In der Warteschleife: Der erste Abschnitt der Kiesgrube ist durch die Flatterbänder schon erkennbar. Die Bänder sollen verhindern, dass Vögel am Boden brüten und das Projekt gefährden. Der Bauausschuss hat der Kiesgewinnung am Muna-Gelände aber erneut eine Absage erteilt.
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In der Warteschleife: Der erste Abschnitt der Kiesgrube ist durch die Flatterbänder schon erkennbar. Die Bänder sollen verhindern, dass Vögel am Boden brüten und das Projekt gefährden. Der Bauausschuss hat der Kiesgewinnung am Muna-Gelände aber erneut eine Absage erteilt.

Erschließung zwar kein Hindernis mehr für Projekt – Bauausschuss lehnt es trotzdem ab

Klares Votum gegen die Kiesgrube

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Der Bau- und Liegenschaftsausschuss der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat sich klar gegen das geplante Kiesabbau-Projekt auf einer landwirtschaftlichen Fläche in Siegertsbrunn, nahe des Muna-Geländes, positioniert. Bei einer erneuten Abstimmung über den Antrag zur Abgrabungsgenehmigung votierten bis auf Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) sämtliche Ausschussmitglieder dagegen, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Wie berichtet, hatte der Gemeinderat den Antrag des Unternehmers, der auf dem Gelände Kies gewinnen will, bereits im vergangenen Jahr mit dem Verweis auf die unzureichende Erschließung des Abbaugeländes abgelehnt. Vor wenigen Wochen nun hat der Antragsteller aber eine veränderte Version seines Antrags bei der Gemeinde eingereicht. Deshalb müssen die zuständigen Gremien noch einmal über das Vorhaben beschließen.

Geplante Zufahrt verlegt

Wie Bauamtsleiterin Tanja Englbrecht in der Sitzung ausführte, hat der Unternehmer die Zu- und Abfahrtstrasse zur Kiesgrube mittlerweile so geplant, dass die Erschließung aus Sicht der Gemeindeverwaltung keinen Hinderungsgrund mehr darstellt. So soll die Kiesgrube nun nicht mehr über den Schnepfenluckenweg, sondern über den nördlichen Teil der angrenzenden Fläche erschlossen werden. Von der Hohenbrunner Straße aus soll die Zufahrt über eine Rampe in den Nordbereich der Grube erfolgen. Um eine Verschmutzung der Straße zu vermeiden, werde im Einfahrtsbereich der Grube eine Reifenwaschanlage errichtet und die Straße geteert, heißt es. Um Gegenverkehr zu ermöglichen, soll die Zufahrt mit einer Breite von sechs Metern hergestellt werden, zuzüglich eines Blühstreifens von drei Meter Breite. „Der Ablehnungsgrund fällt damit weg“, betonte Konwitschny.

Naturschutzrechtliche Bedenken

Aus Sicht der Gemeindeverwaltung gibt es aber durchaus naturschutzrechtliche Gründe, die Kiesgrube abzulehnen. Dafür sei aber – ebenso wie für die wasserschutzrechtliche Prüfung – das Landratsamt zuständig, wie die Bürgermeisterin betonte. „Wir können nur sagen: Leute, schaut da genau hin.“ Genau hinzuschauen forderte auch Norbert Mayer (UB): „Die naturschutzrechtliche Prüfung ist nicht so abgelaufen, wie es nach der Vorschrift sein müsste“, stellte er fest. Auch das Thema Wasserschutz müsste gründlicher untersucht werden. Gleichzeitig wiederholte er die Forderung seiner Fraktion an die Gemeindeverwaltung, einen Teilflächennutzungsplan für die Ausweisung von Kiesabbau-Konzentrationsflächen im Ort aufzustellen.

Kritik am Landratsamt

Roland Spingler (CSU) bemängelte in erster Linie die artenschutzrechtliche Prüfung des Vorhabens: „Hier muss nachgebessert werden.“ Außerdem laufe die Kiesgrube völlig der vorgesehenen Entwicklung der Gemeinde entgegen. Er kritisierte ebenso wie Rupert Franke (SPD), dass das Landratsamt nach wie vor an den Vergrämungsmaßnahmen von Bodenbrütern wie Lerchen durch den Antragsteller an der geplanten Kiesabbaufläche festhält. „Der Tierschutz wird hier viel zu wenig berücksichtigt“, so Spingler. Ins gleiche Horn blies Gudrun Hackl-Stoll (Grüne). Angesichts der Tatsache, dass es an besagter Stelle bereits Brutpaare geben soll, sei es „unverständlich, dass die Untere Naturschutzbehörde dem Vogelschutz so wenig Rechnung trägt“.

Angesichts so vieler Vorbehalte der Ausschussmitglieder gegen die Kiesgrube hätte es der Ermunterung von Konwitschny, ruhig gegen das Projekt zu stimmen, gar nicht mehr bedurft. Sie verwies darauf, dass die Gemeindeverwaltung, um sich rechtlich abzusichern und weil es aus planungsrechtlicher Sicht einfach keinen Ablehnungsgrund mehr gibt, empfehlen wird, das gemeindliche Einvernehmen zum Antrag herzustellen. „Sie schaden der Gemeinde nicht, wenn Sie dem nicht zustimmen“, sagte Konwitschny vor der Abstimmung zu den Ausschussmitgliedern. So passierte es dann auch. Lediglich die Rathauschefin selbst stimmte mit „Ja“. Ihre Begründung: Sie vertrete mit ihrer Stimme ja die Verwaltung.

Das Ehepaar Luibl dürfte über das Votum erleichtert sein. Es wohnt direkt neben der geplanten Kiesgruben-Zufahrt. Der Unternehmer wiederum verteidigt sein Projekt.

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