Eine Windkraftanlage ragt in den Himmel
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Stürmische Zeiten kündigen sich an: Das Thema Windkraft sorgte für einen heftigen Schlagabtausch im Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn. (Symbolfoto)

Emotionale Debatte um Windrad-Projekt

Indirekter Folter-Vorwurf sorgt für Empörung

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Wenn in einer politischen Debatte in irgendeiner Form die Zeit des Nationalsozialismus bemüht wird, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein hochemotionales Thema handelt. Im Gemeinderat von Höhenkirchen-Siegertsbrunn stand die „Windkraft im Höhenkirchner Forst“ auf der Tagesordnung. Gegner und Befürworter des Projekts lieferten sich dabei einen hitzigen Schlagabtausch – bis letztlich die Brücke zur Nazi-Zeit geschlagen wurde.

Doch der Reihe nach. Da der mit der Standortanalyse betraute Ingenieur den Bau von Windenergieanlagen im Forst für wirtschaftlich und ökologisch vertretbar erachtet, sollte der Gemeinderat nun den nächsten Schritt in die Wege leiten: in Form eines Antrags an den Landkreis München, die Windenergie-Nutzung innerhalb der von der Gemeinde vor Jahren ausgewiesenen Konzentrationsflächen im Landschaftsschutzgebiet „Hofoldinger und Höhenkirchner Forst“ zu prüfen. Damit verbunden soll der Landkreis die Festsetzungen für das Landschaftsschutzgebiet ändern, um dort den Windrad-Bau zu ermöglichen. Doch damit hatte vor allem die CSU-Fraktion so ihre Probleme.

CSU will seismische Untersuchungen abwarten

Man könne den Antrag vielleicht später stellen, aber nicht jetzt, erklärte Leonhard Karl (CSU) mit Verweis auf die noch ausstehenden Ergebnisse von seismischen Untersuchungen zur Geothermie. Die CSU sei „für alles offen“, es brauche aber ein ganzheitliches Konzept. Das erhoffen sich er und Walter Kratschmann (AFW) von den Untersuchungen des Hochschulprofessors Herbert Palm und seiner Studenten, die im Auftrag der Gemeinde einen Energienutzungsplan erarbeiten. Wenn das Windkraftprojekt am Ende überflüssig wäre, „sollten wir es auch nicht machen“, betonte Karl.

Befürworter halten Windkraft für alternativlos

„Für mich ist die Windenergie alternativlos – ob es einem passt oder nicht“, befand Manfred Eberhard (UB) und erinnerte an das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor wenigen Tagen. Auch Britta Werhahn (SPD) sprach sich dafür aus, weitere Schritte einzuleiten: „Es ist eine große Chance. Es geht um eine kostenlose Ressource, die immer da ist.“ Dorothee Stoewahse (Grüne) argumentierte, dass der Strombedarf trotz aller Einsparbemühungen auch in Zukunft steigen werde. Das sah auch Eberhard so. Man brauche alle alternativen Energiequellen, sagte er – und zwar schnell. „Ja, wir müssen Gas geben“, positionierte sich auch Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD).

Infraschall als Nazi-Folterinstrument angeprangert

Roland Spingler (CSU) warnte, dass mit einem positiven Beschluss nicht nur ein Prüfauftrag an den Landkreis ergehe, sondern dieser auch gleich die Festsetzungen für den Windrad-Bau im Landschaftsschutzgebiet ändern solle. Seiner Ansicht nach droht dadurch eine massive Beeinträchtigung des Erholungsgebietes. „Das Risiko steigt doch massiv, dass dann über unsere Köpfe entschieden wird“, ergänzte Mathias Mooz (CSU) – und dozierte Sekunden später über die Gefahr des von Windrädern verursachten Infraschalls für die menschliche Gesundheit. Dabei führte er auch aus, dass die Nazis früher Infraschall zum Foltern verwendet hätten. Den Windkraft-Befürwortern hielt er indirekt vor, Kindern durch den Infraschall „Lebensjahre zu stehlen“.

Den Wortbeitrag Mooz’ bezeichnete Eberhard empört als „harten Tobak“. Aus dessen Ausführungen könnte man schlussfolgern, dass alle Menschen in Norddeutschland – angesichts der Menge an Windrädern dort – gefoltert würden. Konwitschny versprach, dass auch die Infraschall-Belastung genau geprüft werde. Am Ende setzten sich die Windkraft-Befürworter durch: Mit 8:5 Stimmen wurde beschlossen, den entsprechenden Antrag an den Landkreis zu stellen.

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