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Imposante Bauwerke: Die Erdbehälter-Wasserspeicher erinnern mit ihren spiralförmigen Wänden an Schneckenhäuser. Jeder der beiden Speicher hat ein Volumen von rund 2000 Kubikmeter.

Investition ins Wasserwerk

Trockenheit im Schneckenhaus: Die Riesen-Sanierung, die keiner bemerkt

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Für viel Geld saniert Höhenkirchen-Siegertsbrunn gerade sein Wasserwerk. Doch weil die Arbeiten größtenteils im Verborgenen stattfinden, bekommt es kaum jemand mit.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Es ist gerade einmal ein paar Jahre her, da lag plötzlich die Anfrage aus Unterhaching auf seinem Tisch, erinnert sich Hans Neumann: Ob das Wasserwerk Höhenkirchen-Siegertsbrunn nicht auch die Gemeinde Unterhaching mit Trinkwasser versorgen könne? Damals zeichnete sich gerade der Konflikt zwischen dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen und den Gemeinden Neubiberg und Unterhaching übers Wasser ab, das die beiden Kommunen bisher aus dem Loisachtal erhalten. Auf der Suche nach alternativen Quellen war Unterhaching auf die Höhenkirchner Brunnen gestoßen.

Doch Höhenkirchens Wassermeister musste der Nachbar-Kommune absagen. „Das hätten wir nicht hinbekommen. Dafür sind wir zu klein“, sagt Neumann. Er war damals noch nicht lange im Amt – und hatte genug damit zu tun, für die eigene Gemeinde die Trinkwasser-Zukunft zu garantieren. Diesem Ziel rückt der 57-Jährige täglich näher: Die Sanierung des Wasserwerks steht kurz vor dem Abschluss.

Sanierung bereits abgeschlossen: Die Wände eines Wasserspeichers haben schon die widerstandsfähige Kunststoff-Abdeckung erhalten.

Zwei Brunnen

Forderte die Erneuerung: Wassermeister Hans Neumann.

Im Gegensatz zu Unterhaching und Neubiberg ist Höhenkirchen-Siegertsbrunn nicht auf fremdes Wasser angewiesen. Die Gemeinde fördert selbst aus zwei Brunnen. „Die Brunnen sind abwechselnd im Einsatz“, erklärt Neumann, der zusammen mit Wasserwart Gerhard Lachner und Alois Bachmann dafür zuständig ist, dass die Bürger in Höhenkirchen und Siegertsbrunn mit der wohl wertvollsten Ressource versorgt sind, die es auf der Erde gibt. „Schließlich ist Wasser nach wie vor das wichtigste Lebensmittel“, findet Lachner.

Die Jahresfördermenge beträgt rund 550 000 Kubikmeter. Das aus den Brunnen geförderte Grundwasser wird in zwei Wasserspeicher geleitet, die am südlichen Ortsrand beim Wasserwerk im Erdboden liegen. 4000 Kubikmeter Wasser können dort gespeichert werden.

Damit die Wasserversorgung des ständig wachsenden Ortes auch in Zukunft gesichert ist, nimmt die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn momentan viel Geld in die Hand. Dazu geraten hat ihnen Neumann. Auf seine Initiative hin wurden 2018 beide Brunnen saniert. Die Kosten dafür liegen laut Kämmerin Christine Schmidt bei rund 270 000 Euro. Zudem wurde unlängst eine neue Leitung zur Notversorgung nach Hohenbrunn eingerichtet. Gleich zweieinhalb Millionen Euro verschlingen die derzeit laufende Sanierung der beiden Wasserspeicher und der Umbau sowie die technische Modernisierung des Wasserwerks.

Im April 2019 sind deshalb Neumann und seine Mitarbeiter in einen Container direkt vor dem Wasserwerk gezogen. Dort machen sie ihre Büroarbeit und kontrollieren am Computer die Funktionen der Geräte. „Ich hoffe, dass wir spätestens heuer im Frühjahr wieder umziehen können“, sagt Erdmann. Immerhin sind die Arbeiten bereits weit fortgeschritten.

Entkeimung möglich

Leistungsstark: Das neue Notstromaggregat ist bereits angeschlossen.

Das neue, leistungsstärkere Notstromaggregat hat bereits seinen Platz außerhalb des Wasserwerk-Gebäudes gefunden. Es kann bei Stromausfall nicht nur das Werk, sondern auch die Pumpen der Brunnen mit Energie versorgen. Der im Wasserwerk frei gewordene Raum wird zum Büro umgebaut. Im Einsatz ist auch bereits die neue UV-Anlage. Sie sorgt für eine permanente Entkeimung.

Noch nicht ganz abgeschlossen ist die Sanierung der beiden Wasserspeicher. Die in der Erde liegenden Stahlbetonkörper mit einem Volumen von jeweils 2000 Kubikmetern, die mit ihren spiralförmigen Wänden an Schneckenhäuser erinnern, sind nicht mehr dicht. Deshalb wird die Betonbeschichtung durch eine widerstandsfähige Kunststoff-Beschichtung ausgetauscht. Dafür muss erst der eine, dann der andere Behälter trockengelegt werden.

Die Sanierung des Wasserwerkes geht, und das freut Neumann besonders, fast unbemerkt vonstatten. Einschränkungen für die Bürger gab es bisher nicht. Das ist auch der Notversorgungsleitung nach Hohenbrunn zu verdanken, wie er verrät: „Während der Sanierung konnten wir bisher einmal für ein paar Tage selbst kein Wasser liefern. Da haben wir das Wasser problemlos aus Hohenbrunn bekommen.“

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Nachfolger eingestellt

Investiert hat die Gemeinde aber nicht nur in Bauten und Technik, sondern auch ins Personal. So wurde erst vor wenigen Monaten der gelernte Installateur Alois Bachmann eingestellt. Der 21-Jährige soll in den nächsten Jahren zum Wassermeister ausgebildet werden und später Neumann beerben, sobald dieser in Ruhestand geht.

Der Mann der Zukunft: Alois Bachmann soll die Nachfolge von Wassermeister Hans Neumann antreten, wenn dieser in ein paar Jahren in Ruhestand geht.

Die immensen Summen, die die Gemeinde in die Sanierung und Modernisierung der Wasserversorgung steckt, werden aber keinesfalls vollständig auf die Kunden umgelegt. „Dadurch würde sich der Wasserpreis vervielfachen. Das ist den Bürgern nicht zumutbar“, sagt Kämmerin Schmidt. Seit Oktober 2014 liegt der Preis bei 1,54 Euro pro Kubikmeter inklusive Mehrwertsteuer. Frühestens heuer im Oktober gibt es eine neue Anpassung. Spätestens dann werden die Bürger möglicherweise merken, dass sich bei der Wasserversorgung vor Ort einiges getan hat.

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