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Bis zum 50-jährigen Jubiläum wollen sie auf jeden Fa ll noch weitermachen: Peter und Maria Fischer. 

Egal, ob Regen oder Sturm: Sie tragen seit 40 Jahren den Merkur aus 

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Peter und Maria Fischer aus Siegertsbrunn tragen seit über 40 Jahren den Münchner Merkur  und die tz aus. Dafür stehen sie beinahe täglich um 2.30 Uhr auf. Damit die Leser pünktlich ihre Zeitung im Briefkasten haben. 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn\Putzbrunn – Am frühen Morgen, es ist stockdunkel und die allermeisten Höhenkirchner und Siegertsbrunner liegen noch in ihren Betten und schlafen tief, tritt Peter Fischer kräftig in die Pedale. Er muss ordentlich etwas schleppen auf seinem Fahrrad. In seiner Tasche stapeln sich dutzende Zeitungen: darunter auch der Münchner Merkur, die tz, FAZ und Welt. Seit mittlerweile 40 Jahren ist der 68-jährige Siegertsbrunner Zeitungsausträger, steht fast täglich um 2.30 Uhr auf, damit die Abonnenten am Morgen, wenn sie zu ihren Briefkästen gehen, auch ihre Zeitungen in den Händen halten können. Egal ob es regnet, stürmt oder schneit.

Dafür wird er demnächst geehrt. Seine Frau Maria hat die Auszeichnung für 40 Jahre Trägerdienst bereits erhalten. Die 64-Jährige hat im Alter von 20 Jahren mit dem Zeitungsaustragen begonnen und bringt es mit einigen Unterbrechungen auf mittlerweile 42 Dienstjahre. Mitten in der Nacht zu arbeiten, hat sie in all den Jahren nie gestört. „Ich bin eine Frühaufsteherin, sonst kann man das nicht machen“, sagt sie.

Nach dem Austragen zur Arbeit

Peter Fischer hat mit 28 Jahren das erste Mal Zeitungen ausgetragen. Damals war seine Frau krank, da war es für ihn selbstverständlich, auszuhelfen. „Und dann bin ich dabei geblieben.“ Trotz seiner richtigen Arbeit, der der gebürtige Siegertsbrunner bis zu seiner Rente nachging. „Wenn ich zurückkam, hat meine Frau Kaffee hergerichtet – und dann bin ich zur Arbeit gegangen“, erzählt der 68-Jährige, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

Wenn Peter Fischer um 2.30 Uhr mit seiner Tour startet und die Zeitungen am Rathaus abholt, steht seine Frau auf und macht sich fertig. Sie ist mittlerweile immer öfter mit dem Auto statt mit dem Fahrrad unterwegs. Zum Beispiel, wenn es recht glatt ist oder zu stark regnet. „Ich habe die Kraft einfach nicht mehr“, sagt sie. Zusammen tragen beide im Ortsteil Höhenkirchen rund 450 Zeitungen aus. Bis spätestens 5.30 Uhr sind beide wieder zuhause - wenn alles gut geht. Denn wenn es einen technischen Defekt in einer Druckerei gibt oder ein wichtiges Fußballspiel spät abends ist und deshalb später gedruckt wird, dann heißt es auch für die beiden: nachsitzen.

Besondere Erlebnisse

Aber auch besondere Begegnungen können die Routine durcheinanderbringen. Einmal, im Winter, habe er gerade seine Zeitungen aufgeladen, als plötzlich eine Person hinter ihm gestanden sei, erzählt Peter Fischer. „Ich bin gleich so erschrocken.“ Als er sich umdreht, erblickt er einen Mann mit asiatischem Aussehen – im Schlafanzug, mit Morgenmantel und Pantoffeln. Weil Peter Fischer den Mann nicht versteht und nicht weiß, wie er ihm helfen kann, verständigt er die Polizei. Wie sich herausstellte, war der verwirrte Mann aus dem Krankenhaus Harlaching in München weggelaufen und durch den Landkreis geirrt. „Er war schon völlig unterzuckert und unterkühlt“, erinnert sich Peter Fischer. Ein anderes Mal hat er einen Betrunkenen, der in einer Grube an der Bahnhofstraße mitten im Winter seinen Rausch ausschlief, aufgelesen und nach Hause gebracht.

