Verborgen: Eine Visualisierung der TU München zeigt, wie die Windräder das Landschaftsbild verändern. An der Leonhardikirche in Siegertsbrunn wären hinter belaubten Bäumen nur die Rotoren der Anlagen (weiße Umrisse) zu sehen.
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Verborgen: Eine Visualisierung der TU München zeigt, wie die Windräder das Landschaftsbild verändern. An der Leonhardikirche in Siegertsbrunn wären hinter belaubten Bäumen nur die Rotoren der Anlagen (weiße Umrisse) zu sehen.

Standort Höhenkirchner Forst lohnt sich

Genug (Rücken-)Wind für Windkraftprojekt

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Für den Bau von drei Windrädern liegt nun ein Experten-Fazit vor: Der Standort Höhenkirchner Forst lohnt sich.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Dem Bau von drei Windrädern im Höhenkirchner Forst steht aus fachgutachterlicher Einschätzung auf Grundlage der mittlerweile abgeschlossenen Windmessungen und Artenschutz-Untersuchungen nichts entgegen – zumindest aus heutiger Sicht. Das hat der mit der Standortanalyse betraute Ingenieur Robert Sing jetzt bei einer Online-Infoveranstaltung bekannt gegeben. „Man kann weitere Schritte gehen“, lautete deshalb sein Fazit. Darüber, ob das Projekt weiterverfolgt wird, entscheiden die betroffenen Gemeinden.

Im Rahmen des aus der Mehrzweckhalle in Höhenkirchen-Siegertsbrunn live übertragenen „Bürgerdialogs“ stellten Experten sowie die Projektbeteiligten – neben den in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Gemeinden Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Egmating und Oberpframmern sowie den beiden Landkreisen München und Ebersberg ist das die Energieagentur Ebersberg-München – die bisherigen Ergebnisse vor. Im Anschluss wurden Fragen, die Bürger im Chat stellen konnten, beantwortet. Von dem Angebot wurde rege Gebrauch gemacht. In der Spitze weit über 300 Teilnehmer verfolgten im Internet gleichzeitig die Veranstaltung.

Gute Renditeaussicht

Wie Sing ausführte, gebe es nach Ansicht des Fachgutachters kein „signifikantes Tötungsrisiko“ für die im Forst lebenden Tiere. Die einjährige Windmessung wiederum habe ergeben, dass man pro Windrad jährliche Erträge von 10,3 bis 11,3 Millionen kWh erzeugen könne. „Im Winterhalbjahr werden die Erträge gemacht, im Sommerhalbjahr ist deutlich weniger Wind und damit auch deutlich weniger Ertrag“, sagte Sing. Damit sei die Windenergie antizyklisch zur durch Fotovoltaikanlagen gewonnenen Sonnenenergie.

Auf Basis der durchgeführten Wirtschaftlichkeitsberechnung, bei der Kosten und Erträge gegenübergestellt werden, kann man laut Sing „mit einer guten höheren einstelligen Eigenkapitalrendite“ rechnen, die man mit einer Windkraftanlage am Standort Höhenkirchner Forst erwirtschaften kann. „Das ist ein sehr positives Ergebnis“, sagte der Ingenieur, betonte aber auch, dass es sich um eine Momentaufnahme handele. Denn die Wirtschaftlichkeit hänge auch von Faktoren ab, die zeitlichen Veränderungen unterworfen seien, wie die EEG-Vergütung und die Bankkonditionen.

Offensichtlich: Rund 150 Meter weiter südlich der bekannten Wallfahrtskirche, hinter dem Schlittenberg am Dürnhaarer Weg liegt der Grillplatz. Von dort wären die drei Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst deutlich sichtbar.

Wie sich die Windkrafträder auf das Landschaftsbild auswirken könnten, zeigte Sören Schöberl von der TU München mithilfe von Visualisierungen an ausgewählten Stellen in den umliegenden Gemeinden. Danach wurden in der von Martina Raschke moderierten Runde die Meinungen und Fragen der an der Live-Übertragung teilnehmenden Bürger aufgegriffen.

