+
Leben und Tod nahe beisammen: Links im Bild ist die Aussegnungshalle. Rechts daneben der Krautgarten, der für das erhoffte Naturbad möglicherweise weichen müsste.

Kommt das Naturbad am Friedhof? - Höhenkirchen diskutiert neuen Standort

  • schließen

Der Vorschlag, das geplante Naturbad für Höhenkirchen-Siegertsbrunn nahe dem Friedhof zu bauen, stößt in der Gemeinde auf vorsichtiges Wohlwollen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – „Wir müssen das jetzt anpacken“, sagt Ingrid Sepp energisch, „wir brauchen das Ding.“ Die ehemalige Gemeinderätin steht zusammen mit ihren Vorstandskollegen vom Naturbad-Verein, Angela Mayr und Jochen Kahl, mitten auf der Wiese westlich der Miesbacher Straße und südlich des Neugrundwegs und lässt ihren Blick prüfend übers Gelände schweifen, das als möglicher Schwimmbad-Standort plötzlich in den Fokus gerückt ist.

Die Bürger können es kaum erwarten

Vor sich, in Richtung Neugrundweg, sieht Sepp Sonnenblumen, die ein umzäuntes Areal überragen: die Krautgartenanlage von Höhenkirchen. Ein paar Meter weiter links, verdeckt von Bäumen und Büschen, liegt die Aussegnungshalle des Waldfriedhofs. Hinter Sepp, in Richtung Wald, stehen die Bauwagen des Waldkindergartens. Noch ist es schwer vorstellbar, dass sich auf diesem Grundstück der Gemeinde einmal Badegäste tummeln – in dem von Sepp gerade bezeichneten „Ding“, einem Naturbad, für das der Verein mit seinen mittlerweile 1600 Mitgliedern seit seiner Gründung vor gut siebeneinhalb Jahren kämpft. Entsprechend Druck gibt es inzwischen aus der Bevölkerung, betonen Sepp und Kahl. „Die Leute drängen darauf, dass das Bad endlich kommt.“

Dem Alternativ-Standort nicht abgeneigt: Die Naturbad-Vereinsvorstände (v.li.) Ingrid Sepp, Jochen Kahl und Angela Mayr.

Noch im September soll eine Entscheidung fallen

In der Gemeinderatssitzung am 26. September, so wünschen es sich zumindest Sepp und ihre Mitstreiter, sollen die Ortspolitiker nun die Weichen für die Freizeitanlage stellen. Sprich: den Entschluss fassen, dass und wo das Naturbad gebaut wird. Die vergangenen Jahre haben sich die Anstrengungen des Vereins hauptsächlich auf das von der Gemeinde zuletzt angebotene Grundstück am Hirschwinkel konzentriert. Ein 2,8 Hektar großes, brachliegendes Areal neben der Flüchtlingsunterkunft an der Ottobrunner Straße, das die Kommune als Biotop ausgewiesen hat. Doch in der Erde schlummern Gefahren, wie ein Gutachten zeigt: In der ehemaligen Kiesgrube wurde mit Schadstoffen belastetes Material entdeckt. Das macht den Bau des Naturbades dort kompliziert – und auf jeden Fall teurer. Von den Schadstoffen ist bisher wohl nichts ins Grundwasser gedrungen. Deshalb haben Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) und einige Gemeinderäte Bedenken, in den sensiblen Bereich einzugreifen. „Das ist mir zu riskant“, sagt die im kommenden Jahr scheidende Rathauschefin.

Favorit ist weiter ein anderer Standort

Da kommt der Vorschlag von CSU-Bürgermeisterkandidat Roland Spingler gerade recht, der zwar ein Naturbad im Ort unterstützt, sich aber aufgrund der Altlasten gegen den Standort Hirschwinkel ausspricht. Er kann sich das Bad auf dem Gemeindegrundstück an der Miesbacher Straße vorstellen – auch wenn es bisher als Erweiterungsfläche für den benachbarten Waldfriedhof vorgesehen ist.

Das sieht Sepp allerdings nicht als Hinderungsgrund. „Im Waldfriedhof sind noch zahlreiche Flächen leer“, sagt sie. Auch der Trend hin zum platzsparenden Urnengrab spielt dem Verein in die Karten. Grundsätzlich könnten sich die Naturbad-Freunde durchaus vorstellen, an der Miesbacher Straße das Bad zu errichten. Auch wenn sie den Standort Hirschwinkel – unter anderem aufgrund der idyllischen Lage, des üppigen Baumbestands und der Nähe zu anderen Freizeitstätten – weiter favorisieren. Zwar ist die Fläche an der Miesbacher Straße kleiner als das Biotop am Hirschwinkel. „Wir sollten hier aber alles unterbekommen“, meint Kahl.