Auch Maria Fischer kann mit kuriosen Geschichten aufwarten. In Erinnerung geblieben ist ihr zum Beispiel die Nacht, als sie bei einer Tour aus den Augenwinkeln etwas aus einem Auto fliegen sah. Das nahm sie zumindest an. „Ich dachte erst, jemand hätte seinen Müll aus dem Autofenster geworfen“, erzählt sie. In Wirklichkeit hatte das Fahrzeug eine Katze angefahren. Das Tier war dabei durch die Luft geschleudert worden. Maria Fischer zögerte nicht lange, packte die verletzte Katze bei strömenden Regen zunächst in die Zeitungstasche, dann ins Auto, und fuhr sofort nach der Tour in die Tierklinik. Ihr Einsatz machte sich bezahlt: „Die Katze hat noch fünf, sechs Jahre gelebt, die Besitzerin mir zum Dank einen Blumenstrauß und einen Sekt gebracht“, erinnert sich die 64-Jährige. Auch einen Igel, der auf Futtersuche in einen Müllsack gekrabbelt ist und in einer Blechdose feststeckte, hat sie eines Nachts gerettet.

Ein anderes Mal ist sie an einem Haus vorbeigefahren und hat eine Frau vor Schmerzen schreien gehört. „Erst habe ich gedacht, diejenige sei krank, doch in dem Moment, als der Notarzt rückwärts in die Einfahrt rangieren will, hat man ein Baby im Bad schreien gehört. Dann wusste ich, was Sache ist.“

Die Fischers lieben ihre Zeitung

Doch egal, was die Fischers auf ihrer Tour auch erleben, oberste Priorität hat für sie, dass sie ihre Zeitung pünktlich ausliefern. „Man muss gewissenhaft sein, betont Maria Fischer. Die treue tz-Leserin, ihr Mann liest den Münchner Merkur, mag selbst ihre Zeitung in der Früh haben. „Da sollen doch die anderen auch ihre Zeitung lesen können.“

Bei Krankheit helfen die Kinder aus

Die beiden fühlen sich den Abonnenten sogar so verpflichtet, dass, wenn sie plötzlich krank werden und es pressiert, hin und wieder auch zwei ihrer vier Kinder zum Austragen einspannen. Gerade Tochter Miriam Schultz, die in Putzbrunn wohnt, kann ein Lied davon singen. „Wenn in der Früh das Telefon läutet...“, sagt Maria Fischer. „... dann weiß ich genau, jetzt muss ich fahren“, ergänzt ihre Tochter.

Einmal war der Mutter extrem schwindlig, erinnert sich Miriam Schultz an einen ihrer Notdienste. „Weil das Fahrtenbuch nicht zur Hand war, ist meine Mutter einfach liegend im Auto mitgefahren“, erzählt die Tochter. „Ich habe ihr die Straße gesagt, wo wir gerade sind. Meine Mutter hat dann auswendig aufgezählt: Hausnummer 8 Merkur, 10 tz und so weiter.“

Größter Wunsch: ein Elektroradl

Auch wenn die Wehwehchen im Alter zunehmen, ans Aufhören denken Maria und Peter Fischer noch lange nicht. „Wenn wir Zeitung ausfahr’n, dann geht’s uns gut“, sagen die beiden voller Überzeugung. „Ich fahre einfach gern“, erklärt Peter Fischer: Und seine Frau ergänzt: „Am schönsten ist es nach dem Winter, wenn im Frühling die Vögel wieder zu zwitschern beginnen.“ Deshalb hofft sie, noch lange weiterfahren zu können. „Bis zum 50-Jährigen würde ich schon noch gerne weitermachen“, sagt sie.

Einen großen Wunsch hat Peter Fischer aber noch: „Ich bräuchte ein Fahrrad mit einem besseren Ständer, damit es mit den schweren Zeitungen nicht so leicht umfällt.“ Erst kürzlich hat er sich ein altes Postrad besorgt, ist aber mit dem schweren Gefährt nicht zurechtkommen. „Ein absoluter Traum für mich wäre“, sagt Peter Fischer leise, „ein Elektroradl.“

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