Mit seinem Kiesgruben-Antrag hat sich Unternehmer Markus Baumgartner in Höhenkirchen-Siegertsbrunn einige Feinde gemacht.
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Mit seinem Kiesgruben-Antrag hat sich Unternehmer Markus Baumgartner in Höhenkirchen-Siegertsbrunn einige Feinde gemacht.

Interview

Kies-Unternehmer: „Die Angst der Bürger ist unbegründet“

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Auf einem Feld will Markus Baumgartner in Höhenkirchen-Siegertsbrunn Kies abbauen. Das gefällt nicht jedem. Im Interview spricht er über sein Projekt und das Verhältnis zur Gemeinde.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Mit seinem Antrag, auf einem Feld am Muna-Gelände Kies abbauen zu wollen, ist Markus Baumgartner für einige Bürger zum Feindbild geworden. Mit Petitionen und Protestaktionen, versuchen seine Gegner, die Kiesgrube zu verhindern. Zudem gehen im Ort zahlreiche Gerüchte über den 38-jährigen Geschäftsführer des Abbruch-Unternehmens AEM Projekt München um. Im Merkur-Interview verrät Baumgartner, was er von den Gerüchten hält und warum er die Vorbehalte der Kiesgruben-Gegner nur zum Teil nachvollziehen kann.

Herr Baumgartner, haben Sie sich den Einstieg ins Kiesgruben-Geschäft einfacher vorgestellt?

Nein, das habe ich nicht. Wer sich ausreichend mit dem Thema beschäftigt, weiß um die Schwierigkeiten und die Hürden, die zu nehmen sind.

Beliebt haben Sie sich jedenfalls mit Ihren Plänen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn nicht wirklich gemacht. Wie fühlt es sich an, von den Kiesgruben-Gegnern als rücksichtsloser Geschäftsmann dargestellt zu werden, der auf Kosten der Lebensqualität anderer Geld machen will?

Auf der einen Seite haben die Bürger natürlich Recht: Ein Unternehmen arbeitet immer gewinnorientiert. Das liegt in der Natur der Sache. Dass einige wenige sich dadurch gestört fühlen, tut mir leid. Andererseits muss man natürlich auch die Sicherung von Arbeitsplätzen, die regionale Versorgung der Betonwerke und Baufirmen wie auch kurze Lieferwege, welche reduzierte Immissionen zur Folge haben, mit in die Waagschale werfen.

Was meinen Sie damit?

Bezahlbarer Wohnraum, an dem es der Region München bekanntlich mangelt, geht mit regionaler Kiesgewinnung und Verfüllung einher. Das müssen sich auch die Gegner von Kiesabbau eingestehen. Im Rückschluss stellt eine ausreichende Zahl an Kiesgruben mit Verfüllung die Versorgung mit Rohstoffen und regionalen Entsorgungsmöglichkeiten sicher, dass überhaupt bezahlbarer Wohnraum in ausreichendem Umfang geschaffen werden kann. Einzelschicksale sind meiner Meinung nach diesem Bedarf unter zu ordnen.

Im Ort gehen viele Gerüchte über Sie und Ihr Projekt um. Welches ärgert Sie am meisten?

Direkt ärgern tut mich keines davon. Wäre ich für solche Dinge empfänglich, sollte ich schnellstens die Branche wechseln. Wenn die Menschen direkt fragen würden anstatt sich selbst und andere durch wilde Vermutungen zu verunsichern, wäre sicherlich alles deutlich einfacher und transparenter.

Unter anderem wird behauptet, Sie seien nur der Strohmann für ein größeres Abriss-Unternehmen aus Oberhaching, das in Höhenkirchen-Siegertsbrunn Fuß fassen will.

Ich weiß, von welchem Unternehmen Sie sprechen, dieses Gerücht ist aber nicht wahr. Wir pflegen mit einigen Firmen in München und Umland Geschäftsbeziehungen, mit den einen engere und mit den anderen weniger enge. In diesem Fall sprechen wir von einem partnerschaftlichen Verhältnis, aber immer noch von zwei unabhängig agierenden Abbruch- bzw. Erdbauunternehmen. Außerdem denke ich, dass sich unsere Unternehmen in den Geschäftsfeldern Abbruch und Erdbau auf Augenhöhe bewegen.

Ihre Vögel-Vergrämungsaktion auf dem Feld hat für Aufregung gesorgt. Ihnen wird vorgeworfen, Sie wollten mit den Absperrbändern Tatsachen schaffen, bevor das Landratsamt grünes Licht für die Kiesgrube gegeben hat.

Für Außenstehende mag das so den Anschein erweckt haben. Die Vergrämungsmaßnahme wurde präventiv erstellt, um Bodenbrüter zu schützen, falls diese sich auf der Kiesgewinnungsfläche angesiedelt hätten und deren Brut- oder Nistzeit bei Beginn der Arbeiten unterbrochen worden wäre. Zu erwähnen ist, dass eine weit größere Fläche in dem Gemeindegebiet als Ausgleichsfläche für diese Maßnahme gestellt wurde.