Der Krautgarten müsste vielleicht weichen

Möglicherweise müsste dafür nicht einmal die Krautgartenanlage weichen. Platz fürs Becken, die Liegewiese, die Nebengebäude und einen großen Fahrradabstellplatz ist nach Ansicht der Naturbad-Freunde auf jeden Fall auf der Fläche zwischen Friedhof, Waldkindergarten und Krautgarten. Mit dem Krautgartenareal sei sogar noch ein Beachvolleyball-Platz drin, meint Kahl: „Aber man muss ja nicht von vornherein alles wollen. Und wir wollen auch keinen vor den Kopf stoßen.“

Eine Gefahr für die Kindergarten-Kinder sehen die Naturbad-Freunde nicht. Das Bad müsse sowieso aus Sicherheitsgründen umzäunt werden, sagen sie. Auch die Nähe zum Friedhof halten sie nicht für ein Problem. „Den Toten tut’s nicht weh“, ist sich Kahl, angesprochen auf den möglichen Lärm der Badegäste, sicher. Natürlich müsse man bei Beerdigungen Rücksicht nehmen. „Da weisen wir dann eben rechtzeitig per Aushang daraufhin, dass es ruhig zugehen muss“, schlägt er vor. „In Siegertsbrunn funktioniert’s doch auch“, ergänzt Sepp und verweist auf die direkte Nachbarschaft zwischen Friedhof, Stockschützenbahn und den Tennisplätzen. „Wenn dort eine Beerdigung ist, wird eben nicht gespielt.“

„Leben und Sterben gehört nun einmal gleichberechtigt nebeneinander“

Ein ähnliches Prozedere kann sich Rathauschefin Mayer vorstellen, sollte das Bad neben den Waldfriedhof kommen. Ein munteres Treiben im Schwimmbad und die andächtige Atmosphäre auf dem Friedhof sind für sie kein Widerspruch. „Leben und Sterben gehört nun einmal gleichberechtigt nebeneinander“, sagt sie.

Doch bisher habe ihr Parteifreund Spingler noch keinen Antrag gestellt, damit sich die Gemeindeverwaltung mit dem Naturbad-Standort an der Miesbacher Straße näher beschäftigen kann. Deshalb will sich die Bürgermeisterin auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. „Ich kann mir das Naturbad dort vorstellen“, sagt sie nur und gibt Sepp in der Einschätzung recht, dass die Gemeinde das Areal aufgrund der sich verändernden Bestattungsvorlieben der Bürger nicht unbedingt als Erweiterungsfläche für den Friedhof vorhalten muss.

Die Naturbad-Freunde wiederum wollen eine weitere Verzögerung nicht in Kauf nehmen. Nach Sepps Ansicht ist jetzt der letzte Zeitpunkt, um den Durchbruch zu erzielen – auch wegen der bevorstehenden Kommunalwahl. Nicht nur, dass im Wahlkampf möglicherweise der eine oder andere Politiker dem Projekt aufgeschlossener gegenüber steht als sonst. Sepp verweist auch auf die veränderten Bedingungen nach der Wahl: „Jetzt sitzen viele Erfahrene im Gemeinderat.“ Nach der Wahl, so ihre Befürchtung, gebe es viele Neue, die baurechtlich wenig oder gar keine Ahnung haben. „Dann müssten wir wieder bei Null anfangen.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bürgerhaus: Stadträte treiben Sanierung voran - doch diese Bedenken bleiben
Das Foyer des Unterschleißheimer Bürgerhauses muss dringend saniert werden. Es läuft auf eine Minimallösung heraus. Doch mit der können sich nicht alle Stadträte prompt …
Bürgerhaus: Stadträte treiben Sanierung voran - doch diese Bedenken bleiben
Die Hilfe kam zu spät: Münchner Mountainbiker stirbt nach Sturz an Isar - Spaziergänger fanden ihn schwerverletzt
Ein Münchner Mountainbiker ist auf der sogenannten „Isartrail Grünwaldrunde“ gestürzt. Spaziergänger fanden ihn, doch er verstarb.
Die Hilfe kam zu spät: Münchner Mountainbiker stirbt nach Sturz an Isar - Spaziergänger fanden ihn schwerverletzt
Ampel fällt aus: Honda und Mercedes bauen schweren Unfall
Eine  ausgefallene Ampel bedeutet nicht automatisch freie Fahrt. Für zwei Autofahrer bei Unterschleißheim ging diese Erkenntnis mit einem schmerzhaften und teuren Unfall …
Ampel fällt aus: Honda und Mercedes bauen schweren Unfall
Taufkirchens Grüne: Gute Listenplätze für die Neuen
Mit vielen neuen Gesichtern und einem einstimmig gewählten Kandidaten fürs Bürgermeisteramt starten die Grünen in Taufkirchen in den Kommunalwahlkampf.
Taufkirchens Grüne: Gute Listenplätze für die Neuen

Kommentare