Beleidigungen gegen Lehrer am Gymnasium

Schulleitung und Lehrer werben für Zivilcourage nach „respektlosem Verhalten“ von Abiturienten

„Das gehört sich einfach nicht“, echauffierte sich ein Vater bei der Abschlussfeier der Abiturienten am Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn am vergangenen Freitag nach der sehr kritischen Rede von Schulleiterin Claudia Gantke. Doch die Worte der Schulleiterin haben einen ernsten Hintergrund. 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn  „Jeder Lehrer hat seine Individualität, nicht nur die lustigen, die immer für einen Spaß gut sind, sind gute Lehrer. Sie alle haben euren Respekt verdient. Wenn der eine oder andere von euch diesen Respekt den Lehrkräften nicht entgegenbringen kann, dann würde sich für mich in der Tat die Frage nach der Reife stellen“, lauteten die Worte der Schulleiterin. Wie sich jetzt herausstellt, hatte ihre Ansprache einen sehr ernsten Hintergrund. Mit einem Schreiben an den Münchner Merkur  will die Schulleitung für Aufklärung sorgen.

Lehrer enttäuscht und fassungslos

Einige wenige Abiturienten hätten demnach beim Abistreich am Tag zuvor nicht nur beleidigende Schmierereien über einen Lehrer auf die Schulfassade geschmiert, sondern auch noch – wie an einem Tatort – den Umriss einer Leiche auf den Boden gezeichnet. In diesen war der Name des Lehrers geschrieben. Die Lehrer wollten noch am Morgen der Abiturfeier geschlossen die Teilnahme am abendlichen Abiball boykottieren und baten die Schulleitung um kritische Worte. Auch wenn klar sei, dass die Schmierereien nur auf einige Wenige zurückgehen würden, sei es dennoch erschreckend, dass alle anderen tatenlos zugesehen hätten. „Das hat uns alle enttäuscht und Schulleitung und Kollegium fassungslos gemacht“, heißt es in dem Schreiben.

Lehrer und Schulleitung verurteilen dieses Verhalten als „in höchstem Maße respektlos und eines Abiturienten unwürdig“. Schulleiterin Claudia Gantke habe bei der Abschlussrede durch ihre kritischen, „aber wohldosierten Worte“ dafür gesorgt, dass nicht der gesamte Jahrgang bloßgestellt wurde. Sie habe aber dennoch klar und deutlich zum respektvollen Umgang mit anderen aufgerufen. Ziel war es, Schüler und Eltern wachzurütteln. „Durch dieses klare Signal war es überhaupt erst wieder möglich, dass am Abend mit den Abiturienten gefeiert werden konnte“, heißt es weiter.

„Unsägliches Fehlverhalten“

Dass einigen nicht mehr zum Feiern zumute war, sei nicht Schuld der Schulleiterin gewesen, sondern die einzelner Schüler aus dem Jahrgang. Die Schule habe nur ihren Erziehungsauftrag wahrgenommen und unsägliches Fehlverhalten auch als solches benannt.

„Bei uns am Gymnasium als einer ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’ hat dieses Ereignis auf jeden Fall für einen intensiven Diskurs über die Bedeutung von Erziehung und den respektvollen Umgang miteinander gesorgt“, so der Schlusssatz des Schreibens.

Der Vorfall wurde und wird laut Gantke intern mit den Betroffenen in vielen Gesprächen aufgearbeitet. 

An einem anderen Gymnasium haben Abiturienten eine Todesanzeige geschaltet.

Rubriklistenbild: © Brouczek

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lärmschutzwand in Unterhaching: Bürger machen Druck
Erst weder Lärmschutzwall noch -wand, dann Waldumbau als Puffer für den Autobahnkrach, jetzt vielleicht doch eine Lärmschutzwand auf einem Wall: Das Thema wabert seit …
Lärmschutzwand in Unterhaching: Bürger machen Druck
Wie aus einer Elternidee ein Vorzeige-Kindergarten-Konzept wurde
Als Ute Fiedler aus Hohenbrunn für ihre Tochter einen Betreuungsplatz gesucht hat, war sie von einer regulären Kindertageseinrichtung  nicht begeistert. Sie suchte eine …
Wie aus einer Elternidee ein Vorzeige-Kindergarten-Konzept wurde
Experte warnt vor Cannabis-Konsum: „Jugendliche können sich dumm kiffen“
Kiffer werden immer jünger, das Gras immer stärker: Welche Gefahren Cannabis, gerade für Jugendliche, birgt, erklärt der Chefarzt für Suchtmedizin und Psychotherapie am …
Experte warnt vor Cannabis-Konsum: „Jugendliche können sich dumm kiffen“
Lebensgefahr auf der Isar: Baum noch immer nicht geborgen - Fahrverbot bleibt bestehen
Der quer liegende Baumstamm in der Isar, der bereits mehrere Boote auf der Isar zum Kentern brachte, konnte noch immer nicht geborgen werden. Das Fahrverbot bleibt …
Lebensgefahr auf der Isar: Baum noch immer nicht geborgen - Fahrverbot bleibt bestehen

Kommentare