Können Sie die grundsätzlichen Vorbehalte der Kiesgruben-Gegner nachvollziehen?

Ja und nein. Wie vorher erwähnt, ist der Kiesabbau und dessen Nutzen wie auch die Beeinträchtigungen aus vielen Blickwinkeln zu betrachten, ich bin mir sicher dass die Häuser der Gegner auch irgendwann zu einem erheblichen Anteil mit Kies aus einer Kiesgrube errichtet worden sind. Es ist zu vermuten, dass auch Abbrucharbeiten und Erdbewegungen dem Bau der Häuser vorangegangen sind. Der angefallene Bauschutt und das Aushubmaterial haben sich auch damals nicht in Luft aufgelöst! Wirklich ernst nehmen würde ich Kritik nur von einem Menschen, der ein Gebäude errichtet hat, in dem keine mineralischen Baumaterialien zum Einsatz gekommen sind.

Viele Bürger im Ort haben Angst vor Staub und Lärm, dass Kieslaster durch die Gemeinde fahren, dass Schadstoffe beim Verfüllen in den Boden gelangen und durch die Kiesgrube das Grund- bzw. Trinkwasser gefährdet werden könnte. Welche Ängste können Sie den Bürgern nehmen?

Alleine die wirtschaftliche Orientierung bringt die Vermeidung von Fahrtwegen mit erhöhter Verkehrsdichte und Behinderungen, wie sie in Ortschaften nun mal normal sind mit sich. Daher wird die Durchfahrung von Ortschaften immer versucht zu vermeiden. Da die Verfüllung mit 33,33 Prozent Z1.1 unbedenklichem Bauschutt und 66,66 Prozent Z0 Aushubmaterial erfolgt, welches ebenfalls unbedenklich ist, und der Betrieb strengen externen Kontrollen unterliegt, kann ich die Angst nur als unbegründet betrachten.

Den Anwohner im nahe gelegenen Gewerbegebiet ist vor allem die geplante Zuwegung ein Dorn im Auge. Warum kann man die Trasse nicht über den vorhandenen Feldweg im Süden führen oder zumindest den Weg so nach Süden verlegen, dass ein deutlichem Abstand zur Bebauung entsteht?

Hier würde sich ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko bei der Ein- bzw. Ausfahrt auf die Bundesstraße ergeben, besonders wenn der Mais hoch steht. Ich denke, jeder Verkehrsteilnehmer kennt die Situation, wenn ein großes Fahrzeug aus einem Feldweg mit geringer Geschwindigkeit auf eine Straße abfährt, und die Gefährdung, die damit zwangsläufig einher geht.

Sie haben einiges investiert, um in Siegertsbrunn Kies abbauen zu können. Warum haben Sie als Abbruch-Unternehmen ein solches Interesse an diesem für Sie neuen Geschäftsfeld?

Der Vorteil liegt natürlich in dem Verfüllraum, der bei der Auskiesung entsteht. Es werden aber sicherlich auch wieder Zeiten kommen, in denen die Bauwirtschaft nicht mehr so brummt wie in den letzten Jahren. Da steht man einfach besser auf zwei Beinen.

In einer fraktionsübergreifenden Erklärung hat der Gemeinderat kürzlich seine ablehnende Haltung zur ihrem Projekt bekräftigt. Hat Sie dieser Schritt überrascht?

Nein hat es nicht.

Fühlen Sie sich von der Gemeinde fair behandelt?

Im Großen und Ganzen ja. Jeder vertritt seine Interessen so gut wie nur möglich, was völlig legitim ist. Der Gemeinderat ist aktiv für seine Bürger, dafür wurde er gewählt, und das ist aus meiner Sicht auch richtig so. Einzig verwundert mich, dass ein paar wenigen soviel Gehör geschenkt wird, die Petition „Hösi steht auf“ hat aktuell 320 Unterstützer aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn, was bei einer Einwohnerzahl von circa 11 000 Menschen einem Prozentsatz von 2,91 entspricht.

Morgen will der Gemeinderat darüber entscheiden, ob man die Zusammenarbeit in Form eines städtebaulichem Vertrags oder die Konfrontation mit Ihnen sucht und die Ausweisung von Konzentrationsflächen für Kiesabbau vorbereitet. Bereitet Ihnen das schlaflose Nächte?

So würde ich das nicht ausdrücken. Natürlich wäre es schön, einen Weg zu finden, mit dem die Gemeinde und mein Unternehmen partnerschaftlich miteinander auskommen können. Ich denke, wenn jeder etwas auf den anderen zu geht, kommt immer das beste Ergebnis in einer Demokratie zustande. Sollte das aber nicht der Fall sein, muss man das so akzeptieren und wir haben klare Fronten.

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