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Bequemes Elterntaxi. Die Mitglieder des Ausschusses sind sich einig, dass den Kindern der Weg zur Schule zu Fuß zuzumuten ist.

Eltern-Fahr-Service verstopft Bahnhofstraße 

"Kinder können zu Fuß gehen"

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Zahlreiche Schulkinder werden mit dem Auto zur Schule gebracht. Durch den Fahrservice der Eltern wird die Bahnhofstraße im schon dichten Berufsverkehr morgens zusätzlich belastet. Einen Ortsbus soll es trotzdem nicht geben.

Der Verkehr steht – oder rollt bestenfalls im Schneckentempo. Dieses Problem ist den Eltern bewusst. Stellvertretend für viele Familien ging deshalb eine Mutter auf Gemeinderätin Andrea Hanisch (CSU) zu und bat sie, im Gemeinderat nachzufragen, ob es sinnvoll sei, einen Ortsbus einzusetzen.

Dieser Vorschlag, den Hanisch nun an ihre Kollegen weitergab, stieß im Hauptverwaltungsausschuss auf wenig Begeisterung. Solch ein Bus löse das Problem nicht. Er müsste an mehreren Stellen halten und stehe ebenso im Stau wie jeder Pkw, hieß es im Gremium. „Die Kinder können zu Fuß gehen“, sagte Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) entschieden – und sprach damit allen Räten aus der Seele. Hanisch entgegnete nüchtern: „Sie tun es aber nicht.“

Auf Nachfrage sprach Hanisch eine Entwicklung an, die sie für bedenklich hält. Sie habe den Eindruck, „dass noch vor 20 Jahren die Eltern ihren Kindern sehr viel mehr zugetraut haben. Es war selbstverständlich, dass ein Kind bis zur Einschulung gelernt hatte, mit ausreichend Selbstbewusstsein als Fußgänger oder Fahrradfahrer am Verkehrsgeschehen teilzunehmen.“

Die Ausschuss-Mitglieder waren einhellig der Meinung, dass es Schülern zumutbar wäre, die Strecke zur Sigoho-Marchwart- oder Erich-Kästner-Schule zu Fuß zu bewältigen. „Kinder verlernen, mit dem Straßenverkehr umzugehen“, warnte die Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD). Sie hat selbst schulpflichtige Kinder und machte mit ihnen einen Selbstversuch: Sie liefen zu Fuß zur Schule, zeitgleich fuhr Konwitschny mit dem Auto los. „Sie haben mich überholt und waren viel früher da als ich“, sagt die SPD-Gemeinderätin. „Fahrradwege wären die Lösung“, meinte Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne). Hanisch schlug vor, dass die Gemeinde als Anreiz kleine Preise fürs Laufen verschenken könnte, etwa einen Eis-Gutschein. Vielleicht, überlegte Clive Flynn (CSU), könne man mit den Schulleitungen in Kontakt treten und ein Projekt ins Leben rufen, dass fürs Zu-Fuß-Gehen wirbt. Außerdem schlug er vor, „auch Ärzte durch die Kindergärten und Schulen zu schicken, die Kinder über die Themen Übergewicht und Diabetes mellitus aufklären". Veronika Jordan

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