Viele Zuschauer lobten den Informationsgehalt der Veranstaltung und die Windkraftpläne im Forst als lokalen Beitrag zur Energiewende. Es gab aber auch zahlreiche kritische Nachfragen. Zum Beispiel, warum man keine Windkraft-Gegner eingeladen habe. Weil es sich um einen reinen Infotermin und nicht um eine Diskussion für oder gegen Windkraft handele, erklärte Höhenkirchens Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) und entkräftete wenig später den Vorwurf, man untersuche keine Alternativen zur Windkraft. Derzeit werde in ihrer Gemeinde ein Energienutzungsplan aufgestellt, dabei auch die Einsatzmöglichkeiten von Geothermie und Fotovoltaikanlagen geprüft. Sie geht aber davon aus, dass man viele Formen alternativer Energiegewinnung braucht, damit die Energiewende gelingt.

Anlage nicht lautlos

Ob man garantieren könne, dass man die Windräder in den umliegenden Gemeinden auch bei offenem Fenster nicht hört, lautete eine weitere Frage. „Das kann man nicht garantieren“, sagte Sing. Aber selbst in der Egmatinger Siedlung Neuortshofen, die im Außenbereich liegt und für die deshalb die 10H-Regelung nur eingeschränkt gilt, werde der Dezibel-Grenzwert nicht überschreiten, so der Experte. Ob und wie laut man die Anlagen höre, sei wetterabhängig. Der Wald wirke jedenfalls schallabsorbierend.

Die notwendigen Ausgleichsflächen für den Eingriff seien rund ums Waldgebiet vorgesehen, aber noch nicht detailliert festgelegt, erklärte Sing auf eine entsprechende Nachfrage: „Der Waldersatz ist gesichert.“ Gesichert sei auch der Rückbau der Anlagen beziehungsweise dessen Finanzierung. Der Forst als Naherholungsgebiet werde so gut wie nicht eingeschränkt, betonte Sing. Lediglich bei Gefahr von Eiswurf könne es an den Anlagen zu Beschränkungen kommen.

Welche Möglichkeiten die Bürger hätten, sich an den Anlagen zu beteiligen, lautete eine weitere Frage. „Es gibt verschiedene Modelle“, sagte Konwitschny. Um sich mit diesen genauer beschäftigen zu können, müsste man aber erst entscheiden, das Projekt weiterzuverfolgen.

Alles noch offen

Wie geht es mit dem Projekt „Windenergie im Höhenkirchner Forst“ weiter? Ingenieur Robert Sing stellte einen groben Zeitplan vor. Nach intensiver Information der Bürger könnte im zweiten Quartal 2021 die Entscheidung über die Projektfortführung getroffen werden. Bei einem positiven Entscheid müssten die Verantwortlichen den Prozess zur für den Bau der Windkraftanlagen notwendigen Änderung der Landschaftsschutzgebiet-Verordnung anstoßen. Ab der zweiten Jahreshälfte gelte es dann, die Genehmigungsunterlagen zu erstellen und bei den zuständigen Behörden einzureichen. Frühestens im Laufe des kommenden Jahres rechnet Sing mit einer Baugenehmigung. Von der Bestellung der Anlagen bis zur Projektrealisierung dauert es laut Sing dann noch einmal ein bis zwei Jahre. Wie Bürgermeisterin Mindy Konwitschny betonte, sei man derzeit noch inmitten der Grundlagenforschung. Eine Entscheidung für oder gegen den Windkraftstandort gebe es bisher nicht. Zuvor wolle man die Bürger intensiv beteiligen. In welcher Form, sei noch völlig offen. Auch ein Bürgerentscheid sei eine Option. Doch selbst wenn die Gemeinden das Windkraftprojekt nicht weiter verfolgten, könne man den Bau von Anlagen im Forst durch Unternehmen nicht ausschließen, betonte Konwitschny. Denn seit 2014 sei eine Konzentrationsfläche für Windräder im Forst ausgewiesen.

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