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Bekommt das Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine Realschule als Nachbarn? Landrat Christoph Göbel hat jetzt mit dem Gemeinderat über die umstrittene Standortfrage diskutiert. 

Entschärft ein Bahntunnel die Verkehrsprobleme?

Realschul-Dilemma: Landrat muss nachsitzen

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Ob man die Debatte um den Realschul-Standort neu eröffnet, entscheidet der Gemeinderat erst im September. Landrat Christoph Göbel stand jetzt schon mal Rede und Antwort.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Eine Stunde lang war für die Fragestunde mit dem Landrat angesetzt. Am Ende löcherten die Gemeinderäte Christoph Göbel (CSU) fast doppelt so lang, erörterten mit ihm, welche Vor- und Nachteile der vom Zweckverband favorisierte Schulcampus am Bahnhof beziehungsweise der vom Gemeinderat gewünschte Standort an der Brunnthaler Straße hat. Und was der Landrat – möglicherweise im Gegenzug für ein Einlenken der Gemeinde bei der Standortfrage – für die Verkehrsproblematik in der Bahnhofstraße tun kann.

Eines machte Göbel klar: Er will und kann nicht einfach das Füllhorn ausschütten und Millionen für einen höhenfreien Ausbau am Kreuzungspunkt Bahnlinie/Bahnhofstraße in Aussicht stellen. „Ich habe auch nicht gesagt, dass der Landkreis bereit wäre, das zu bezahlen“, antwortete er auf eine Frage von Andrea Hanisch (UB). Die hatte sich vergangenes Jahr gegen den Realschulstandort am Bahnhof ausgesprochen. Mit ein Grund: die Verkehrsbelastung auf der Bahnhofstraße.

Schranke muss weg

Dort sieht auch Göbel Handlungsbedarf. „Die Schrankenlösung hat keine Zukunft“, sagte er. Denn mit dem seit langem geforderten zweigleisigen Ausbau der S-Bahnstrecke samt Takterhöhung und Aufwertung zur Regionalzug-Strecke werde das Verkehrsaufkommen steigen – inklusive rekordverdächtiger Schließzeiten an der Schranke: „Die ist dann möglicherweise in der Stunde länger geschlossen als offen.“ Doch wie das Problem lösen? Diese Antwort blieb der Landrat schuldig, auch wenn er Lösungsmöglichkeiten wie die Tieferlegung der Bahnhofstraße oder die Absenkung der Gleise aufzählte. Ersteres ist aus seiner Sicht zwar technisch möglich, aber nicht unbedingt „der Weisheit letzter Schluss“, letzteres extrem teuer, aufwändig und erfordert einen langen Atem.

Roland Spingler (CSU) lehnte die Tieferlegung der Kreisstraße ab. Man wolle dort eine neue, attraktive Ortsmitte schaffen. Eine Unterführung bedeutet für ihn das Gegenteil: „Dann hätten wir keine Zweiteilung mehr, sondern eine Vierteilung des Ortes.“

„Das gehört zur ehrlichen Debatte über den Standort dazu“

Man müsse bei dieser Frage mutig denken, meinte Göbel und brachte statt einer bloßen Unterführung gar eine Tunnel-Lösung für die Bahnhofstraße ins Spiel. Diese eröffne dann neue Flächen, die das neue Ortszentrum nicht nur attraktiver machen könnten, sondern die man auch verwerten könne. Manfred Eberhard (UB) schließlich warnte davor, dass eine Bahnhofstraße ohne Bahnschranke sogar mehr Verkehr anziehen könnte, und brachte als flankierende Maßnahmen den Bau von Ortsumfahrungen ins Spiel.

Ähnlich kompliziert wie der Ausweg aus dem Verkehrsdilemma dürfte auch der Weg zur Realschule werden. Er wisse wohl, dass der Standort am Bahnhof neben dem Gymnasium auch Nachteile hat, so Göbel: „Das gehört zur ehrlichen Debatte über den Standort dazu.“

Kosten spielen Rolle

Für ihn überwiegen aber die Vorteile der Campuslösung: die Synergieeffekte durch den gleichzeitig notwendigen Ausbau des Gymnasiums, die Nähe zum Bahnhof, der geringere Flächenverbrauch und – natürlich – die deutlich geringeren Kosten von 103 Millionen Euro gegenüber den prognostizierten über 125 Millionen Euro beim Standort neben der Erich-Kästner-Schule.

Bürgermeisterin Mindy Konwitschny wies darauf hin, dass das Realschulgebäude am Gymnasium als viel kompakterer Bau geplant sei als am anderen Standort. Hier könne man noch Geld sparen, folgerte sie. Auch seien die Erweiterungsmöglichkeiten am Bahnhof gering. Hier sei nur eine Aufstockung der Gebäude oder ein Zugriff auf andere Flächen möglich.

Mehrheiten nötig

Katharina Prorok (CSU) kritisierte, dass der Zweckverband die demokratische Entscheidung des Gemeinderats für den Standort Brunnthaler Straße überhaupt infrage stellt. „Man kann nicht so oft eine Entscheidung treffen, bis das Ergebnis passt“, sagte sie. Er respektiere den Ratsbeschluss, aber es brauche auch eine demokratische Mehrheit für den Realschulstandort im Zweckverband, entgegnete Göbel, der auch Zweckverbandsvorsitzender ist. Und die ist angesichts der Mehrkosten beim Standort Erich-Kästner-Schule fraglich.

Deshalb bietet sich mittlerweile auch die Nachbargemeinde Hohenbrunn als Realschul-Standort an. Für Prorok kein Problem, denn das wäre für Höhenkirchen-Siegertsbrunn die günstigste Lösung. Man müsse aber auch an die Schüler im Ort denken, bemerkte Spingler. Er verwies auf langwierige Entscheidungsprozesse in Hohenbrunn. Seine Befürchtung: Der Zeitplan für den Realschulbau könne dort arg ins Stocken geraten.

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