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Ist dort Platz für zwei Kinderbetreuungseinrichtungen? Die Zwergerlstube ist bereits in das Wohnhaus der Gemeinde am Hart 6 gezogen. Jetzt soll dort auch noch eine Großtagespflege eröffnet werden.

Privater Betreiber packt an

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Neue Großtagespflege sorgt für Hoffnung und Verstimmung

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Ein Angebot einer Privatinitiative soll die Platznot in der Kinderbetreuung der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn lindern. Doch es gibt auch Kritik.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Der Fachkräftemangel bei der Kinderbetreuung trifft Höhenkirchen-Siegertsbrunn derzeit besonders hart. Weil vor allem Erzieherinnen und Erzieher fehlen, können derzeit 90 Betreuungsplätze, die eigentlich in der Gemeinde vorhanden wären, laut Rathaus-Geschäftsleiterin Ruth Sander nicht vergeben werden. Da kommt das Angebot der Privatinitiative Kindertraum, die eine Großtagespflege (GTP) mit zwei Gruppen in der Siedlung „Am Hart“ eröffnen will, gerade recht. Der Hauptverwaltungsausschuss hat sich jetzt einstimmig dafür ausgesprochen, der Initiative Wohnungen in einem Haus der Gemeinde Am Hart 6 für die Eröffnung der GTP zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung ist, dass alle Formalitäten erledigt werden und sich die Initiative vor allem wegen der Gartennutzung mit der Elterninitiative Zwergerlstube abspricht. Denn die „Zwergerl“ sind mit ihren Betreuungsangeboten erst vor wenigen Wochen in das Haus gezogen.

Privatinitiative plant zwei Ganztagesgruppen

Die Initiatoren der Großtagespflege, Bernadette Büttner und Günther Bauer, stellten im Ausschuss ihr Projekt vor. Büttner, die in Brunnthal nach eigenen Angaben bereits vier GTP aufgebaut hat, will mit den zwei GTP-Gruppen in Siegertsbrunn im März 2020 starten. In den beiden Gruppen könnten je acht Kinder vorzugsweise im Krippen- und Kindergartenalter von insgesamt vier Tagesmüttern betreut werden. „Wir würden die ersten Kinder, die bei Ihnen auf der Warteliste stehen, nehmen“, stellte Büttner in Aussicht, die die Einrichtung leiten wird und im Bedarfsfall selbst als Tagesmutter einspringen will. Betrieben würde die GTP vom Verein Kindertraum, der laut Bauer allerdings noch gegründet werden muss. Die Finanzierung erfolgt durch Fördermittel des Landratsamtes und durch die Elternbeiträge. Die Gemeinde müsste nur die Wohnungen zur Verfügung stellen und für die Nebenkosten sowie Sachkosten wie Küchen und weiteres Mobiliar aufkommen.

Weil das in die Jahre gekommene und zuletzt leer stehende Wohnhaus mittelfristig einem Neubau weichen soll, werde man laut Sander einen befristeten Mietvertrag abschließen. Manfred Eberhard (UB) erinnerte daran, dass das Haus möglicherweise schon in zwei Jahren abgerissen werden könnte. Ob der Verein wisse, auf was er sich da einlasse, wollte er wissen. „Das ist für uns schon sehr knapp“, meinte Bauer. Er und Büttner hoffen auf ein längerfristiges Engagement.

Auch Herbert Reisnecker (SPD) hatte Bedenken wegen des drohenden Abrisses. Der Zwergerlstube habe man mit der dann sanierten Alten Apotheke in Siegertsbrunn bereits einen Alternativstandort in Aussicht gestellt. Dass sei bei der GTP nicht der Fall. „Wir haben tatsächlich derzeit keine anderen Räume frei“, gab Sander zu. Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich mittelfristig auf dem Ruf-Gelände oder anderswo ein Alternativstandort für die GTP-Gruppen finden lasse.

Kritik an fehlender Einbindung der Zwergerlstube

Priska Weber (SPD), die auch Ortsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist, bemängelte, dass die Gemeinde die örtlichen Einrichtungen bezüglich der Eröffnung einer GTP übergangen hätte. So habe auch die Zwergerlstube, die mittlerweile unter dem Dach der AWO arbeitet, Interesse daran gehabt, weitere Gruppen zu eröffnen. „Ich finde es fatal, dass nicht mit den anderen Einrichtungen gesprochen worden ist“, sagte sie. Ein Umstand, den auch Zwergerlstuben-Leiterin Britta Werhahn bedauerte. „Von der Gemeinde ist keine Initiative ausgegangen“, wehrte sich Sander. Dies bestätigte Büttner. Man sei an die Gemeinde herangetreten, weil man um den Betreuungsnotstand in Höhenkirchen-Siegertsbrunn wusste und die Tagesmütter an der Hand hätte.

Vor einem endgültigen Votum für die GTP gilt es aus Sicht des Ausschusses jetzt noch die Stellplatzfrage und das Problem der Gartennutzung zu klären. Denn Parkplätze sind in der Wohnsiedlung „Am Hart“ rar. Und den Garten können die GTP-Gruppen und die Kinder der Zwergerlstube nicht zur gleichen Zeit nutzen. So sehen es die gesetzlichen Vorgaben vor. Eberhard betonte, ein „Kleinkrieg“ zwischen den Einrichtungen müsse unbedingt vermieden werden. Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) will prüfen lassen, ob den Zwergerl die Gartennutzung vertraglich zugesichert ist. Im Notfall müsse man mit allen Beteiligten eine Einigung finden und den Vertrag neu machen.

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