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„Gefängnismäßige Einzäunung“: Großer Wirbel um neue Schulhof-Tore

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Von: Stefan Weinzierl

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„Ultima ratio“: Ruhestörungen und Müll haben die Schule dazu bewogen, die Schulhof-Rolltore zu montieren.
„Ultima ratio“: Ruhestörungen und Müll haben die Schule dazu bewogen, die Schulhof-Rolltore zu montieren. © Privat

Wegen vermehrter Ruhestörungen und Pöbeleien hat das Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn Tore vor dem Schulhof montiert. Das stößt einem Gemeinderat auf.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Um den Innenhof des Gymnasiums Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist ein Streit entbrannt, genauer gesagt um Rolltore, die in den Herbstferien an den Zugängen angebracht wurden, um den Schulhof bei Bedarf abzuschotten. Gemeinderatsmitglied Karsten Voges stoßen die Absperrungen besonders sauer auf. Er hat deshalb in einem offenen Brief Schulleiterin Claudia Gantke aufgefordert die Gitter wieder abzubauen. Die Rektorin denkt allerdings nicht daran. Ihren Ausführungen zufolge dienen die Rolltore dem Schutz vor Vandalismus und Unterrichtsstörung.

„Mit Entsetzen habe ich zufällig die neu angebrachten Gitter am Eingang des Gymnasiums Höhenkirchen-Siegertsbrunn gesehen“, schreibt der Grünen-Politiker in seinem Brief, den er nicht nur an die Schulleiterin, sondern unter anderem auch an den Schulzweckverbandsvorsitzen, Landrat Christoph Göbel (CSU) sowie Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) adressiert hat. Voges fordert Aufklärung darüber, wie es zu einer derartigen „Verschlechterung der Schule und des Schulhofes“ hat kommen können.

„Wichtiger Begegnungsort genommen“

Ihm ist bereits die bestehende Absperrung der Radständer und Tischtennisplatten am Gymnasium durch einen Zaun ein Dorn im Auge. „Durch die neuen gefängnismäßigen Einzäunungen wird unserer Jugend hier ein wichtiger Begegnungsort genommen“, betont Voges und erinnert daran, dass in den vergangenen Monaten im Gemeinderat immer wieder Stimmen laut geworden seien, die eine Öffnung der gymnasialen Sport- und Freizeitflächen für die Allgemeinheit gefordert hätten. Nun sei die „schon schlechte Situation“ verschlimmert worden, anstatt sie zu verbessern.

Gantke will die öffentlich gemachte Kritik Voges nicht unkommentiert lassen und hat ihrerseits einen offenen Brief geschrieben. Darin erläutert sie Voges, „welche Missstände uns dazu bewogen haben, quasi als ,ultima ratio’ zusammen mit dem Zweckverband entsprechende Maßnahmen zur Absperrung des Hofs nach Unterrichtsende am Abend und am Wochenende zu ergreifen“.

Direktorin erklärt sich

So wird der Innenhof laut Gantke in den vergangenen Jahren vermehrt am Nachmittag, vor allem aber abends „als Skaterplatz, als Bolz-, Vergnügungs- und Feierplatz genutzt“. Mit zahlreichen unschönen Begleiterscheinungen. Denn die außerschulischen Besucher würden immer wieder Unrat wie Zigarettenkippen, Bierflaschen, Glasscherben und anderen Müll hinterlassen. „Leider kam es zu häufigen Unterrichtsstörungen durch skatende oder feiernde Jugendliche, auch zu Pöbeleien gegenüber Lehrkräften, einige Male wurden sogar unsere eigenen Schülerinnen und Schüler bedrängt“, erläutert die Rektorin. Da alternative Maßnahmen wie Bewegungsmelder und stärkere Lampen keinen Effekt erzielt hätten, habe man sich nach Rücksprache mit dem Zweckverband zu diesem Schritt entschlossen und die Rolltore einbauen lassen. Auch die Polizei habe dazu geraten. Der Elternbeirat sei in die Entscheidung ebenso eingebunden worden wie die Schülermitverwaltung, betont Gantke und widerspricht damit Voges Einschätzung, die Entscheidung sei ohne Wissen von Eltern und Schülern getroffen worden.

Das bestätigt auch der Elternbeirat. „Die Planung der baulichen Veränderung wurde dem Elternbeirat sowie den Klassenelternsprechern – und damit der gesamten Elternschaft der Schule – bereits 2019 angekündigt“, teilt die Beiratsvorsitzende Anja Böger-Lange mit. „Der Elternbeirat unterstützt diese Maßnahme zum Schutz der Schule vor Vandalismus.“ Zumal sich auch einige Eltern im Vorfeld für eine Abgrenzung des Schulinnenhofs zum nahe gelegenen Bahnhof ausgesprochen hätten.

Probleme gab es wohl schon früher

Auch Gemeinderat Rupert Franke (SPD), bis 2019 selbst Schüler am Gymnasium, kann die Entscheidung der Schulleitung nachvollziehen. Bereits zu seiner Zeit hätte es Probleme mit Vandalismus gegeben, sagt er. Der Jugendreferent, der auch Mitglied der Schulzweckverbandsversammlung ist, hätte sich aber eine bessere Kommunikation und Einbindung der Schüler gewünscht. Die Schülermitverwaltung ist seines Wissens nur über die Anschaffung informiert worden. Der Zweckverbandsversammlung sei nur eine dringliche Anordnung zur Kenntnisnahme vorgelegt worden. Besser wäre es gewesen, wenn man das Thema nochmal vorgestellt hätte und darüber beschließen lassen. Bevor die Rolltore montiert worden sind.

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