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Friedrich Martin Ruf ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

Nachruf

Er prägte eine ganze Gemeinde: Trauer um Unternehmer-Legende Friedrich Martin Ruf

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Friedrich Martin Ruf hat Höhenkirchen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt wie kaum ein anderer. Nun ist er mit 92 Jahren gestorben

Höhenkirchen – Das  Unternehmen Ruf brachte Arbeitsplätze und Wohnraum nach Höhenkirchen. Obwohl heute vom Firmensitz an der Bahnhofstraße kaum noch etwas übrig ist, wissen noch viele in der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit dem Namen „Ruf“ etwas anzufangen. Nun ist Friedrich Ruf im Alter von 92 Jahren verstorben und unter großer Anteilnahme am Höhenkirchner Kirchenfriedhof beigesetzt worden.

Die Ruwido Wilhelm Ruf OHG war als Elektronikunternehmen über viele Jahre hinweg größter Arbeitgeber am Ort. Vier Jahrzehnte prägte der nun verstorbene Ruf die Firma, die im Zuge der Globalisierung ab Mitte der 1990er-Jahre umstrukturiert, rationalisiert und schließlich verkauft wurde. Das 1926 von Rufs Onkel Wilhelm in München gegründete Unternehmen (Elektrogroßhandel) kam nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 nach Hohenbrunn aufs Muna-Gelände und fasste 1954 an der Bahnhofstraße in Höhenkirchen Fuß.

Internationalen Erfolg hatte die Firma Ruwido Wilhelm Ruf unter Friedrich Martin Ruf. Daz Bild zeigt eine historische Luftaufnahme des Betriebsgeländes in der Gemeinde. 

Internationaler Erfolg: Firma wächst auf 1200 Mitarbeiter an

Nach dem Tod seines Onkels Wilhelm übernahm Friedrich Ruf 1962 die Geschäftsleitung. Potentiometer, regelbare Widerstände, waren der internationale Verkaufsschlager, weil die Bauteile für damals moderne Geräte der Nachrichtenübermittlung benötigt wurden. Aus anfänglich 75 Mitarbeiter in Höhenkirchen machte das Unternehmen in seiner besten Zeit 1200. Mit Bussen wurden Mitarbeiter aus der Region nach Höhenkirchen gefahren. Der Ort profitierte.

„Viele unserer alten Mitbürger haben in der Firma gearbeitet und sind wohl auch erst durch sein Unternehmen hier angesiedelt worden“, sagt Bürgermeisterin Ursula Mayer. Ruf hat 150 Werkswohnungen in Höhenkirchen sowie das so genannte Mädchenwohnheim damals für unverheiratete, meist jüngere Mitarbeiterinnen in der Gartenstraße bauen lassen.

Eine historische Aufnahme von Mitarbeiterinnen bei der Elektromontage an einer Lötstraße.

Das Unternehmen schafft Wohnungen und trägt zum Kanalsystem bei

Wichtig war dem Unternehmen auch die Kanalisation, weil es Umwelt- und Abwassermaßnahmen durch den Ausbau der Galvanikabteilung umsetzen musste. In diesem Sinne habe Ruf auch maßgeblich zur Entwicklung des Ortes beigetragen, so Mayer. Unter anderem gab es auf dem Firmengelände eine Stanzerei, Dreherei, Kunststoffspritzerei und Entwicklungsabteilung. Es handelte sich zeitweise um einen der größten Ausbildungsbetriebe mit zeitweise bis zu 50 Lehrlingen im Umland.

Mehr als ein Unternehmer: Friedrich Rufs Engagement im Ort

Friedrich Ruf wirkte nicht nur als Unternehmer. 24 Jahre lang, zwischen 1972 und 1996, gehörte er als Vertreter der Allgemeinen Freien Wählergemeinschaft (AFW) auch dem Gemeinderat an. Dabei setzte er sich insbesondere für den Förderverein Freizeit- und Sportzentrum Höhenkirchen ein. Zudem war Ruf Ehrenpräsident des Bayerischen Armbrustschützenverbandes, Ehren-Gildenmeister der Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl und Ehrenmitglied des Bayerischen Sportschützenbundes (BSSB). Laut Letzterem ist es Rufs Verhandlungsgeschick zu verdanken war, „dass das Oktoberfest-Armbrustschießen nach wie vor auf der Münchner Theresienwiese stattfindet und mit dem Oktoberfest-Landesschießen des BSSB die letzte verbliebene Sportveranstaltung im Rahmen des Oktoberfestes ist.“

In einem Interview mit dem Ortschronisten Günther Schmid erklärte Friedrich Ruf, er schaue mit Genugtuung auf sein Lebenswerk: „Dass die Betriebe so nicht mehr existieren, mag man bedauern. Wenn Sie sich umsehen, werden Sie aber Bestätigung finden, dass eine solche Entwicklung vielfach den Umständen unserer heutigen Zeit geschuldet ist.“ Friedrich Ruf war Träger des Bundesverdienstordens, der Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft und der Medaille „München leuchtet“. 

Aus der Region: Verdienstmedaille für den Schäftlarner Erich Rühmer

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