurück zu Stefan Straßmair. Der Hohenbrunner Bürgermeister betont, den Nachbarn ihre Schule nicht abspenstig machen zu wollen. Aber antragen lassen würde er sie sich schon; dem Landratsamt habe er das bereits angeboten. Problem nur: Die Gemeinde habe kein Geld für ein Grundstück. Wie damals im Wettbewerb mit Putzbrunn denkt Straßmair laut über eine Pacht-Lösung nach. Seine Gemeinde punkte mit einer ähnlich guten Verkehrsanbindung wie Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Nur billiger werde es wohl nicht, weil es bei einer Zwei-Schulen-Lösung bliebe.

Die Initiative liegt nun bei der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn, wo sich Anfang Juli der Landrat zum Gespräch angemeldet hat. Als glühende Verfechterin ihres Standorts gibt sich Bürgermeisterin Konwitschny derweil am Telefon gegenüber dem Münchner Merkurnicht, mit Verweis auf Kosten und Verkehrsaufkommen. Schade wäre es schon um die Realschule, bildungstechnisch, so ihr Tenor. Doch nach Hohenbrunn seien es zum Beispiel nur ein paar S-Bahn-Minuten, konstatiert Konwitschny. „Da wäre der Verlust nicht ganz so schlimm.“

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